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Marcel Kösling beeindruckt im Gasthaus Hahn als Magier – doch nicht als Kabarettist

Zauberhaftes mit Nachgeschmack

Ottenstein. Eines hat er im Laufe der Show immer wieder betont: „Ich bin jetzt Mitte, Ende 20.“ Und so nennt er sein knapp zweistündiges Zauberprogramm, das das Erwachsenwerden als roten Faden abspult, denn auch „Zeitensprünge“: 1986 in Hamburg geboren, war Marcel Köslings erster Berufswunsch nach Besuch der Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg, Cowboy zu werden. Mit 7 Jahren kam er dann zur Zauberei. Und frank und frei gibt er auf der Bühne des Gasthauses Hahn zu, dass es schließlich für Las Vegas nicht gereicht habe – doch für Ottenstein schon.

veröffentlicht am 18.02.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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So weit, so gut: Marcel Köslings wortschwallreiches Programm – eine Mischung aus Zauberei, Entertainment, Gesang und ansatzweise politisch angehauchtem Kabarett – bringt das Publikum gut durch den Abend. Die Zauberei, die Kösling von Kindesbeinen an seit seinem ersten Zauberkasten „Mr. Magic“ fasziniert, und die er schließlich zum Beruf gemacht hat, ist wirklich meisterhaft: Da haben geknickte 5-Euro-Scheine nach dem Auseinanderfalten plötzlich dreistellige Notenwerte; da kann der Magier offensichtlich die Gedanken seiner Helfer aus dem Publikum telepathisch lesen und so verdeckt gezogene Karten und Bilder auf der Bühne reproduzieren; da schweben Tische, verschwinden bunte Tücher, um vervielfacht auf mysteriöse Weise wieder aufzutauchen. Wirklich toll, ohne Frage. Und auch seine zauberhafte Parodie einer ihr Programm abspulenden polnischen Entertainerin aus der Jahrmarktbude „Das Reich der Illusionen“ auf dem Hamburger Dom: Super beobachtet und einfach Spitze! Ebenso wie seine Persiflage auf David Copperfield, an den er – zumindest was die Gagen anbelangt – nicht heranreiche, wie er seinem Publikum eingesteht. Und dass er auch im komödiantischen Fach sporadisch zu Hause ist, beweist der Magier mit viel Mimik, die seine pausenlosen Wort-Lawinen begleiten. Das war es dann aber auch schon mit dem eingangs versprochenen „Hauch von Las Vegas für Ottenstein“. Versprochen worden war für den Abend ein „Zauberkünstler und Kabarettist“ – auf den Kabarettisten wartete man leider vergeblich. Doch auch in dieser Frage ist Kösling entwaffnend ehrlich: „Ich liebe politisches Kabarett. Doch ich verstehe es einfach nicht“, so seine Aussage vor seinem Kabarett-Block, der aber nicht einmal die neudeutsche Variante der Comedy bediente und eigentlich nur laut und wenig witzig war, sodass man sich fragte: Was soll dieser misslungene Fremdkörper in der sonst nicht schlechten Zauber-Show? Und wenn der positive Eindruck des zuerst Gesehenen erst einmal angekratzt ist, bedarf es meist nur noch eines ganz kleinen Fingerfehlers, um aus „einem Hauch von Las Vegas“ den Hauch einer Bus-Verkaufsveranstaltung in einem Land-Gasthaus zu machen.

Und das gelang Marcel Kösling zum Schluss seines Programms vor seiner selbst inszenierten Zugabe mit zweifelhafter Bravour. Unter der Prämisse „Ich muss schließlich auch sehen, wie ich rundkomme“ bot der Magier am Saal-Ausgang T-Shirts und Babystrampler mit dem aufgedruckten Motto seiner Zeitsprünge-Tournee „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“ an – „für Damen auch mit Glitzer“. Womit das anfängliche Positiv-Erlebnis des Abends dann reichlich absackte. Doch wie sagte Marcel Kösling wiederholt: „Ich bin jetzt Mitte, Ende 20.“ Das lässt hoffen. In dem Alter ist man noch voll lernfähig! Oder war der T-Shirt-Verkauf der eigentlich angekündigte Kabarett-Teil?

Schade ist dieser Ausrutscher nur für das Gasthaus. Denn der Förderverein der Kultur im Hahn serviert mit seinem Anti-Mainstream-Credo sonst erfreulich konsequent nur Bühnen-Leckerbissen ohne faden Nachgeschmack.

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In seinem Element: Marcel Kösling verblüfft mit zauberhaften Tricks das Publikum. joa


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