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Seit Monaten gibt es Streit um Abfall in Ovelgönne

Wo gelbe Berge wachsen

Ovelgönne. Der Berg ist beachtlich: Seit Monaten türmen sich Gelbe Säcke in Ovelgönne, sorgen bei den Anwohnern für große Verärgerung. Der zuständige Entsorger weigert sich, die Säcke abzuholen, weil er Bedenken hat, mit seinen schweren Fahrzeugen die enge Straße von Hehlen nach Ovelgönne zu befahren.

veröffentlicht am 05.04.2016 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

Ralph Arndt-Stricker
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Ein Beispiel, dass alles mit allem zusammenhängt, bietet das zur Gemeinde Hehlen gehörende Vorwerk Ovelgönne. Dort stapeln sich seit Monaten die Gelben Säcke, weil die Zufahrt zu den weitab liegenden Häusern und Gehöften mit großen Entsorgungsfahrzeugen nicht mehr gewährleistet ist. „Ein unhaltbarer Zustand“, findet Anwohnerin Ursula Bredow. Sie ist enttäuscht, dass seit Monaten zwischen allen Beteiligten quasi „Schwarzer Peter“ gespielt und keine Lösung des Mülldilemmas gefunden wird. Ein Teil des Problems ist eine kleine Brücke, welche die Kreisstraße 38 über einen ehemaligen Forst- und jetzigen Privatweg mit dem Vorwerk verbindet. Diese Brücke wurde im Jahr 2013 von den Landesforsten für den Verkehr von über zwei Tonnen gesperrt, da das Bauwerk marode geworden war (wir berichteten). Jedoch wurde dieses Verbot munter ignoriert und das angebrachte Warnschild sogar „immer wieder gestohlen“, wie Revierförster Torsten Farries berichtet. Bei einem Ortstermin mit den Bürgermeistern aus Hehlen und Ottenstein sowie dem zuständigen Forstamtsleiter aus Hessisch Oldendorf, Christian Weigel, konnte keine Einigung darüber erzielt werden, wer sich in welcher Form an den Kosten der Brückensanierung beteiligt, die wohl einige Zehntausend Euro betragen hätten. So entschieden die Landesforsten im letzten Quartal 2015, die Brücke und die dahinter folgende Straße an einen Landwirt aus Ottenstein zu veräußern, da die Strecke nicht für die Waldbewirtschaftung benötigt wurde. „Wir investieren natürlich nur in ein Bauwerk (Brücke), wenn wir es auch nutzen“, so Weigel. Zudem sei die Straße ohnehin nicht öffentlich gewidmet gewesen, der Lieferverkehr und der landwirtschaftliche Verkehr wurden also auch bis zum Zeitpunkt der Begrenzung auf zwei Tonnen allenfalls durch die Landesforsten toleriert. Spätestens jetzt, wo der Weg von der K 38 nach Ovelgönne nicht mehr nur gewichtsbeschränkt, sondern bald auch in Privatbesitz war, wurde den Müllentsorgern wohl das Risiko zu groß, diese Straße auch weiterhin zu befahren. So gab es nur noch einen Weg nach Ovelgönne über die Gemeindestraße aus Hehlen. Und dort schlummert eine weitere Tücke: Diese Straße ist so schmal, dass sich an den meisten Stellen nicht einmal zwei Pkw begegnen können. Und auf dieser „Straße“ sorgte eine Begegnung von einem Entsorgungsfahrzeug der Abfallwirtschaft Holzminden (AWH) und einem „Schultaxi“ für weiteren Verdruss. Denn diese Begegnung endete für das große und schwere Versorgungsfahrzeug im Straßengraben, da Rücksicht und/oder Rückwärtsfahren bei den beteiligten Protagonisten wohl nicht auf der Tagesordnung stand. Die AWH zog aus diesem Vorfall die Konsequenzen und teilte den Anwohnern in Ovelgönne Anfang Januar 2016 mit, dass die Entsorgung des Papier- und Restmülls künftig mit kleineren Fahrzeugen gewährleistet werde (und auch wird). Jedoch sollten die „leichteren Fahrzeuge“ der Firma Tönsmeier, die für die Entsorgung der Gelben Säcke zuständig sind, den Ort „bis auf weiteres“ noch anfahren, so die AWH. Doch nicht nur Familie Bredow wartet seit dieser Mitteilung vergeblich darauf, dass die Gelben Säcke aus Ovelgönne durch den Entsorger abgeholt werden. Offiziell gab es von der Firma Tönsmeier bisher dazu keine Stellungnahme, doch ist es wohl so, dass die schmale Straße dort für die Versorgungsfahrzeuge als ungeeignet angesehen wird und kleinere Fahrzeuge der Firma nicht zur Verfügung stehen. Ein Vorschlag des Entsorgers, in Hehlen einen Container als Sammelpunkt für die Gelben Säcke aus Ovelgönne einzurichten – die Anwohner hätten die Säcke selbst dort hinbringen müssen – wurde von Bürgermeister Harald Jacob und dem Rat per Beschluss abgelehnt: „Hier wird keine Müllsammelstation eingerichtet“, bekräftigte der Bürgermeister, denn dies führe zwangsläufig dazu, dass dort auch unerlaubt Müll abgestellt werde. Da die Sorgen der Firma Tönsmeier, wie der Vorfall mit dem Fahrzeug der Abfallwirtschaft zeigt, nicht ganz unberechtigt sind, wäre eine Einigung zwischen AWH und der Firma Tönsmeier erstrebenswert, die beinhaltet, dass die Abfallwirtschaft Holzminden mit kleineren Fahrzeugen die Gelben Säcke aus dem Vorwerk abholt und an einem Ort bereitstellt, wo sie problemlos von den großen Fahrzeugen des Entsorgers abgeholt werden könnten. Doch hier scheinen die Kosten und deren Übernahme das Problem zu sein. Eher nicht zielführend dürfte die von der Gemeinde Hehlen angestrebte Lösung sein, gemeinsam mit der Forst (die auch Inhaber eines Teils der Straße von Hehlen nach Övelgönne ist) zwei Ausweichmöglichkeiten durch Aufschüttung von Schotter zu schaffen. Denn dass sich die Fahrzeuge auf einer drei Kilometer langen Straße gerade in der Nähe der Ausweichmöglichkeiten treffen, ist eher unwahrscheinlich. Sicher ist jedoch, dass der Berg an Gelben Säcken in Ovelgönne nicht kleiner wird und dringend zeitnah eine Lösung gefunden werden muss.

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  • Selbst für zwei Pkw zu eng: die Verbindungsstraße zwischen Hehlen und Ovelgönne.
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  • Für Fahrzeuge über zwei Tonnen gesperrt: die Brücke bei Ovelgönne.
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  • Sabine Rangius verschwindet fast hinter dem Berg aus Gelben Säcken. Sie hat bei der Familie Bredow ihre Pferde untergestellt.


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