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Seit 20 Jahren besuchen Kinder aus dem ostfriesischen Westerholt den Zeltplatz in Pegestorf

„Wir fühlen uns hier wie eine Großfamilie“

Pegestorf (ul). „Die Nachtwanderung war sooo spannend, da stieg ein Gespenst über der Brücke auf und einige waren sehr erschrocken, als sie mit Erbsen beworfen wurden“, erzählt Dominik aus dem ostfriesischen Westerholt. Jan fand das Paddeln auf der Weser am besten. Neun Tage sind sie zu Gast im Zeltlager in Pegestorf. Über Diakon Peter Plaeschke und Pastor Hans-Jörg Malitte liefen die ersten Kontakte vor 20 Jahren. Das Zeltlager für Acht- bis Zwölfjährige ist in dem 440 Seelen Ort Pegestorf an der Weser zu einer festen Größe geworden. Heute soll das auf dem Zeltplatz gefeiert werden.

veröffentlicht am 31.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

Die Gäste frühstücken im Freien vor der Grillhütte. Fotos: ul
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Denn auch Pegestorf versucht, gegen die Überalterung im Dorf anzukämpfen. Bürgermeister Dirk Pommer sagt: „Die jungen Gäste bringen Leben in unser beschauliches Dorf, vielleicht erinnert sich einer später daran und siedelt sich hier an.“ Als Vater von drei Kindern ist er von der naturnahen Art der Übernachtung für Kinder überzeugt. Gern würde er mit Leader-Mitteln einfache Blockhütten auf dem Grillplatz errichten, um die Übernachtungssaison ausweiten zu können und auch Schulklassen anlocken zu können.

Doch den Eigenanteil der Finanzierung kann die Gemeinde kaum aufbringen. „Seit Schließung des Spielkreises finanzieren wir bereits den Transport der Kinder zum Kindergarten; ob wir uns diese freiwillige Leistung künftig noch leisten können, steht bereits in den Sternen. Dabei ist dies wichtig, um junge Familien zu binden.“

Die Samtgemeinde Holtriem aus dem Kreis Wittmund hat anfangs mit der Kirche und seit zwei Jahren mit der Arbeiterwohlfahrt das Zeltlager für 40 Kinder mit einem täglichen Essenskostenzuschuss in Höhe von 2,50 Euro pro Teilnehmer bezuschusst.

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160 Euro kostet die Freizeit, darin enthalten sind auch die Eintrittsgelder etwa für die Höhepunkte wie den Flughafen- und Stadionbesuch in Hannover, den Rastiland-Ausflug mit Grillen. Der 30 Jahre alte Alexander Moeller ist schon 17-mal als Gruppenleiter dabei gewesen. „Jedes Kind bringt sich mit seinen Stärken ein und kann sich dabei anders entfalten als in der Schule.“ Gefrühstückt wird bei gutem Wetter vor der Grillhütte an der langen Tafel. Wer abwäscht, bedient sich kurzerhand des warmen Duschwassers aus den Umziehkabinen des Sportvereinsheimes. „Es ist zwar sehr spartanisch, aber wir haben uns darauf eingestellt“, sagt Gruppenleiter Bernd Eisenacher. „Beim Klettern im Ith ebenso wie bei der Abnahme von Schwimmausweisen im Freibad Polle, wobei die anderen sie anfeuern, erfahren die Kinder Selbstbewusstsein.“ Jeder Teilnehmer erhält ein T-Shirt mit seinem Namen und dem Aufdruck „Pegestorf 2009“. „Wir fühlen uns hier wie eine Großfamilie“, bestätigt auch die Grundschulleiterin Bärbel Moeller.

Zur 20-Jahr-Feier heute Abend auf dem Grillplatz beim Sportplatz werden nicht nur Bürgermeister Dirk Pommer mit seinen beiden Vertretern und Samtgemeindebürgermeister Ernst-August Wolf dabei sein, auch der Samtgemeinde-Bürgermeister aus Holtriem, Gerhard Dierks, hat sich angemeldet. Mit dabei sein werden auch die Nachbarn des Sport- und Grillplatzes, Elisabeth und Dieter Bock. Sie helfen, wo sie nur können. „Diesmal haben unsere Söhne einen kabellosen Internet-Anschluss installiert, damit die Gruppe per Laptop ins Internet und E-Mails versenden kann.“ „Im Gegensatz zu den riesigen Schulabschlussfeiern vom Campe Gymnasium oder der Feuerwehrfeier, die sehr laut war, sind die Jugendlichen im Zeltlager sehr erträgliche Nachbarn für uns.“

Als die Zelte einmal wegen Starkregen vollzulaufen drohten, hat Elisabeth Bock die Jungen bei sich im Haus aufgenommen, während die Mädchen im Sportvereinsheim auf dem Platz untergebracht wurden. In diesem Jahr spielte das Wetter aber mit. „Die Grillhütte ist so groß, dass wir mit 40 Personen hier auch Spiele anbieten können und die Zelte am Samstag im Trockenen abbauen und alle Jugendlichen nach der 20-Jahr-Feier zum Abschluss in der Hütte übernachten dürfen.“ Was die Ostfriesen an Pegestorf begeistert? „Es ist die Landschaft, die Kinder sind begeistert von der Weser und den Bergen, denn Berge haben einige von ihnen vorher noch nicht gesehen.“

Nachbar Dieter Bock (links) mit Gästen aus Westerholt.

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