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Planer warnen – und erhalten überraschend Unterstützung von der Vorsitzenden der Werbegemeinschaft

Wieder Autos in der Fußgängerzone?

Bodenwerder. Wie kann die Innenstadt belebt werden? In einer zweiten Veranstaltung stellte Stadtplaner Peter Flasphöler sein Konzept vor. Vor einer Öffnung der Fußgängerzone warnte jedoch Gutachter FElix Bögert – und erhielt überraschend Unterstützung von der Vorsitzenden der Werbegemeinschaft

veröffentlicht am 19.02.2016 um 16:43 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Das Planungskonzept für Bodenwerders Altstadt wurde im Saal des Hotels „Deutsches Haus“ in einer zweiten öffentlichen Veranstaltung durch den Architekten und Stadtplaner Peter Flaspöhler interessierten Bürgern vorgestellt. Und das Thema stieß auf enormes Interesse – der Saal war voll besetzt. Unter Flaspöhlers Moderation konnten sich Bodenwerderaner Bürger in einer eineinhalbstündigen Info- und Diskussionsveranstaltung den neuesten Stand der Planungen näherbringen lassen und ihre Meinung zur künftigen Stadtplanung einbringen. Und das Planungsbüro sagte wiederholt zu, die Bürgermeinung aufnehmen und ins Planungskonzept einarbeiten zuwollen. Flaspöhler: „Ich verspreche, hier geht nichts von Ihrer Meinung verloren.“

In vier Unterpunkte hat das in Hessisch Oldendorf ansässige Planungsbüro das stadtplanerische Entwicklungskonzept für die Münchhausenstadt gegliedert: Verkehr, Wohnen, Nahversorgung und Tourismus. Und beim Thema Verkehr entbrannte gleich zu Beginn eine heftige, emotionsgeladene Kontroverse über die Frage, ob Bodenwerders Fußgängerzone unter städtebaulichem Aspekt – wie von vielen Geschäftsleuten seit Langem gefordert – wieder für den Autoverkehr geöffnet werden sollte. Oder soll alles so bleiben, wie es ist?

Zur unabhängigen fachlichen Klärung hatten Planungsbüro und Stadt dazu ein Verkehrsgutachten bei dem hannoverschen Planungsbüro Zacharias in Auftrag gegeben. Dessen Gutachter, Diplom-Ingenieur Felix Bögert, präsentierte dann ein Ergebnis, mit dem sich viele Anwesende nicht abfinden wollten: Bögert plädierte dafür, die Fußgängerzone in ihrem Ist-Zustand zu belassen. Seine Begründung: Bodenwerder habe mit seinen Parkmöglichkeiten im Hagen geradezu eine Idealsituation, die Geschäfte der Großen Straße schnell zu Fuß zu erreichen. Er warnte vor einer Wiederöffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr. Begründung: Es entstünden wilde Parksituationen, Fußgänger würden vertrieben, Sondernutzungen der Straße für Handel und Gastronomie wären nicht mehr möglich und das Verkehrsaufkommen aus dem Hagen würde sich wieder in die zu enge Große Straße verlagern.

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  • Peter Flaspöhler präsentiert im voll besetzten Saal die Vorstellungen der Planer. Foto: joa

Während sich im Anschluss an den Fachvortrag viele Anwesende entschieden gegen eine Beibehaltung der Fußgängerzone in einer Stadt von der Größe Bodenwerders aussprachen, überraschte die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Bodenwerder, Melanie Korte-Beuser, mit ihrem Statement: Hatte sich die Werbegemeinschaft bislang geschlossen für eine Öffnung der Fußgängerzone starkgemacht, so plädierte Korte-Beuser nun für den Erhalt der Fußgängerzone und argumentierte unter anderem mit der Staub- und Abgasbelastung durch Autoverkehr. Eine Steilvorlage für die Öffnungsgegner, die im Ansteuern von Geschäften in der Großen Straße kein Allheilmittel sehen, um dort Geschäfts-Leerstände zu beseitigen. Als Beispiel für die Wohnsituation in der Altstadt hatten die Planer die südliche Homburgstraße ausgewählt – ein Wohnquartier mit teilweise kritischer Bausubstanz, Leerständen und engster Bebauung. Während die Planer Umnutzungsmöglichkeiten mit teilweisen Abrissen vorschlugen, wurde von den Anliegern immer wieder angeführt, dass es sich hier um ein Hochwassergebiet handelt, in dem einzelne vorgeschlagene Baumaßnahmen nicht genehmigungsfähig sind. Hier wird die künftige Detailplanung zeigen, wo die Grenze zwischen planerischem Wunsch und praktischer Wirklichkeit liegen wird.

Einigkeit bei Stadtplanern und Bürgern herrschte indes bei der Absichtserklärung, den Nahversorger Edeka im Hagen unbedingt an seinem jetzigen Standort zu halten, ihm dort sogar noch Erweiterungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die Stadt sagte bereits ihre Unterstützung zu.

Für Irritation sorgte die Aussage der Stadtplaner, dass Bodenwerder zwar auch künftig die Möglichkeit zum Einkaufen bieten solle, aber nicht in erster Linie eine klassische Einkaufsstadt mehr sei. Die Münchhausenstadt sei vielmehr „eine Stadt für Freizeitaktivitäten, die man gern besucht“ und die dafür auch Einkaufsmöglichkeiten bieten solle. Hingewiesen wurde dabei auf den glücklichen Umstand, dass Bodenwerder als gesetzlich anerkannter Erholungsort in der privilegierten Lage sei, an 40 Sonntagen im Jahr seine Läden verkaufsoffen zu halten.

Tourismusförderung ist deshalb als vierter Eckpfeil tragendes Element im vorgestellten Entwicklungskonzept für Bodenwerder. Dazu stellte das Planungsbüro einen eigenen Entwurf für die Sanierung der Weserpromenade vor, bei dem unter Weglassen bislang angedachter Event-Elemente der Erholungsfunktion oberste Priorität beigemessen wird.

Nach dieser zweiten öffentlichen Diskussion wird das städtebauliche Konzept nun vom Planungsbüro mit allen Bürgeranregungen dokumentiert und den politischen Gremien zur Beratung vorgelegt. Noch vor der politischen Sommerpause soll das Konzept am 20. Juni im Rat der Münchhausenstadt behandelt werden.



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