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Fahrzeugtechnik und Spedition mit hohem Innovationsfaktor / „Konjunktur zerrt auch an uns“

Wie Spedition Schäfer die Krise meistern will

Bodenwerder (ul). „Die Krise hat uns voll im Griff, die Auswirkungen des Finanzmarktes finden wir bedauerlicher Weise täglich bei unseren Geschäftskontakten. Nicht nur, dass unsere Gebrauchtwagenkunden aus Ost- und Südeuropa kein Geld für Einkäufe in Deutschland bei Leasinggebern bekommen, der gesamte Markt für Nutzfahrzeuge ist zusammengebrochen“, sagt Henning Schäfer, Geschäftsführer der Fahrzeugtechnik Schäfer GmbH und Spedition Schäfer GmbH aus Bodenwerder.

veröffentlicht am 19.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:21 Uhr

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In der Vergangenheit betrug der Restwert eines Gebrauchtfahrzeugs die Summe, die zur Anzahlung eines Neuwagens nötig war. Mit Einführung der neuen Mautsätze 2009 (teilweise plus 80 Prozent für Euro2) sind für diese Fahrzeuge aber nur noch 20 Prozent ihres Wertes zu erzielen. „Der Zusammenbruch der Finanzwerte trifft mit voller Wucht solide, aber mit wenig Eigenkapital ausgestattete mittelständische Transportbetriebe und treibt sie zum Teil in die Insolvenz“, sagt Schäfer.

Froh über mehrere Standbeine

„Wir sind froh, mehrere Standbeine zu haben. Unser Fahrzeugtechnik-Betrieb hat sich rechtzeitig auf die veränderte Struktur eingestellt“, so Schäfer. „Spezialaufbauten für Nutzfahrzeuge, mit Ladekran, Kipper, Mitnehmstapler, für Container oder für Wechselsysteme werden regelmäßig überregional nachgefragt.“

Die 50 Mitarbeiter im Unternehmen versuchen durch Eigeninitiative und viel Engagement der Krise zu trotzen. „Wir entwickeln mit unseren Kunden zusammen maßgeschneiderte Lösungen, um deren Fahrzeuge für die entsprechenden Anforderungen auszurichten.“ Um Neukundengeschäfte zu akquirieren, fährt der Unternehmer zum Teil durch ganz Deutschland.

„Seit zehn Jahren vertreibt Schäfer auch den Combilift, einen Vier-Wege-Stapler. Diese wendigen Geräte von 2 bis 14 Tonnen Tragkraft sind Meister für lange und sperrige Güter. Durch drei angetriebene Räder fahren sie in fast jedem Gelände“, erläutert der Geschäftsführer. „Die Combilift hat seit Markteinführung vor zehn Jahren über 10 000 Geräte weltweit verkauft, unser Unternehmen ist seit der Gründung des Staplerherstellers deutscher Händler für den irischen Gabelstapler-Hersteller.“

Aber nicht nur auf dem Sektor für Vier-Wege-Fahrzeuge bewegt sich das Bodenwerderaner Unternehmen, Schäfer vertreibt Mitnehmstapler, die er selbst auch bei einem Teil seiner Fahrzeuge einsetzt. Lastwagen transportieren den Mitnehmstapler „huckepack“ – recht verschlissen sind die Geräte nach einigen Jahren Einsatz. Fahrzeugtechnik Schäfer arbeitet diese Geräte für Kunden auf, stattet sie mit neuen Hydraulikschläuchen, Komponenten und einer neuer Elektrik aus und lackiert die Fahrzeuge. Die Kosten belaufen sich für den Kunden dann nur auf 40 Prozent des Neuwertes. „Das heißt aber nicht, dass wir keine neuen Geräte liefern wollen“, fügt Fahrzeugtechnik-Geschäftsführer Alexander Voigt lachend hinzu.

Seit Mitte des vergangenen Jahres ist das Unternehmen zudem Servicepartner des niederländischen Fahrzeugherstellers DAF. „Der Verkauf und der Service unserer DAF-Fahrzeuge gestaltet sich von Woche zu Woche erfreulicher. Durch die kurzen Lieferzeiten können wir unseren Kunden relativ schnell ein komplettes Fahrzeug aus einer Hand liefern. Die Bestellung des Fahrzeugs tätigen die Interessenten bei uns, DAF liefert das Fahrgestell und unser 15 Mann starkes Team baut den passenden Aufbau, so wie wir es zuvor mit dem Kunden entwickelt haben.“

Im Jahr 2008 ist das Unternehmen von der Ernst-Reuter-Straße in die Sandbreite umgezogen. Alexander Voigt sagt stolz, dass das die Firma ein gutes Stück voran gebracht habe. „Wir haben einen neuen, modernen Betrieb und gegenüber der Zeit vor 2006 viel mehr Möglichkeiten“, sagt der junge Geschäftsführer und zeigt die Hydraulikschlauchfertigung. „Herr Schäfer hat vor rund zehn Jahren Michael Helmer für die Spedition und mir für die Fahrzeugtechnik Verantwortung und Beteiligung übertragen. So ist der Generationsübergang gewährleistet und wir haben Entscheidungsbefugnis, wodurch die Arbeit mehr Freude macht.“

„Das zerrt auch an uns“

„Im Speditionsgewerbe gab es früher feste Tarife für LKW-Touren“, erklärt Michael Helmer „Wir hatten einen festen Kundenstamm. Die Frachten waren zwar für Baustofftransporte niedrig, aber auskömmlich. Heute sind wir gezwungen, einen Großteil der Aufträge über Frachtbörsen im Internet zu generieren. Jedes Transport- und Logistikunternehmen kann auf die Touren bieten, manch ein Transportunternehmer sucht für sein Fahrzeug eine Rücktour, dann fährt er zum Teil auch unter seinen Selbstkosten. Durch unsere europaweite Baustofflogistik, die wir auch für kleinere Partien mit Kran- oder Mitnehmstapler-Entladung durchführen, konnten wir trotzdem erfolgreich Aufträge generieren. Aber auch wir wurden im letzten Jahr gezwungen, den Fuhrpark zu reduzieren.“ Der lange Winter hat bei dem Spediteur Aktivität verhindert. Durststrecken kennen Unternehmer, aber die fehlende Konjunktur tut ein Übriges.

„40 Jahre Selbstständigkeit prägen ein Unternehmen“, meint Schäfer. „Der Beginn lag in Ottenstein, seit 1984 ist der Betrieb in Bodenwerder angesiedelt. Die Entwicklung hat uns Höhen und Tiefen gezeigt. Im Moment bewegen wir uns leider am unteren Ende der Skala. Das zerrt auch an uns.“ Aber Schäfer ist zuversichtlich, jetzt komme der Frühling, und es gehe sicherlich wieder aufwärts. „Am Sonntag feiern wir mit Kunden und Lieferanten unser Betriebsjubiläum.“

Seine Faszination für Transportfahrzeuge kann Henning Schäfer in seinem Büro anhand von Miniaturstaplern jedem Kunden demonstrieren. Foto: ul



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