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Porträt in jahrelanger Arbeit rekonstruiert / Leiter des Münchhausen-Museums legt Jahresbilanz vor

Wie Jacobine wieder ins Gutshaus zurückkehrt

Bodenwerder. Die Geschichte ist so abenteuerlich, dass sie selbst Bodenwerders berühmter Fabulierkünstler nicht hätte besser erzählen können. Doch im Gegensatz zu den Münchhausiaden ist sie wahr und hat auf Leinwand ein gutes Ende gefunden. Und die wichtige Nachricht für alle Münchhausen-Fans: Jacobine, die Frau des adeligen Gutsbesitzers aus Bodenwerder, hat ihr Gesicht wiederbekommen – in Farbe und mit aller Lieblichkeit. Gemeinsam mit ihrem Baron soll sie demnächst wieder vom Treppenaufgang des heutigen Rathauses, das von 1750 an für 40 Jahre ihr Wohnhaus war, auf die Besucher blicken.

veröffentlicht am 13.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Doch nun zur Geschichte ihrer abenteuerlichen Rückkehr ins bodenwerdersche Gutshaus: Ende des 19. Jahrhunderts hatte ihr Porträt die Münchhausenstadt verlassen, als der letzte dort geborene von Münchhausen, Hermann August, dem Ort an der Weser den Rücken kehrte und sich in Thüringen auf Schloss Bockstadt niederließ. Die Gemälde hatte er mitgenommen. Später zog die Familie in ihr Landhaus nach Pommern um, wo das Jacobine-Portrait in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verschollen ist. In Schloss Bockstadt war dann nur noch eine schwarz-weiße Fotografie des Gemäldes erhalten geblieben, das bis vor Kurzem als einzige Erinnerung an die Münchhausen-Gattin in einer Vitrine ausgestellt war.

Aus diesem Foto hat jetzt die Familie Atis Sausnitis aus Riga, Inhaber des „Münchhausen-Erlebnislandes“ in Dunte, Lettland, wo am Geburtsort der Münchhausen-Ehefrau ebenfalls ein Münchhausen-Museum existiert, ein Portrait rekonstruieren lassen. Unterstützt wurde sie dabei von den Museums-Kollegen aus Bodenwerder. Die rund zweijährigen Recherchen, die als Vorarbeit dazu notwendig waren, führten unter anderem ins russische Museum für Militärgeschichte und zur Familie von Gustedt, wo Bilder einer Jacobine-Schwester existieren. Kopien des Ölgemäldes von Jacobine und von Hieronymus hat die Familie im August des Jahres nun dem Münchhausen-Museum Bodenwerder geschenkt.

Die Rückkehr der rekonstruierten Münchhausen-Porträts ist aber nur ein Highlight der Erfolge in der Jahresbilanz 2013, die Museumsleiter und Stadtheimatpfleger Werner Koch jetzt vorgelegt hat.

So konnte das Museum in der Schulenburg trotz eines verregneten Sommers 2013 rund 19 000 Besucher zählen. Im Spätsommer waren es bis zu 800 Besucher wöchentlich. Was die Eintrittspreise angeht, konnte das Museum in diesem Jahr – bedingt durch eine Preisanhebung – mit 17 383 Euro das beste wirtschaftliche Ergebnis seiner Geschichte vorweisen. Dazu kommen über 5600 Euro an Spenden. Museumsleiter Koch ist deshalb stolz darauf, dass sich die Einrichtung mit guten 15 000 Euro jährlichen Kosten nicht nur selbst trägt, sonder sogar Gewinne eingefahren hat.

Wie Koch weiter beobachtet hat, war neben den touristischen Museumsbesuchern im Vorjahr der Anteil von Besuchern aus der Region erstaunlich hoch. Koch: „In den elf Jahren seines Bestehens muss sich das Münchhausen-Museum also auch im eigenen Lande einen guten Ruf erworben haben.“ Konstant hoch war auch der Anteil von Besuchern vom Weser-Radweg. Koch wünscht sich hier für das kommende Jahr deshalb auch noch verbesserte Hinweisschilder aufs Museum an der Radler-Piste.

Und auch baulich hat sich im vergangenen Jahr – nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung des „Freundeskreis Münchhausen-Gutshof e.V.“ einiges in der Pflege des Münchhausen-Andenkens getan: Schwerpunkt war hier die Sanierung der Münchhausen-Grotte. Die Innenwände des Museums erhielten einen neuen Anstrich und das Dachgeschoss eine neue LED-Beleuchtung. Auch wurde die Sammlung um einige Münchhhausen-Bücher und -Filmdokumente erweitert.

Mit einem offiziellen Empfang soll die Museumssaison 2014 am Freitag, 28. März, eröffnet werden. Ab 29. März ist das Museum dann wieder nach der derzeitigen Winterpause für den normalen Publikumsbesuch geöffnet.

Museumsleiter Werner Koch mit den rekonstruierten Portraits des Ehepaares von Münchhausen, die jetzt nach einer Odyssee der Originale wieder in ihren Stammsitz zurückkehren sollen. joa



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