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In zehn Jahren haben Adolf Ohm und Wilhelm Kohlenberg mehr als 150 Kästen aufgehängt

Wie diese beiden heimische Vögel retten

Bodenwerder. An Einfallsreichtum mangelt es den beiden Freunden Adolf Ohm und Wilhelm Kohlenberg aus Bodenwerder nicht. Was vor zehn Jahren mit einigen selbstangefertigten Nistkästen begann, hat sich inzwischen auf die Anzahl von mehr als 150 Kästen in verschiedenen Ausführungen summiert. Dabei gehen die beiden Senioren mehr als nur ihrem Hobby nach – sie setzen sich vielmehr für den Schutz der heimischen Vogelarten ein. Und dabei haben sie auch schon einige Erfolge erzielt.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Reinhard Borchers
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So brachten die beiden Vogelschützer einen Nistkasten an einem großen Silo an. Wilhelm Kohlenberg kann ihn von seinem Haus aus sehen. „Diesen Kasten bewohnte sehr schnell ein Turmfalke“, erinnert sich Wilhelm Kohlenberg. 2008 stellte sich ein Wanderfalkenmännchen – es ist wesentlich größer als ein Turmfalke – ein. „Dieser Wanderfalke hatte plötzlich zwei Nilgänse als Konkurrenten, die den Nistkasten in Besitz nahmen“, sagt Wilhelm Kohlenberg. Der einzelne Falke aber sei den Gänsen unterlegen gewesen und habe daher den Kasten aufgeben müssen.

„Im folgenden Jahr hatte sich ein Wanderfalkenweibchen dazugesellt“, so Wilhelm Kohlenberg. Beide nahmen gemeinsam den Nistkasten in Beschlag. Aber auch in diesem Jahr waren die Nilgänse wieder zur Stelle und besetzten – trotz heftiger Gegenwehr der Falken – den Nistkasten erneut. Die Falken schienen den Kampf verloren zu haben…

In den vergangenen Jahren hängten die beiden Senioren mehr als 140 Nistkästen für kleine Höhlenbrüter und zehn weitere für größere Vogelarten wie Falken oder Eulen in die Bäume. Weiterhin haben sie noch mehrere Spezialnistkästen zum Beispiel für Fledermäuse, Mauersegler und Baumläufer angefertigt sowie einige Juhlen – das sind Ansitzstangen für Raben- und Greifvögel – errichtet.

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Material, Größe, Einflugloch und Standort der Nistkästen sind immer von der Vogelart abhängig, die diese Nistmöglichkeit erhalten soll. Da es heutzutage weniger alte Bäume gibt, haben es die sogenannten Höhlenbrüter unter den einheimischen Vögeln besonders schwer, geeignete Brutstätten für die Aufzucht ihres Nachwuchses zu finden. Als Material dienten den beiden in der Regel 25 Millimeter starke Fichtenbretter. Aber auch eine Pappröhre oder ein rotfauler Baum, den sie innen gut aushöhlen konnten, zersägten sie versahen ihn mit Dach und Boden.

Die Einfluglöcher der Kästen richteten sie wegen Wind und Regen meist in südöstlicher Richtung aus und hängten die Kästen in rund vier Metern Höhe auf. Für die Befestigung nutzten sie meist Aluminiumnägel. „Das war nötig und eine Auflage der Forstverwaltung, damit bei der Verarbeitung des Holzes zu Brenn- oder Industrieholz keine Schäden entstehen“, sagt Adolf Ohm.

Rund 75 Prozent der Kästen sind jedes Jahr – meist von Meisen, Sperlingen und Kleibern – belegt. Bei durchschnittlich mit fünf Jungen belegten Nestern bedeutet dies, dass jedes Jahr rund 450 Jungvögel ausfliegen können. Kleinvögel haben einen großen Nahrungsbedarf – pro Tag etwa ein Drittel ihres Körpergewichts, so dass allein diese Jungvögel pro Tag zusammen zwischen zwei und drei Kilo Schadinsekten vertilgen. Um den Naturfreunden, Wanderern und Spaziergängern die heimischen Arten im Wald nahezubringen, haben die beiden 74-Jährigen auch eine Informationstafel mit Bildern von mehr als 60 Vogelarten an einem Waldweg aufgebaut.

Die Poster sind im Laufe der Jahre stark verblasst. Allerdings erfuhr Inge Jacob vom Vorstand des Naturschutzbundes NABU Holzminden von diesem Problem und sicherte gleich ihre Unterstützung zu. Wenn entsprechende Poster gefunden würden, wolle der NABU diese den beiden privaten Initiatoren zur Verfügung stellen.

Jedes Jahr ziehen die beiden Naturfreunde mit Leiter und abgewinkeltem Spachtel in den Wald. Dann ist für etwa eine Woche Großreine machen angesagt. Das ist wichtig, denn neben dem Nest müssen sie auch die darin lebenden Parasiten wie Vogelflöhe, Milben und Zecken entfernen. Damit wird die Vogelbrut im kommenden Jahr nicht übermäßig von Parasiten befallen. Dabei finden die Senioren auch sehr häufig Siebenschläfer. Nachdem die Vögel die Nistkästen verlassen haben, nehmen die Siebenschläfer die freien Wohnungen in Besitz.

Bei der Kontrolle der Kästen finden Adolf Ohm und Wilhelm Kohlenberg immer einige, die beschädigt sind und repariert werden müssen. Entweder sind die Einfluglöcher vergrößert oder neue Löcher in die Kästen hineingezimmert. Verursacher sind vermutlich Spechte.

Sie nutzen die Nistkästen als Resonanzkörper, um sich mit Artgenossen zu verständigen oder ihr Revier abzugrenzen. Nach mehreren Tagen Arbeit können die Vögel die Nistkästen wieder in Beschlag nehmen. Einige der Kästen bleiben aber durch Windbruch oder Holzeinschlag für immer verloren. Für die beiden Nistkästenbauer und Vogelschützer ist der Erfolg Bestätigung und Motivation zugleich.

So haben Wanderfalken seit Anfang der 60er Jahre in Norddeutschland nicht mehr gebrütet. Sie waren für Jahrzehnte aus der Gegend verschwunden. Erst durch Nachzuchten und der späteren Wiederauswilderung, dem Bewachen der Horste sowie mit neuen Nistkästen hat sich wieder ein kleiner Bestand angesiedelt.

Zu verdanken ist dieser Erfolg auch Wilhelm Kohlenberg und Adolf Ohm. Nachdem nämlich das Wanderfalkenpaar erneut die Nistkästen der Nilgänse besetzt hatte, retteten Wilhelm Kohlenberg und Adolf Ohm die Gänseeier und ließen sie von einer Hausente ausbrüten. „Die jungen Nilgänse haben sich seitdem Enten, Hühnern und Hausgänsen angeschlossen und leben mit ihnen auf einem Bauernhof in der Nähe der Weser“, sagt Adolf Ohm.

Und nachdem Wilhelm Kohlenberg und Adolf Ohm den Durchgang des umkämpften Nistkastens verkleinert hatten, passten nur noch die Wanderfalken hindurch.

In den folgenden Tagen dann zog das Wanderfalkenpärchen wieder in den Kasten ein und begann kurz darauf wieder zu brüten. Mitte Juni erschien ein einzelner, junger Falke im Eingangsbereich und begann mit den ersten Flugversuchen.

Ergebnis jahrelanger Arbeit (von links): ein Nistkasten, hergestellt aus einer Papprolle, ein Nistkasten für Mauersegler am Haus von Adolf Ohm und Nistkasten Nummer 93. Sie alle haben Adolf Ohm und Wilhelm Kohlenberg selbst gebaut.

Den Schutz der einheimischen Singvögel und anderer Vogelarten haben diese beiden auf die eigene Kappe genommen: Adolf Ohm (links) und Wilhelm Kohlenberg an der Hinweistafel im Wald. Diese Tafel haben die beiden selbst aufgestellt.

Fotos: rbo



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