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Berliner Immobiliengesellschaft sucht Investoren für neue Projekte auf dem Lutterburg-Gelände

Wie die Häuser Büttner und Harms verfallen

Bodenwerder. Es sind nur noch Ruinen, aber hier und da ist noch ein Abglanz vergangener Zeiten zu erahnen: Die verfallenen Häuser des Lutterburg-Geländes am Hopfenberg bei Bodenwerder bieten heute viel Platz für Phantasie und Spekulation. Wer hat hier wohl gelebt? Luxuriös scheint es zugegangen zu sein, Reste von textilen Tapeten sind zu erkennen, und ohne ausreichend Personal war das Gelände sicher nicht zu bewirtschaften.

veröffentlicht am 16.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:41 Uhr

Das verfallene Haus Büttner heute. Fotos (3): phi

Autor:

Inken Philippi
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Dafür spricht auch das als Pförtnerhaus genutzte Gebäude, das noch von der Bundesstraße 83 zwischen Bodenwerder und Pegestorf zu erkennen ist. Wer also baute an dieser inzwischen sehr unwegsamen Stelle derart groß und ausschweifend und warum?

Antworten auf diese Fragen hat der ehemalige Bodenwerderaner Bernd Laufmann. Seit seiner Jugend interessiert sich der Hessisch Oldendorfer für die Geschichte des Anwesens und hat im Laufe der Jahre ordnerweise Informationen zusammengetragen. Im Jahr 1908 beschloss Ernst-Theodor Büttner (geboren am 22. Oktober 1865), Kaufmann aus Stade, ein Eigenheim für sich und seine Familie zu bauen. Büttner handelte mit Klöppelspitze und Stickmustern erfolgreich nach Übersee und bemühte sich um ein großes Grundstück.

Uni verkauft das Gebäude

Seine Frau Dorothea, geborene Pampel, hatte eine jüngere Schwester, Helena, die mit dem Bodenwerderaner Arzt Heinrich Harms verheiratet war. Gemeinsam entschieden sich die beiden wohlhabenden Familien für den Bau zweier Häuser auf dem Gelände der Lutterburg. Geldgeber und Bauherr Büttner zog den international bekannten deutschen Architekten Hermann Muthesius zurate, der ein Ensemble aus zwei Landhäusern mit Pförtnerhaus und Gartenanlage für die Familien entwarf.

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Das Haus Harms heute.
  • Das Haus Harms heute.
Auch das Pförtnerhäuschen ist total verfallen.
  • Auch das Pförtnerhäuschen ist total verfallen.

Als Vertreter der Moderne im beginnenden 20. Jahrhundert war es Muthesius’ Anliegen, die Grundrisse seiner vom englischen Landhausstil maßgeblich beeinflussten Vorstadtvillen und Landhäuser aus dem Grundriss heraus zu entwickeln, also die Funktionalität und Alltagstauglichkeit der Gebäude in den Vordergrund zu stellen und keine Abstriche in der Zweckmäßigkeit zugunsten künstlerischer Wirkung zu machen. So sind die Häuser am Hopfenberg auch streng gegliedert in private, offene und Personalbereiche und lassen bereits am Grundriss wesentliche Abläufe im Haus erkennen.

In zweijähriger Bauzeit (1909 bis 1911) schufen zahlreiche heimische Handwerker in aufwendiger Arbeit die neue Heimat für die Familien Harms und Büttner. Um die Anlage zu pflegen, war Personal erforderlich, bis zu sieben Angestellte gab es in der Glanzzeit.

Nach dem Krebstod Büttners am 29. Juni 1941 verstarb seine Frau 1956 in ihrem Haus. Sein gesamtes Vermögen von 2,5 Millionen Mark vermachte Büttner mit dem Tod seiner Gattin der Universität Göttingen – zu Krebsforschungszwecken. Das Anwesen am Hopfenberg erbte der Universitätsbund Göttingen. Büttner wollte damit eine Ferienstätte für die Professoren bieten und erreichen, dass das Gelände weiterhin gepflegt und ihm ein ehrendes Andenken gewahrt würde. Die Tochter des Ehepaares Harms, Irma Rode, hatte ein lebenslanges Wohnrecht, von dem sie bis 1977 Gebrauch machte.

Die Uni Göttingen veräußerte das Anwesen jedoch schnellstens an einen Bremer Kieswerkbesitzer, und von nun an wechselte die Anlage zügig die Besitzer. Wegen mangelnder Sonneneinstrahlung verkaufte der Bremer das Anwesen an ein Ehepaar aus Bad Pyrmont, das es seinerseits an einen Architekten Knocke weitergab. Das mittlerweile leerstehenden Büttner-Haus brannte 1987 und wurde zwangsversteigert. Neue Eigentümerin war Cecilie Wolf, geborene Knocke, die Tochter des Vorbesitzers. 1994 erwarb die Hopfenberg GmbH das Gelände und ist bis heute Besitzer der Anlage.

Mittlerweile hat sich die Natur den ehemals bebauten Teil des Hopfenbergs zu großen Teilen zurückerobert. Inzwischen ist auch das Pförtnerhaus an der Bundesstraße 83 verfallen. Nach dem Ende der bewohnten Zeit haben sich über die Jahre zahllose Einwohner aus Bodenwerder in die einsturzgefährdeten Häuser gewagt.

Die Eigentümerin Hopfenberg GmbH mit Sitz in Berlin hat sich kürzlich des Geländes angenommen. Mit Bannern und dem Ruf nach „aktiven und kreativen Partnern“ bemüht sich das Unternehmen um eine neue Nutzung des Geländes. „Wir sind dankbar für jede Idee und Unterstützung. Natürlich gern von Menschen aus der Region. Schließlich müssen die Anwohner mit der neuen Lösung leben. Da macht es doch Sinn, wenn sie an der Entwicklung eines neuen Konzeptes beteiligt sind“, so der Sprecher des Unternehmens.

Man sei in alle seriösen Richtungen offen, so die Gesellschaft, möglich seien sowohl touristische Nutzungen als auch soziale Projekte oder schulische Lösungen. Probleme bereitet die nicht vorhandene Energieversorgung; ein Aggregat und eine Zisterne hatten die Bewohner mit Strom und Wasser versorgt.

An die Blütezeit der Häuser Büttner und Harms anzuschließen, dürfte allerdings schwer werden, an die Machbarkeit neuer Projekte zu glauben, kann hingegen kein Fehler sein.

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