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Museumssaison beginnt mit Geschichte um ein illegales Duell

„Wer kennt Tordenskiold?“

veröffentlicht am 02.04.2017 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 02.04.2017 um 22:10 Uhr

„Wer von Ihnen kennt Tordenskiold?“: Festredner Otto Freiherr vom Blomberg lenkt die Aufmerksamkeit seines großen Publikums auf ein tragisches Duell. Foto: saw
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Sabine Weiße Reporterin
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BODENWERDER. Er wächst stetig, der Kreis derer, die sich Münchhausen und seinem freien Geist verbunden fühlen. Traditionell trifft sich diese Gemeinschaft am Vorabend der Museums-Saisoneröffnung, um – ganz im Sinne des weltbekannten Fabulierers – gepflegt zu parlieren, der Fantasie freien Lauf zu lassen, beim Gläschen Sekt und Kanapees über Münchhausen, Gott und die Welt zu philosophieren. Angehörige des Familienverbandes derer von Münchhausen sind an diesem besonderen Abend in der „Schulenburg“ gern dabei. Anlässlich des 80-jährigen Bestehens des im Jahr 1937 eingeweihten Museums geben sich am Freitag gleich vier Vertreter der Adelsfamilie die Ehre: Matthias Freiherr von Münchhausen, als Vorsitzender des Familienverbandes mittlerweile „Stammgast“ in Bodenwerder, außerdem Rembert Freiherr von Münchhausen sowie Otto Freiherr von Blomberg mit seiner Gattin Gönna Freifrau von Blomberg.

Rund 100 Gäste sind der Einladung von Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt, Stadtdirektorin Tanya Warnecke und Museumsleiter Werner Koch gefolgt. Die Stuhlreihen sind so eng gestellt wie noch nie, das Publikum – wie stets – auf die Performance des Festredners höchst gespannt. „Hier ist ja eine große Zahl von Experten versammelt. Die bekannten münchhausenschen Persönlichkeiten brauche ich Ihnen nicht vorzustellen, die kennen Sie längst“, eröffnet Otto Freiherr von Blomberg seinen Vortrag. „Aber wer von Ihnen kennt Tordenskiold?“ Niemand, so scheint es. Dann nimmt eine Erzählung ihren Lauf, die mit Wagemut und Kriegslisten, einer Schlägerei am Hofe König Georgs I., einem Duell mit tragischem Ausgang und späterer Heldenverehrung all‘ jene Elemente einer abendfüllenden Schnurre aufweist, wie sie sich der legendäre Fabulierer Hieronymus Carl-Friedrich von Münchhausen höchstselbst nicht besser hätte ausdenken können. Nun prägen diese weitgehend unbekannte Geschichte, an deren tragisches Ende auf der Sehlwiese bei Gleidingen südlich von Hannover ein Granatfindling mit der Inschrift „Tordenskiold – 12. November 1720“ erinnert, allerlei Finessen, Wirrungen, Ungereimtheiten und Verschwörungstheorien, sodass eine Zusammenfassung mehr Irritation, als Klarheit schaffen könnte.

Nur so viel: Die Geschichte dreht sich um ein zunächst abgesagtes, dann überraschend und deshalb mit sehr ungleichen Waffen doch ausgetragenes illegales Duell zwischen dem 29-jährigen norwegisch-dänischen Vizeadmiral und Seehelden Peter Wessel, im Jahr zuvor mit dem Ehrentitel „Tordenskiold“ (= Donnerschild) geadelt, und dem schwedischen Oberst Jakob Axel Stael von Holstein. Wie bekannt, bezahlt der Seeheld mit seinem Leben. Sekundant, also Kammerdiener, des jungen Heißsporns „Tordenskiold“ in diesem Duell ist – aufgemerkt! – der hannöversche Kavallerie-Oberstleutnant Georg Otto Freiherr von Münchhausen.

Zum 80-jährigen Bestehen des Museums überreichen Michael Helmig (li.) und Friedrich-Wilhelm Schmidt (re.) eine Illustration von Bernd Kissel an Museumsleiter Werner Koch. Foto: saw
  • Zum 80-jährigen Bestehen des Museums überreichen Michael Helmig (li.) und Friedrich-Wilhelm Schmidt (re.) eine Illustration von Bernd Kissel an Museumsleiter Werner Koch. Foto: saw

Geboren am 9. November 1682, verbringt der Herr der Güter Bodenwerder und Rinteln seinen 38. Geburtstag in Hannover. „Und hier nebenan im Gutshaus liegt, als viertes Kind, der kleine Hieronymus Carl Friedrich in Windel und Wiege“, so von Blomberg. Erstaunlich wenig wisse man von dem Vater des berühmtesten Sohnes der Stadt. Wo ging er zur Schule? Verbrachte er seine Jugend? Seit 1711 war er verheiratet mit Sybille Wilhelmine von Reden aus Hastenbeck und Vater von sieben Kindern. Im Jahr 1720 baut er die Brennerei – und stirbt vier Jahre nach dem tragischen Duell überraschend mit 42 Jahren. Woran? „In der münchhausenschen Familiengeschichte wird er kaum erwähnt. Auch von diesem Duell ist nirgends die Rede. Gibt es Gründe, das zu verschweigen?“ Viele Fragen, die eine oder andere Spekulation, kaum Antworten. In Dänemark und Norwegen jedenfalls hält man bis heute Münchhausen für den Bösen. „So, meine Damen und Herren, jetzt kennen Sie das Problem. Sie sind aufgefordert, in Norwegen, Schweden und Dänemark Augen und Ohren offen zu halten, um mir, dem Museum und der Stadt Bodenwerder bei der weiteren Aufklärung zu helfen“, schließt Otto Freiherr von Blomberg seinen Vortrag.

Museumsleiter Werner Koch überreicht dem Festredner eine Flasche Kräuterlikör zur Stärkung – und nimmt selbst ein Geschenk entgegen: Verwaltungsmitarbeiter Michael Helmig hat seine guten Kontakte zum Saarbrücker Illustrator Bernd Kissel spielen lassen und eine feinsinnige Zeichnung in Auftrag gegeben. Sie zeigt Münchhausen beim Abstauben des legendären Hasen mit den acht Läufen. Diese Gabe anlässlich des 80-jährigen Museumsbestehens ist eine schöne Bereicherung der stetig wachsenden Sammlung an Münchhausen-Illustrationen. Eine Auswahl ist mit Saisonstart 1. April täglich von 10 bis 17 Uhr im Museumsfoyer zu sehen.

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