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Ottenstein wartet seit Monaten auf die Baugenehmigung für das geplante Tagespflegehaus

Wenn Brachland zum Ärgernis wird

OTTENSTEIN. Schon längst wollte die Gemeinde Ottenstein mit dem Bau des Tagespflegehauses als erstem Abschnitt des neuen Dorfzentrums mit Seniorenquartier begonnen haben. Die Finanzierung steht, aber: „Ich warte seit Monaten auf die Baugenehmigung“, sagt Bürgermeister Manfred Weiner.

veröffentlicht am 27.08.2018 um 18:25 Uhr

Bürgermeister Manfred Weiner führt die Teilnehmer einer Exkursion des Niedersachsenbüros „Neues Wohnen in Alter“ an den Bauplatz, auf dem das neue Dorfzentrum mit Seniorenquartier entstehen soll. Foto: saw
Sabine Weiße (saw)

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Sabine Weiße Reporterin
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Unter der Sommerhitze verdorrt, bedecken vertrocknete Disteln, Kamille und Brennnesseln das brachliegende Baugrundstück an der Amtstraße. Auf einem hohen Hügel Mutterboden hat jemand ein Schild mit der Aufschrift „Mucki’s Biotop“ aufgestellt. „Ich fühle mich immer weniger wohl, wenn ich mit Gruppen hier langgehe“, bekennt Bürgermeister Manfred („Mucki“) Weiner. Nicht nur die Anwohner nähmen ihn kaum noch ernst. Schon längst wollte die Gemeinde Ottenstein mit dem Bau des Tagespflegehauses als erstem Abschnitt des neuen Dorfzentrums mit Seniorenquartier begonnen haben. Die Finanzierung steht, aber: „Ich warte seit Monaten auf die Baugenehmigung“, sagt Weiner. „Der Landkreis Holzminden lässt uns hängen. Das ist nicht nett.“

Ich fühle mich immer weniger wohl, wenn ich mit Gruppen hier langgehe.

Manfred Weiner, Bürgermeister

Sein Publikum sind an diesem Tag rund 20 Teilnehmer einer Exkursion des Niedersachsenbüros „Neues Wohnen im Alter“, einer vom Sozialministerium des Landes geförderten Beratungsstelle. Architekten, Dorfentwicklungsplaner, Vertreter von Pflegediensten und Mitglieder von Seniorenbeiräten haben sich in Hohenhameln (Landkreis Peine) über eine Generationenhilfe mit Begegnungsstätte informiert und in Flegessen (Landkreis Hameln-Pyrmont) ein Konzept zum Mehr-Generationen-Wohnen im ehemaligen Pfarrhaus kennengelernt. In Ottenstein interessiert die Gruppe unter der Leitung von Diplom-Ingenieurin Andrea Beerli (Forum Gemeinschaftliches Wohnen e. V.) vor allem die angestrebte enge Verzahnung von professionellen, gewerblichen Pflege-Dienstleistungen mit ehrenamtlichem Engagement. Der Aufbau dieser Nachbarschaftsinitiative – ganz konkret bereits Ende Mai in die Wege geleitet mit der Gründung des Vereins „Bürger für Bürger auf der Höhe“ – gilt als zukunftsweisend und erfährt durch das Landesprogramm „Wohnen und Pflege im Alter“ eine finanzielle Förderung.

Von Manfred Weiner als „Insiderin des Dorfes“ vorgestellt, skizziert Dorfentwicklungsplanerin Ingrid Heineking vom Büro „StadtUmLand“ aus Hannover nach der Baustellenbesichtigung in der Landherberge die Eckdaten des Projekts „Alte Schmiede“, in das auch im Rahmen der Dorfentwicklung in der Region „Ottensteiner Bergdörfer“ Fördergelder geflossen sind. Unterstützt wurden der Grundstückskauf und der Abriss leer stehender Gebäude. Auf dem nun für die Wiederbebauung bereitliegenden Grundstück sollen neben dem erwähnten, von einem Pflegedienst betriebenen Tagespflegehaus für bis zu 15 Personen, ein Mehrfunktionshaus zur innerdörflichen Pflege sozialer und kultureller Zwecke und ein Wohnpflegehaus entstehen.

„Mucki’s Biotop“: Dieses Spottschild ziert einen großen Erdhügel an der Amtstraße. Foto: saw
  • „Mucki’s Biotop“: Dieses Spottschild ziert einen großen Erdhügel an der Amtstraße. Foto: saw

Arzt, Zahnarzt, Apotheker und ein Nahversorger in der Nachbarschaft gelten als Pluspunkte. „Alle diese Pläne sind gemeinsam mit den Bürgern gewachsen“, unterstreicht Weiner und erinnert an die 2013 durchgeführte Befragung der Generation 50 plus zu ihren Wünschen für das Leben im Alter.

Mehrfach wird deutlich: Gerade die Vielzahl der Förderprogramme mit ihren diffizilen Profilen erfordert immer wieder inhaltliche Anpassungen, überarbeitete Formulierungen und auch neue Finanzierungskonzepte. Weiner spricht von „Bürokratiemonstern“ und beklagt: „Für Ehrenamtliche ist das kräftezehrend, ermüdend und begleitet von der Sorge, etwas falsch zu machen.“ Wenn dann noch Baugenehmigungen monatelang auf sich warten ließen, würde das Ehrenamt auf eine harte Probe gestellt.

Natürlich bleibt auch die – aus seiner Sicht – mangelnde Solidarität der Mitgliedsgemeinden nicht unerwähnt. Wie berichtet, war kein Mandatsträger im Samtgemeinderat gewillt, dem von hohen Umlagen und Gewerbesteuerrückzahlungen derzeit stark gebeutelten Flecken finanzielle Zugeständnisse einzuräumen und damit liquide für das ambitionierte Projekt zu machen. Nichtsdestotrotz lassen er und die große Zahl „seiner“ Ottensteiner sich nicht entmutigen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. „Ein solches Ding ist nicht von heute auf morgen zu machen. Wie viel Arbeit darin steckt, kann man als Außenstehender gar nicht beurteilen.“



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