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Werbegemeinschaft und Händler fordern Öffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr

„Weiter so“ geht nicht mehr

Bodenwerder. Die Fußgängerzone in Bodenwerder bleibt auch gut eine Woche nach der Veranstaltung, zu der Architekten und Stadtplaner eingeladen hatten, Gesprächsthema. Die Werbegemeinschaft widerspricht dem Planer: Das Konzept „Fußgängerzone“ sei gescheitert, sie müsse für Autoverkehr geöffnet werden.

veröffentlicht am 26.02.2016 um 14:56 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:14 Uhr

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Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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„Natürlich ist es nicht die Lösung, die alle Probleme beseitigt – aber es ist ein Mittel, um Umsatzrückgänge aufzuhalten und sofort etwas zu tun“, teilt der Vorstand der Werbegemeinschaft mit. Die Meinung des unabhängigen Gutachters, Diplom-Ingenieur Felix Bögert vom Planungsbüro Zacharias aus Hannover, teilt die Werbegemeinschaft überhaupt nicht. Er warnte vor einer Wiederöffnung der Fußgängerzone für den Autoverkehr (wir berichteten). Die Werbegemeinschaft wirft ihm vor, die Situation in Bodenwerder nicht objektiv genug von allen Seiten betrachtet zu haben.

„Die Menschen sind bequem geworden und wollen entweder eine attraktive Einkaufsmeile erleben und nehmen dafür auch längere Anfahrten und Wege in Kauf oder es muss schnell und gut erreichbar sein. Beides ist in Bodenwerder nicht gegeben“, heißt es vom Vorstand der Werbegemeinschaft. Man müsse daher Wege und Mittel finden, um die Innenstadt wieder lebendig und attraktiv zu machen. Dies könne durch eine – vorerst begrenzte – Öffnung für den Fahrzeugverkehr geschehen. Die Werbegemeinschaft schlägt hier Zeiten von 17 bis 19 Uhr werktags vor. „Dadurch kann erreicht werden, dass Kunden – nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause – in Bodenwerders Innenstadt ihre Einkäufe erledigen und nicht am auswärtigen Arbeitsplatz“, so die Meinung des Vorstands. Die bisherige Möglichkeit – bis zehn Uhr morgens können Autos durch die Fußgängerzone fahren – werde schon rege genutzt.

Dietmar Heiduck, langjähriger Geschäftsinhaber in Bodenwerder, kritisiert das Vorgehen der Planer, bei ihrem Gutachten die Anwohner und Geschäftsleute nicht befragt zu haben. Auch Dieter Scholz, der über 35 Jahre lang ein Spielzeuggeschäft in der Fußgängerzone betrieben und im Vorstand der Werbegemeinschaft mitgewirkt hat, bemängelt die fehlende Realitätsnähe der Planer. „Der Belag in der Fußgängerzone ist vor allem für Behinderte und ältere Menschen nicht optimal. Das hat Herr Bögert gar nicht erwähnt“, so Scholz. Er wünscht sich, dass für die Zukunft geplant werde: „Ein ,Weiter so‘ geht nicht mehr“, sagt er. Als die Fußgängerzone damals errichtet wurde, sei der Umsatz eingebrochen. Scholz habe noch zur richtigen Zeit – vor zwei Jahren – aufgehört, einen Pächter für sein Ladengeschäft aber nicht gefunden. Trotzdem kämpft er weiter dafür, dass die Fußgängerzone wieder für den Verkehr geöffnet wird. „Mir liegt etwas an der Stadt. Wenn sich hier nichts tut, wird es auch der Tourismus schwer haben. „Es steht vieles leer“, ergänzt Heiduck. „So hole ich auch keine Touristen in die Stadt.“ Die, wohlgemerkt, eh nicht das ganze Jahr über durch Bodenwerder schlendern, vor allem nicht in den Wintermonaten.

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  • Der Eingang zur Fußgängerzone am Mühlentor: Nur in der Zeit von 6 bis 10 Uhr dürfen Anlieger und Zulieferer die Große Straße befahren. Foto: joa
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  • Die Große Straße im Wandel der Zeit: Auf dem Foto in der Mitte ist zu sehen, wie die Fußgängerzone gebaut wird. Foto: kb/kht
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  • Die Große Straße im Wandel der Zeit: Auf dem Foto in der Mitte ist zu sehen, wie die Fußgängerzone gebaut wird. Foto: kb/kht
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  • Die Große Straße im Wandel der Zeit: Auf dem Foto in der Mitte ist zu sehen, wie die Fußgängerzone gebaut wird. Foto: kb/kht
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„Man kann die Fußgängerzone nicht wiederbeleben, aber man kann sie öffnen“, meint Heiduck. Stadtoldendorf macht es derzeit vor, auch in Holzminden und Bad Münder gibt es Überlegungen, die dortigen Fußgängerzonen wieder für den Autoverkehr zu öffnen. „Es sollte probiert werden“, fordert Heiduck, der sich, wie Scholz, ein positives Signal nach der Kommunalwahl in diesem Herbst erhofft.

Info: Temporär ist okay

Wie die 1. Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Melanie Korte-Beuser, mitteilt, habe sie bei der Veranstaltung nur ihre ganz persönliche Meinung wiedergegeben („Wir machen uns Einkaufserlebnis und Gastronomie mit Autoverkehr kaputt“), und nicht die der Werbegemeinschaft: Dennoch könnte sie sich zumindest mit einer temporären Öffnung der Fußgängerzone – beschränkt auf bestimmte Tageszeiten – anfreunden.kk



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