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„Man muss zuhören können“

Wechsel im Schiedsamt Bodenwerder

BODENWERDER/HEHLEN/PEGESTORF. Erich Glee ist der zuständige Schiedsmann für den Bereich Bodenwerder, Hehlen, Pegestorf. Über fünf Jahre ist der 63-Jährige hier der unparteiische Streitschlichter. Im kommenden Herbst soll es einen Nachfolger für das Ehrenamt geben – Hermann Albrecht aus Halle.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 19:09 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 21:20 Uhr

Erich Glee aus Ottenstein ist als Schiedsmann der unparteiische Dritte, der Streitigkeiten schlichtet. Ab Herbst soll es einen Nachfolger geben: Hermann Albrecht aus Halle. Foto: ms
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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BODENWERDER/HEHLEN/PEGESTORF. Gern wird bei Geschichten über Nachbarschaftsstreitigkeiten der viel zitierte Knallerbsenstrauch herangezogen, der in den Maschendrahtzaun wuchert und dem schon TV-Entertainer Stefan Raab 1999 einen Nummer-eins-Hit widmete. Warum? Weil es bei vielen Nachbarschaftsstreitigkeiten eben um genau solche Dinge geht. Vielleicht ist der Zaun nicht immer aus Maschendraht und der Knallerbsenstrauch auch mal ein Baum, dessen Äste die Grundstücksgrenze überragen, aber viele Probleme unter Nachbarn finden sich in genau diesem Bereich – zwischen zwei Grundstücken. Davon weiß auch Erich Glee zu berichten. Der Ottensteiner ist der zuständige Schiedsmann für den Bereich Bodenwerder, Hehlen, Pegestorf. Über fünf Jahre ist der 63-Jährige hier der unparteiische Streitschlichter. Im kommenden Herbst soll es einen Nachfolger für das Ehrenamt geben – Hermann Albrecht aus Halle. Der Samtgemeinderat hat dem in seiner jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche bereits einstimmig zugestimmt. Das weitere Verfahren werde mit dem Amtsgericht Holzminden geklärt, wie es aus dem Rathaus heißt.

Schiedsmänner und Schiedsfrauen kommen genau dann ins Spiel, wenn sich Nachbarschaftsstreitigkeiten aufschaukeln und von alleine nicht mehr zu lösen sind. Für jeden Ort gibt es jemanden, der vermittelt und dafür da ist, mit den Streitenden einen Konsens zu finden, bevor die Geschichte wie im Beispiel mit dem Knallerbsenstrauch vor Gericht landet. Sie sind die Ansprechpartner, wenn es darum geht, kleine Meinungsverschiedenheiten oder festgefahrene Konflikte aus der Welt zu schaffen – oder es zumindest zu versuchen.

Etwa vier bis fünf Fälle hat er pro Jahr, bei denen es zu einer Schlichtungsverhandlung kommt, sagt Glee. Dabei setzen sich die Streitparteien mit ihm an einen Tisch. Der Konsens, den sie dabei finden, wird möglichst genau aufgeschrieben – wann ist beispielsweise welcher Strauch bis auf welche Höhe zurückzuschneiden. Was gemeinsam mit Glee in einer Schlichtungsverhandlung vereinbart wird, das hat sogar rechtliche Gültigkeit.

Kommt es nicht zu einer Einigung, gibt es stattdessen eine Erfolglosigkeitsbescheinigung. Damit kann der Streitende dann vor Gericht ziehen, denn Schiedsmänner und Schiedsfrauen sind auch dafür da, die Gerichte zu entlasten und Fälle möglichst vorher zu klären.

Ganz wichtig in der Funktion als Schiedsmann: „Man muss zuhören können“, sagt Glee. Kein Fall gleiche dem anderen – „Die Fälle sind so verschieden, wie die Menschen.“ Neben den Schlichtungsverhandlungen gebe es noch zusätzlich vier bis fünf „Tür-und-Angel-Gespräche“ pro Jahr, bei denen schon ein klärendes Gespräch mit dem Schiedsmann eine Lösung bringt.

Die Zahl der Leute, die sich an ihn wenden, schwanke immer, sagt Glee. Häufiger kämen sie zu ihm, wenn gerade die Zeit im Jahr ist, in der die Hecke wächst oder die Blätter fallen – klassisch eben.


Info: Wer außerhalb des Bereichs Bodenwerder, Hehlen, Pegestorf nach der zuständigen Schiedsperson sucht, kann sich an das örtliche Rathaus wenden oder im Internet auf der Seite des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen nachschauen.

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