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Symbole gegen das Böse

Was die Fabelwesen im Mauerwerk der Klosterkirche bedeuten

KEMNADE. In unserer Reihe „Hingeguckt“ richten wir in loser Folge den Blick auf Details im Stadtbild von Kemnade. Dieses Mal geht es um geflügelte Fabelwesen.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 14:40 Uhr
aktualisiert am 09.01.2019 um 16:10 Uhr

Mensch und Löwe im Mauerwerk der Klosterkirche geben bis heute Rätsel auf. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin

Wer sich für die Rückseite der Klosterkirche in Kemnade interessiert und auf dem Rasen den Weg bis zur halbrunden Apsis nimmt, findet dort geheimnisvolle Figuren zwischen den drei Fenstern. Vielleicht waren es Fundstücke, die beim Umbau der Kirche gefunden wurden, zu schade zum Entsorgen waren und deshalb ihren Platz dort fanden. Allerdings entdeckt der Betrachter die grauen Figuren zwischen dem roten Buntsandstein nur, wenn er den Blick aufmerksam über das Halbrund gleiten lässt und in Scheitelhöhe der heutigen Fenster hängen bleibt. Die Gattung der grauen Wesen ist schwer zu bestimmen. Hermann Braun beschreibt sie in „Die Kunstdenkmäler des Landes Niedersachsen“ als „geflügelte Fabelwesen“. Zwei einzelne Figuren sind zweifelsohne Tiere, vermutlich Affen, die beiden anderen scheinen ein Menschenkopf und ein Löwenkopf zu sein. Die Affen mit den gebleckten Zähnen sehen bedrohlich aus, die anderen Figuren wirken friedlich.

Welche Bedeutung hatten solche Fratzen und Figuren mit ihrem oft dämonischen Aussehen, die an vielen Kirchenbauten aus dem Mittelalter zu finden sind?

Da die Menschen jener Zeit dem Aberglauben sehr zugetan waren, glaubten sie, dass diese dämonischen Fratzen die bösen Geister und Mächte, die überall lauerten, vergraulen könnten. Aus diesem Grund befinden die Figuren sich auch immer außen am Gebäude und niemals innen im Kirchenraum. Sie sind auch ein Symbol für den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt, in das Innere der Kirche kommt er nicht hinein, weil das für die Reinheit des Himmelsreiches steht. Sucht man einen Zusammenhang der Tierfiguren mit der Bibel, so findet der Affe dort nur im ersten Buch der Könige Erwähnung. Luther bezeichnete ihn in seinen Tischreden als besiegten Teufel. Der Affe allgemein ist Sinnbild für negative menschliche Eigenschaften wie Verspieltheit, Schadenfreude und Bosheit. Der Löwe wird in der Bibel erwähnt und hat eine ganz andere Bedeutung, er steht für Macht und Gefährlichkeit, aber auch für die schützende Kraft Gottes.

Die Figuren in der Apsis der Klosterkirche werden wohl für immer ein Rätsel bleiben.



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