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Förderverein Moby Dick wundert sich über mangelnde Unterstützung für den Werfthof

„Warum wirbt die Stadt nicht für uns?“

Bodenwerder. Es ist das zweite museale Angebot in Bodenwerder, geführt von ehrenamtlichen Helfern des Fördervereins Moby Dick. Der Eintritt ist frei. Was aber fehlt, ist die Unterstützung der Stadt. Über die mangelnde Werbung, die die Stadt für den Werfthof macht sind die Vereinsmitglieder mehr als verwundert,

veröffentlicht am 17.02.2016 um 14:30 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

von joachim Zieseniß
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„Die einen Rentner machen eine Band, wir eben ein Museum“, meint Fritz-Henning Bertram und lacht. Zusammen mit zwei Handvoll aktiven Ruheständlern bereitet er als Kassenwart des Fördervereins Moby Dick derzeit die siebte Saison des Werfhofes und Weseraquariums am Mühlentor vor. Heute ist er zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden des Vereins Arnold Schumacher zur Fütterung der Fische in den Weseraquarien in den ersten Stock des kleinen Museums gekommen.

Die hier lebenden Weserfische haben die Winterpause in ihren Kaltwasserbecken alle bei Minimalbetrieb gut überstanden. Doch jetzt, mit steigenden Temperaturen, entwickeln sie langsam wieder Appetit und wollen Bachflohkrebse zwischen die Kiemen haben. Gut so, denn zusammen mit dem Fischmarkt sollen sie am 1. April für Besucher wieder in quicklebendiger Topform sein.

Auch in der bevorstehenden Saison werden die Ehrenamtlichen den Gästen des kleinen, aber feinen Museums – im Vorjahr wurden rund 3100 Besucher gezählt – eine Dokumentation zur Werftgeschichte der Münchhausenstadt und eine Aquarienabteilung mit wesertypischen Fischen präsentieren. Für die Restaurierung des historischen Renaissance-Speichergebäudes auf dem ehemaligen Werftgelände am Mühlentor hatte der Verein seit 2006 rund 40 000 Euro verbaut, finanziert mit EU-Mitteln und durch Firmen- und Privatspenden. Allein die Aquarienabteilung hatte mit etwa 15 000 Euro die meisten Kosten für den derzeit von 52 Mitgliedern getragenen Förderverein verursacht. In vier 750-Liter-Aquarien hat der 2. Vorsitzende Arnold Schumacher (seit 30 Jahren in der Aquaristik bewandert und vor der Rente Inhaber eines Zoofachgeschäfts in Bodenwerder) verschiedene Flussbereiche der Weser, Buhnen-, Schilf-, Flach- und Tiefwasserregion nachgebaut. In den Becken tummeln sich wesertypische Flussbewohner wie Rotaugen, Barben und Nasen. In kleineren Becken sind neuerdings Wasserbewohner aus den Weser-Nebenflüssen wie Bitterling, Elritze und Stichling sowie Krebse, Muscheln und Schnecken untergebracht.

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  • Die Aquarien sind mit Weserfischen besetzt. Fotos: joa

Modellbauer gesucht

Nach wie vor ist der Eintritt für Bodenwerders zweites museales Angebot für Einheimische wie Touristen frei. Finanziert wird das Museum, das auch in der kommenden Saison jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein wird, durch Spenden und vereinzelte Zuwendungen, beispielsweise der Sparkassenstiftung. Von der Samtgemeinde gibt es 500 Euro Unterstützung.

Die Ehrenamtlichen arbeiten dabei mit einem schmalen Budget. Kassenwart Bertram: „Wenn wir einen Jahresumsatz von 6000 Euro haben, sind wir schon gut.“ Davon könnten Strom und Wasser bezahlt werden, der schmale Rest stehe für Investitionen bereit.

Die Besucher der Vorjahre rekrutierten sich nach Auskunft des zweiten Vorsitzenden vor allem aus Sonntagstouristen der Münchhausenstadt – dabei auch viele Motorrad- und Radtouristen. Auch wenn Besucher seit vergangenem Jahr über eine neue Wegbeschilderung zum Weseraquarium hingeleitet werden und das Museum in diesem Jahr auch ein neues Schild über dem Eingangstor selbst finanzieren will, herrscht doch einiges Unverständnis im Verein über das Verhalten der Stadt: „Die hält sich nach wie vor in ihrer Werbung für unseren Werfthof mit dem Weseraquarium sehr zurück“, kritisiert Schumacher. Noch nicht einmal bei den offiziellen Stadtführungen werde das Museum angesteuert. „Dabei hat Bodenwerder ja nicht so viele Attraktionen zu bieten“, fügt Bertram hinzu.

Auch können die Museumsbetreiber nicht verstehen, warum nicht viel mehr Schulen oder Gruppen aus der Jugendherberge die Einrichtung ansteuern. Sonderführungen seien während der Saison nach Absprache (05533/4081831) jederzeit möglich. Hier können sich auch Interessierte melden, die der Verein derzeit dringend sucht: Modellbauer, die sich um die umfangreiche Sammlung von Bootsnachbauten im Museum kümmern können, und Leute mit Zeit, die bei der regelmäßigen Versorgung der Aquarien helfen wollen. Melden können sich Interessierte auch bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Moby Dick, die am 21. März stattfinden soll.

Denn Helfer kann der Verein, der in diesem Jahr einiges vorhat, immer gebrauchen. So soll der Zugang zum Museum rollstuhlgerecht umgebaut werden, am Haus selbst sind einige Streicharbeiten erforderlich. Die Bootsmodelle in der Bootsbauabteilung im Parterre sollen mit ihren technischen Daten beschildert werden und beim Fisch- und Herbstmarkt will man für den Förderverein werben.

Für ein ganz besonderes Projekt hat bereits der Freundeskreis Münchhausen-Gutshof seine finanzielle Unterstützung zugesagt: Das Modell eines Fisches mit Fell soll in der Aquarium-Abteilung gezeigt werden. Und dazu wollen die Museumsführer eine ganz neue Münchhausiade präsentieren: Mitgebracht haben soll den Fellfisch der Baron nach eigener Versicherung von einer winterlichen Angeltour im Baltikum aus der Ostsee. Und da soll eben das Wasser so kalt gewesen sein, dass die Fische Pelze tragen.



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