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Landkreis gibt „Handlungshilfe“: Holz muss gewisse Dicke fürs Osterfeuer haben

Vorschrift sorgt für Zündstoff

Bodenwerder-Polle. „Es wäre schön, wenn die Leute, die die Gesetze machen, schon mal selbst ein Lagerfeuer gemacht hätten“ – mehr fällt Hehlens Ortsbrandmeister Arne Schoke zu der neuen „Handlungshilfe Brauchtumsfeuer“ des Landkreises Holzminden nicht ein.

veröffentlicht am 04.03.2016 um 13:37 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

von Sophie Sommer
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Und tatsächlich wirft die neue Verordnung viele Fragen auf. In den letzten Jahren richteten sich die Organisatoren der Osterfeuer stets nach den Vorgaben der Landesfeuerwehr Niedersachsen. Doch Anfang vergangenen Jahres hat das niedersächsische Umweltministerium die Gesetze geändert, wie man seinen pflanzlichen Abfall entsorgen darf. Der Landkreis Holzminden hat diese Änderungen aufgegriffen und in der „Handlungshilfe“ aufgelistet – natürlich mit der Absicht, dass sich die Verantwortlichen daran halten.

Strunk des Tannenbaums darf verbrannt werden,

dünne Äste nicht

So darf als geeignetes Brennmaterial fürs Osterfeuer nur noch „abgetrocknetes, holzhaltiges Material mit einer Mindeststärke von acht bis zehn Zentimetern“ verwendet werden. Das stellt viele Organisatoren vor ein großes Problem. Dass nur Holz verbrannt werden darf, war auch in der Vergangenheit schon so. Doch dass das Holz zum Verbrennen eine gewisse Dicke haben muss, ist neu. Denn traditionell wird in den Osterfeuern vor allem Strauchschnitt verbrannt. Das geht jetzt nicht mehr. Wer dieses Jahr Strauchschnitt verbrennt, wird der illegalen Beseitigung von Abfall beschuldigt. Hecken- und Strauchschnitte müssen ab sofort bei offiziellen Grünkompostierungen entsorgt werden. „Der Fokus liegt darauf, dass keine Abfallbeseitigung mehr durch das Osterfeuer stattfindet“, so Marie-Luise Niegel, Pressesprecherin beim Landkreis Holzminden. Es scheint, als wolle der Landkreis mit der neuen Regelung Geld verdienen. Denn die Kompostierungsanlagen sind ja in öffentlicher Hand.

Auch die Restmülltonne soll voller werden: Denn, so eine weitere neue Regelung, wird Asche nicht mehr als Dünger, sondern als Abfall gesehen. Wer also die Asche des Osterfeuers nicht in einer Restmülltonne entsorge, vergeht „mindestens eine Ordnungswidrigkeit“, so steht es in der neuen „Handlungshilfe“. Wie die komplette Asche eines ganzen Osterfeuers rechtmäßig in einer Restmülltonne entsorgt werden soll, dazu gibt es leider keinen praktischen Tipp – schade.

Dass die neuen Vorgaben in der Realität schwer umzusetzen sind, gibt Niegel selbst zu: „Die Feuerwehr sammelt immer die Weihnachtsbäume ein, da stellt niemand nur den Strunk hin, sondern den ganzen Baum.“ Kein Wunder also, dass viele Verantwortliche verärgert sind, auch wenn sich die meisten Organisatoren der Osterfeuer zu dem Thema nicht öffentlich äußern möchten. Doch hinter den Kulissen brennt’s. Ortsbrandmeister Schoke hat dennoch Hoffnung: „Es soll ja einen neuen Entwurf geben.“ Dieser neue Entwurf der „Handlungshilfe“ sollte eigentlich die Empfehlungen der Landesfeuerwehr Niedersachsen berücksichtigen. Eigentlich, denn: „Wir haben ausreichend Gespräche mit den Gemeinden geführt. Da ist genügend Klarstellung von unserer Seite aus erfolgt“, dementiert Niegel eine überarbeitete Version der „Handlungshilfe“. Die Landkreis-Sprecherin betont aber, dass die „Handlungshilfe nur als Empfehlung“ zu verstehen sei. Der die Ordnungsämter allerdings folgen werden. Wer sich also nicht daran hält, spielt nicht nur auf Risiko, sondern mit dem Feuer.

Hecken- und Strauchschnitte müssen bei Grünkompostierungen entsorgt und dürfen nicht mehr fürs Osterfeuer gesammelt werden.

Foto: Archiv



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