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Wie Bodenwerders Münchhausenschule mit der Inklusion umgehen will

Vor einer ungewissen Zukunft

Bodenwerder. Holger Kruppa, Leiter der Münchhausenschule in Bodenwerder, zuckt mit den Achseln, wenn man ihn derzeit nach der Zukunft seiner Schule fragt. An der Münchhausenschule werden Schülerinnen und Schüler mit einem besonderen Förderbedarf im Bereich des Lernens bis zur 10. Klasse beschult. In ihr kann der Hauptschulabschluss erworben werden. Doch seit dem 1. August sind Lern-Förderschulen Auslaufmodelle.

veröffentlicht am 27.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:58 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Seit diesem Schuljahr können Kinder mit Behinderungen unter der Prämisse der Inklusion von der Einschulung bis zum Abschluss auch in allen Regelschulen unterrichtet werden. Denn in Niedersachsen ist die inklusive Schule verbindlich zum Schuljahresbeginn 2013/14 eingeführt worden. Das hat der niedersächsische Landtag am 20. März 2012 mit breiter Mehrheit beschlossen. Mit der Konsequenz, dass es in der Münchhausenschule in diesem Jahr bereits keine Einschulungen mehr gab. Und blickt Schulleiter Kruppa über Bodenwerder hinaus, so befürchtet er, dass die ersten Förderschulen bereits geschlossen werden sollen; in Coppenbrügge oder in Hannover beispielsweise...

Die Zukunft der Münchhausenschule dürfte somit, so Kruppa, im Wesentlichen von drei Faktoren abhängen. Und die sind neben dem Elternwillen die politischen Entscheidungen auf Kreisebene und neue sonderpädagogische Zukunftsmodelle.

Denn Eltern von Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung erhalten ein Wahlrecht, ob ihr Kind die allgemeine Schule oder eine Förderschule besuchen soll. Kruppa: „Bleibt abzuwarten, wie sich die Eltern hier in Zukunft entscheiden werden.“

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  • Welche Zukunft hat Bodenwerders Münchhausenschule angesichts der jetzt gestarteten Inklusion?
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  • Schulleiter Holger Kruppa

Denn einen guten Ruf hat die seit 40 Jahren bestehende Münchhausenschule mit seinen derzeit neun Lehrern und 56 Schüler allemal: So sind jetzt erst wieder drei Schüler aus der Hamelner Albert-Schweitzer-Schule nach Bodenwerder überwiesen worden – „weil wir in unserem überschaubaren System eine bessere Betreuung bieten können,“ weiß Kruppa zu berichten. Auch werden immer wieder auf eigenen Wunsch Schüler aus anderen Schulen von der Münchhausenschule übernommen. Dazu ist die Schule Behinderten gerecht, was jetzt auch zwei körperbehinderte Schüler veranlasst hat, in die Münchhausenschule zu kommen.

Schon jetzt sind Lehrer der Münchhausenschule im inklusiven Unterricht an den anderen bodenwerderschen Schulen mit festem Stundenkontingent oder nur beratend tätig. Ob die Schule aber bei sinkender eigener Schülerzahl – Kruppa vermutet in den nächsten Jahren ein Schrumpfen der Klassenzahlen auf vier bis fünf und einen Schülerrückgang von nur noch maximal 40 – als verwaltendes Förderzentrum erhalten bleibt, weiß der Schulleiter auch noch nicht zu sagen. Die Einrichtung von Schwerpunktschulen ist für einen Übergangszeitraum bis 2018 möglich.

Politische Überlegungen gehen derzeit dahin, die Förderschule Deensen und Bodenwerder im Kreis Holzminden zusammenzulegen. Wo der Standort sein wird. Auch hier nur wieder Achselzucken bei Schulleiter Kruppa.

Und dennoch könnte die Münchhausenschule vor kurzem noch einen Förderschul-Joker zur Bestandssicherung aus dem Ärmel gezogen haben; und der nennt sich „Auszeitklasse“. Wie Kruppa erklärt, handelt es sich bei diesem pädagogischen Modell, das von der Landesschulbehörde für die Münchhausenschule genehmigt wurde, um eine maximal zwölfwöchige Förderbeschulung von Schüler mit psychosozialen Schwierigkeiten aus anderen Schulen. Und wenn er eine Zukunft für die Lern-Förderschulen sehe, dann in diesem Bereich, ist Kruppa sicher.



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