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Schulleiterin klagt an: „Es gibt sehr wohl Probleme an den Schulen mit rumänischen Familien“

Von wegen alles in Ordnung

WESERBERGLAND. Es regt sich Widerspruch gegen behördliche Darstellungen, dass es an den Schulen in der Region keine Probleme mit zugezogenen EU-Ausländerkindern gebe. Allzu rosarot wie von offiziellen Seiten gemalt, sieht zum Beispiel eine Schulleiterin im Weserbergland das Tagesgeschäft im Schulbetrieb nicht.

veröffentlicht am 10.12.2017 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 11.12.2017 um 15:15 Uhr

Bildung heute: Wie funktioniert eine gute Schule? Wie sieht guter Unterricht aus? Und wie müssen Schulen mit Personal und Technik ausgestattet sein? Foto: dpa
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Aus Sorge vor Anfeindungen sowie Druck auf sie selbst und ihre Schule möchte die Schulleiterin in der Öffentlichkeit anonym bleiben (Name der Redaktion bekannt). Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt sie jedoch in der Sache: „Es gibt sehr wohl Probleme an den Schulen mit rumänischen Familien.“ Die Lehrerin spricht für ihre Schule, an der neben den vielen täglich anfallenden Aufgaben alle Beteiligten vor allem auch mit der starken Lehrerunterversorgung zu kämpfen haben. Sie berichtet auch, dass sie von anderen Schulen im Weserbergland wisse, die ähnliche Probleme mit rumänischen Kindern hätten. Und die Schulleiterin wird deutlich: „Die Kinder, die zu uns kommen, und die Kinder, die bei uns angemeldet werden sollen, dann aber wieder spurlos verschwinden, haben kaum etwas zum Anziehen, die kommen teilweise barfuß in die Schule, haben keine Schulmaterialien, und die sprechen kein einziges Wort Deutsch.“ Die Eltern, die ebenfalls kein Deutsch sprechen würden, verlangten aber stets eine Schulbescheinigung mithilfe ihres rumänischen Vermieters, der in der Schule den Dolmetscher mime. Diese bräuchten sie offenbar für das Jobcenter, um finanzielle Unterstützung für Schulmaterialen zu bekommen. Es sei auch schon vorgekommen, dass rumänische Kinder plötzlich gar nicht mehr in die Schule kämen – und sich dann auf Nachfragen seitens der Schule herausstellte, dass die Kinder „für ein paar Wochen nach Rumänien geschickt worden seien“. In solchen Fällen leite die Schule zwar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, doch so wirklich tue sich dann auch nichts zwischen rumänischer Familie, Schule, Gemeinde und Landkreis. Die Schulleiterin sagt: „Dabei kommt dann leider oftmals nichts raus.“

Noch vor einiger Zeit hatte es geheißen, an hiesigen Schulen gebe es keine Probleme wie Sprachbarrieren, mangelnde Wertschätzung gegenüber Lehrern und den Einsatz körperlicher Präsenz seitens zugezogener EU-Ausländer. Diesem widerspricht die Lehrerin deutlich: „Es sind zum Teil unhaltbare Zustände.“ Nach Darstellung von Verwaltungen sind in diesem Jahr zahlreiche Ausländer – aus der EU, aber auch aus anderen Teilen der Welt – ins Weserbergland gezogen. Unklar ist scheinbar, warum von den gerade Angekommenen wieder viele weg- oder weitergezogen sind – aber das steht auf einem ganz anderen Blatt Papier.

Den Schulen erschwert es in jedem Fall das Leben, dass es zu Schuljahresbeginn überraschend viele Neuanmeldungen von EU-Ausländerkindern gegeben habe, wie zum Beispiel eine Sprecherin des Landkreises Holzminden mitteilte: „Die Landesschulbehörde ist mit im Boot.“

Ob das am Ende hilft, ist zumindest für unsere Informantin fraglich. Sie moniert zum Beispiel, dass Schulen für ihre ausländischen Schüler ein Sprachförderkonzept ausarbeiten müssen, die Landesschulbehörde ursprünglich x Wochenstunden Deutsch-Förderunterricht zusagt, am Ende aber nur einen Bruchteil von x genehmigt – was auf der einen Seite inhaltlich nicht ausreiche, auf der anderen Seite aber ohnehin kaum erteilt werden könne, weil die Schule auf der Lehrer-Habenseite „total unterversorgt ist“.

Was die Schulleiterin sich und ihrer Schule wünscht? Eine ausreichende Anzahl an Lehrern sowie die Einhaltung von zugesagten Förderstunden für die ausländischen Kinder, eine intensivere Unterstützung seitens der Behörden, die sich für die ausländischen EU-Bürger nicht zuständig fühlten. Schule allein könne diese Menschen nicht integrieren. Es müssten die ausländischen Eltern „an die Hand genommen werden“, damit sie lernen, in Deutschland zurechtzukommen. Denn, so sagt sie, „diese Kinder sind es doch, die einem total leidtun müssen“.



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