weather-image
21°

Warum Samtgemeindebürgermeister Lienig gegen offizielle touristische Kontakte nach Moskau ist

Von Russen, Münchhausen und Luftschlössern

Bodenwerder (dy). Soll die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle touristische und wirtschaftliche Verbindungen nach Russland aufbauen? Der Tourismusausschuss hatte Kontakte nach Russland beziehungsweise Moskau befürwortet und die Verwaltung beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Staatsbad Bad Pyrmont für das Jahr 2011 unter Beachtung der Kosten einen Messebesuch im Stadtteil Sokolnike vorzubereiten. Der Samtgemeindeausschuss hat sich allerdings mehrheitlich gegen den Aufbau einer derartigen Tourismusschiene ausgesprochen. Und auch Samtgemeindebürgermeister Joachim Lienig lehnt dies ab. Er sieht sich zudem veranlasst, angesichts der Diskussionen in der Öffentlichkeit ausführlich Stellung zu beziehen.

veröffentlicht am 21.10.2010 um 19:04 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt (re.) und Konstantin Bög
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Natürlich sind die privat geknüpften Kontakte der Reisegruppe um Friedrich-Wilhelm Schmidt, Herbert Bröckel und Konstantin Bögel lobenswert“, so Lienig. Daraus allerdings eine offizielle Tourismusschiene entstehen zu lassen, davon hält der Verwaltungschef nichts. „Ich bin Realist und baue keine Luftschlösser – schließlich haben wir Steuergelder zu verwalten.“

Rund 10 000 Euro an Kosten würden anteilig auf die Samtgemeinde entfallen, erklärt der Samtgemeindebürgermeister. Darin enthalten wären Ausgaben für die Übersetzungen der Prospekte ins Russische sowie Flüge- und Übernachtungen zur Messe in Moskau. In diesem Zusammenhang erinnert der Verwaltungschef an die dreiwöchige Ausstellung 2008 im Russischen Haus in Berlin: „Trotz dieser unter großem Kosten- und Personalaufwand betriebenen dreiwöchigen Präsentation konnten wir in den letzten zwei Jahren keine russischen Übernachtungsgäste bei uns verzeichnen.“

Auf Vorschlag aus den Reihen der Stadt sollte zudem Konstantin Bögel als „Russlandbeauftragter“ für den Aufbau touristischer und wirtschaftlicher Beziehungen von der Samtgemeinde eingestellt werden. Rund 30 000 Euro zusätzliche Personalkosten wären nach vorsichtiger Schätzung des Verwaltungschefs so auf die Samtgemeinde zugekommen. Lienig fragt sich: „Wenn sich die Herren Bröckel und Bögel von diesen Beziehungen so viel versprechen, warum werden sie nicht selber in ihrem Gewerbe als Reiseveranstalter tätig? Warum wird verlangt, dass der Steuerzahler in Vorleistung tritt? Ich sehe auch nicht, dass Russen bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von etwa 700 Euro finanziell in der Lage sind, massenhaft unsere Münchhausenstadt zu besuchen.“

Verwaltungschef Joachim Lienig: „Ich bin Realist.“ Foto: dy

Lienig: „Dennoch werden wir uns am 23. Oktober anlässlich der Feierlichkeiten im Russischen Haus in Berlin zum 85. Jahrestages der Föderalen Agentur als Münchhausenland präsentieren“, so der Verwaltungschef. Die Messe in ¦okolnike 2011 werde allerdings nicht besucht.

Bei der Präsentation der von Konstantin Bögel und Herbert Bröckel organisierten Russlandreise im Deutschen Haus in Bodenwerder (wir berichteten) war Kritik in Richtung Lienig laut geworden, weil er an diesem Abend trotz Zusage nicht anwesend war. Der Samtgemeindebürgermeister betont, dass ihm kurzfristig ein anderer wichtiger Termin dazwischen gekommen sei und er Friedrich-Wilhelm Schmidt darüber auch informiert habe. „Die Bemühungen der Reiseteilnehmer kritisiere ich nicht“, unterstreicht Lienig. Er betont aber, dass der Aufbau wirtschaftlicher oder touristischer Beziehungen mit Russland ohne offizielle Einladungen aus Deutschland nicht möglich sei. „Nur wer in Russland eine solche Einladung vorzeigen kann, bekommt ein Visum für Deutschland.“ Auch hätten seine Recherchen ergeben, dass das Interesse hiesiger Unternehmen im Hinblick auf Kontakte nach Russland gering sei.

Auf Nachfrage dieser Zeitung erläutert Thomas Strebost, Geschäftsführer der Heller Lederwerke in Hehlen: „Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen nach Russland und auch keinerlei Anfrage diesbezüglich.“ Zwar sei vor längerer Zeit durchaus versucht worden, Vertretungen des Unternehmens dort aufzubauen, jedoch sei dieses Vorhaben nicht auf Interesse gestoßen. „Unsere Bemühungen bezüglich neuer Partner gehen Richtung Asien“, betont der Unternehmer.

Auch die Rigips-Werke in Bodenwerder haben nach eigenen Angaben keinerlei Geschäftsverbindungen nach Russland. Das bestätigte jetzt der Konzern auf Nachfrage.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?