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Von Null auf Hundert in nur drei Sekunden

Bremke (phi). Der Traum vom Fliegen – in Bremke lässt ihn der Flugsportclub Hannover für die Ferienpasskinder wahr werden. Einmal im Segelflieger sitzen und die Welt von oben sehen, davon hat auch Noah (10) aus Dohnsen lange geträumt. Inzwischen ist er allerdings ein alter Hase.

veröffentlicht am 27.07.2009 um 15:58 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:21 Uhr

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Bremke (phi). Der Traum vom Fliegen – in Bremke lässt ihn der Flugsportclub Hannover für die Ferienpasskinder wahr werden. Einmal im Segelflieger sitzen und die Welt von oben sehen, davon hat auch Noah (10) aus Dohnsen lange geträumt. Inzwischen ist er allerdings ein alter Hase. Lange Zeit hat der ruhige blonde Schüler die Fliegerei aus der Nähe des Flugplatzes nur beobachtet. „Irgendwann haben wir ihn angesprochen und gefragt ob er mal mitfliegen will“, sagt Pilot Torsten Rudolf lächelnd – und natürlich wollte Noah. Inzwischen haben seine Eltern eine Dauergenehmigung für ihren Sohn im Verein hinterlegt und der Junge verbringt jede freie Minute auf dem Flugplatz.

 Eine eigentümliche Faszination scheint vom Fliegen auszugehen, über die man am Ith oberhalb von Bremke nicht sprechen muss. Hier will man nur eins: aufsteigen.
 So richtig verstehen kann ich die ganze Aufregung nicht, und um endlich zu klären, was Piloten und Fluggäste gleichermaßen begeistert, lasse ich mich überreden, selbst mit Torsten Rudolf mitzufliegen. Per Seilwinde wird unser Segelflieger hochgezogen werden. Wir werden ein paar Runden drehen, um dann zum Landeplatz zurückzukehren.
 „Den gelben Griff des Fallschirms musst du mit beiden Händen fest nach unten ziehen, damit sich der Schirm öffnet“, weist Torsten Rudolf mich ein. Aus Sicherheitsgründen erklärt der Pilot vor dem Start die Funktionen des Fliegers und was im Notfall zu tun ist: Nämlich per Fallschirm den Weg zurück zur Erde suchen. Vertrauensfördernd wirkt diese Maßnahme auf den geneigten Fluggast zwar nicht, aber Torsten Rudolf weist daraufhin, dass noch nie ein Fallschirm zum Einsatz gekommen sei.
 Immerhin hat der gemütliche Pilot satte 18 Jahre Flugerfahrung, das flößt Vertrauen ein. Einmal im Segler festgeschnallt, gibt es ohnehin kein Zurück mehr. Leichte Nervosität macht sich bei mir breit. Rudolf macht einen letzten Check. Dann wird das Cockpit geschlossen, das Zugseil am Bug eingeklinkt. Sekunden später zieht die Winde an. Die Maschine ruckt vorwärts. Der 39 Jahre alte Pilot hatte mich auf einen zügigen Start vorbereitet. Trotzdem trifft er mich unvorbereitet.
 Von Null auf Hundert in nur drei Sekunden – fast so schnell wie ein Formel-1-Wagen – schießt der Segler steil himmelwärts. Ich werde in den Sitz gedrückt und halte die Luft an. Bei 400 Metern Höhe klinkt das Seil mit einem lauten Klack aus und von nun an schwebt der Flieger allein durch die luftigen Höhen.
 Ich sammle mich wieder, atme tief durch und suche Orientierung. Torsten Rudolf will die Hangwinde am Ith nutzen. Aus der Vogelperspektive lassen sich Bremke und das Maislabyrinth erkennen. Der Flug wird ruhiger, nur der Wind ist zu hören und ein leichtes Knarren und Knacken des Fliegers. Und dann ganz plötzlich weiß ich, was alle mit dem Wort Faszination meinen: Unter uns sehe ich die Baumwipfel des Iths, den ich zum ersten Mal von oben in seiner gesamten Länge betrachten kann. Beeindruckt schweige ich auf dem Rücksitz. Es ist dazu die große Weite, die mir das Gefühl von großer Freiheit gibt und mich in Staunen versetzt. Sekunden lässt mich der Eindruck des fast schwerelosen Gleitens nicht los.
 Dann findet meine Schwärmerei ein jähes Ende. Pilot Rudolf fliegt einen Kreis! Mir wird schwindelig und der Ausdruck „flaues Gefühl im Magen“ ist in dieser Situation arg geschmeichelt. Ich erinnere mich an den Rat: „Immer auf den Horizont gucken!“ Das erleichtert die Sache tatsächlich. Der auf der Erde doch sehr theoretische Begriff „Aufwind“ bekommt hier oben eine ganz neue Bedeutung. In Kreisen fliegen die Piloten in „Thermikschläuchen“, um an Höhe zu gewinnen. Nichts für Anfänger mit labilem Magen. Der Pilot erspart mir einen Aufstieg in namhaftere Höhen. Außerdem sind noch mehr Fluggäste da und wir müssen uns auf die Landung vorbereiten.
 Per Funk meldet Rudolf die Landung an. Er lässt die Maschine sinken und peilt das weiße Lande-T auf der Ithwiese an. Die Aussage „Beim Segelfliegen hat man übrigens nur einen Landeversuch, wir können ja nicht wieder durchstarten!“, hallt mir kurz in meinem Kopf nach. Aber der Pilot platziert den Flieger perfekt. Es ruckt kurz beim Aufsetzen, wir rollen aus und die Erde hat mich wieder. Aller Faszination zum Trotz bin ich erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.



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