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Kabarett und zauberhafte Musik mit Fee Badenius und René Sydow in der Kulturmühle

Von der Liebe und dem Rest

Buchhagen. Als rundum gelungen durften Fee Badenius und René Sydow ihren ersten gemeinsamen Auftritt betrachten, mit dem sie die rund 100 Gäste in der Buchhagener Kulturmühle begeisterten. „Ich bin für Liebe und Emotionen zuständig. Mein Mann für den Rest.“ Fee Badenius hatte die Rollenverteilung geklärt, an die sich die beiden auch strikt hielten, sodass sich ihre Ausführungen zwar verzahnten, aber nicht vermischten. Fee zupfte sanft die Saiten ihrer akustischen Gitarre, sang von Heimatgefühlen, von Liebe und über ihr Selbstverständnis: „Ich bin total niedlich, schön anzusehen. Wenn du sagst, du liebst mich nicht, kann ich das nicht glauben.“

veröffentlicht am 03.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Karl-Hermann Schmitt
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Fees emotionales Kabarett wurde durchbrochen von René Sydows kritischem Kabarett, in dem er den Hammer zum Rundumschlag wirbelte. „Früher haben sich die Fürsten Hofnarren gehalten, heute halten sich die Banker Politiker.“ Er begann mit Politiker-Kabarett (Seehofer und Niebel bekamen ihr Fett weg) und schoss sich dann (natürlich nur im übertragenen Sinne) auf Ursula von der Leyen ein – allerdings nur als Platzhalterin, um die Rüstungs- und Militärindustrie zu geißeln, die das Geld an oberste Stelle im Wertekanon stelle. Und da war er dann angekommen: Beim Geld und der Unterhaltungsindustrie, fand es ungerecht, dass Isaac Newtons Gehirn in einem Glas, aber das von Jenny Elvers in einem Kopf aufbewahrt werde. Und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Und darum ging es wohl: Um die richtige Seite. Sydow zitierte Victor Hugo, vermutete, dass es die Sprache sei, was den Menschen von Till Schweiger unterscheide und nannte das Fernsehen „semantische Paralympics“. Und dafür erntete er Zustimmung, Lacher und Beifall, denn das Publikum wusste sich auf der richtigen Seite. Sowohl, wenn er das einstige Supermodell Heidi ein „Klum-Klum-Geschoss“ nannte, als auch, wenn er wichtige Denker wie Aristoteles oder Adorno anführte und die Bildungsdämmerung beschwor. In sehr amüsanten Sentenzen kam rüber, dass alle schuld seien: der Staat, die Politiker, die Hochfinanz und die Kirche. Die Gäste lachten auch, als er nur rhetorisch fragte, ob sich das Papier durchgesetzt habe wegen des Buchdrucks oder der Spielkarten. „Wir werden nur angelogen – und das wollen wir auch, sonst würden wir uns doch informieren. Und zwar in mehr als einer Zeitung und bei mehr als einem Sender.“ Auch hier gab es Beifall vom wohlinformierten Publikum, das sich die Bundesregierung als „Quatsch mit Sozi“ vorstellen durfte und erfuhr, „der Scheck heiligt die Mittel“. Beifall gab es auch für René Sydows letzte Konsequenz für die Suche nach der wahren Macht: „Nicht die Politiker, nicht die Banken, nicht die TV-Moderatoren, die auch noch Preise absahnen. Wirklich mächtig sind Sie: das Volk.“ Das war’s dann aber auch schon mit Selbstkritik. Die wurde dann doch eher von Fee Badenius geliefert, die mit ihren einfühlsamen Texten auch die Horkheimersche Kritik der instrumentellen Vernunft lieferte, die Sydow schuldig blieb. Sie hielt der Metaphysik die Stange, der Liebe zu sich, ihrem Mann und den Menschen, die den Machtanspruch der Vernunft zurückweist und den Menschen zu jenem Menschen macht, nach dem sich Sydow in seinen Pointen über Therapeuten und Parapsychologen sehnt.

Glanzpunkt jener nicht mit objektiven Maßstäben zu beschreibenden Sinnlichkeit der Lieder war die spontane Unterstützung von Julius Martinek am Piano, der zufällig zugegen war, weil er am 6. Dezember mit der Jazz-Band „Kasimir Effekt“ in der Kulturmühle auftreten wird.

René Sydow: „Früher haben sich die Fürsten Hofnarren gehalten, heute halten sich die Banker Politiker.“



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