weather-image
15°
Preisverfall und Krisengipfel: Auch auf Öko-Höfen ist nicht alles eitel Sonnenschein

Und was ist mit Bio-Milch?

KIRCHBRAK. Viele konventionelle Milchbauern in der Region stehen vor dem Ruin. Um die 46 Cent kostet der Liter frische Vollmilch derzeit im Laden – beim Bauern kommt aber noch weniger an: Nicht einmal 20 Cent zahlen inzwischen einige Molkereien – die Landwirte bräuchten das Doppelte, um ihre Produktionskosten zu erwirtschaften. Doch wie sieht es bei Bio-Milch aus?

veröffentlicht am 30.05.2016 um 17:44 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

270_0900_263_bowe_101_wfx_3105.jpg
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Angesichts der Misere auf dem konventionellen Milchmarkt hatte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Montag zum sogenannten „Milchgipfel“ eingeladen und nach Lösungsansätzen gesucht. Eine Lösung wurde nicht gefunden – mit Subventionen soll aber versucht werden, Zeit zu gewinnen im Kampf gegen die Milchschwemme, die Ursache für den gegenwärtigen Preisverfall ist.

Keine Veranlassung für Existenzängste sieht indes die Kirchbraker Bioland-Milchbäuerin Barbara Vogler – zumindest derzeit. Der Voglerhof liefert seine Milch an die Gläserne Molkerei in Hamburg, eine von bundesweit 35 Öko-Molkereien, die Milch von Bio-Landwirten verarbeitet. Und die an ihre Zulieferer derzeit noch 45 Cent pro Liter zahlt. Übernommen haben sie und ihr Mann Karl-Heinz den Gutshof 1986. Von Anfang an war klar, dass der Hof nach Bioland-Richtlinien geführt wird. Zum Hof gehören rund 160 Hektar Felder und Wiesen. 60 Milchkühe und ihre Nachzucht bilden das Rückgrat des Betriebes. Nach drei Jahren Umstellung wird seit 1989 auf dem Voglerhof streng „bio“ gewirtschaftet.

Das bedeutet: Die Bio-Milchkühe des Voglerhofes haben Auslauf und bekommen nur Öko-Futter. Der Weidegang macht zusätzliche Arbeit, das Öko-Futter ist teurer und weniger energiereich als Import-Soja. Deshalb geben die Tiere weniger Milch. Die Kälber werden mit Kuhmilch gefüttert und nicht mit billigem Milchersatz. Da die Bio-Höfe weit auseinanderliegen, ist der Milchlaster länger unterwegs, die Transportkosten für die Molkerei sind also deutlich höher.

Doch trotz dieser höheren Erzeugerkosten meint Barbara Vogler: „Wir sind derzeit noch zufrieden mit unserem Erzeugerpreis“. Dabei möchte sie aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, im Biomilch-Sektor herrsche nur „Friede, Freude, Eierkuchen“. Denn, so die Milchbäuerin aus Kirchbrak: „Auch die Bio-Milchpreise gehen gegenwärtig zurück.“ Auslöser sei zum einen, dass auch Bio-Molkereien von April bis September – in Zeiten hoher Liefermengen – auf einen niedrigeren Sommerpreis umstellen. Zum anderen übertrage sich vom konventionellen Milchmarkt, wo auf dem Spotmarkt Überschussmengen auch aus der Biomilchproduktion abgesetzt werden, nun der allgemeine Preisverfall indirekt auch auf die Bioproduzenten .

Und schließlich kommt für die Bioland-Lieferantin noch ein dritter Grund hinzu, der sie vermuten lässt, „dass auch der Biomilch-Preis auf Dauer nicht so hoch bleiben wird“: Angesichts der derzeitigen Einkommenskrise in der konventionellen Milchwirtschaft würden dort immer mehr Bauern versuchen, ihre Betriebe ebenfalls auf „Bio“ umzustellen, beobachtet Barbara Vogler.

Sie wollten verständlicherweise auch vom wachsenden Bio-Milch-Markt profitieren. Doch zum einen gäbe das der begrenzte Markt wohl nicht her; zum anderen müsse man bedenken, dass eine Betriebsumstellung vom Kalb bis zur Biomilch produzierenden Kuh auch um die zweieinhalb Jahre dauere.

Nach Ansicht der Kirchbraker Landwirtin kann daher weder in weiteren Betriebsumstellungen vor Ort noch in einem Berliner „Milchgipfel“ eine Lösung für den Milchmarkt gefunden werden: „Der Karren ist über Jahre schon viel zu tief in den Dreck gefahren worden“, meint sie. Und dass der Einzellandwirt heute über eigene Betriebsplanungen schon gar nicht mehr versuchen könne, den Weltmarkt zu beeinflussen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare