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Und der Postbote bringt den Abschiebungs-Bescheid

Bodenwerder (phi). Nuriz Öner hat bis heute Schwierigkeiten mit dem Postboten. Dabei ist der Mann mit dem gelben Auto keineswegs unfreundlich, es ist vielmehr die Tatsache, dass die 45-jährige Türkin zehn Jahre ihres Lebens täglich damit rechnete, von ihm den Abschiebungsbescheid zu erhalten, denn solange dauerte ihr Asylverfahren in Deutschland.

veröffentlicht am 10.11.2010 um 16:55 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

mig
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Bodenwerder. Nuriz Öner hat bis heute Schwierigkeiten mit dem Postboten. Dabei ist der Mann mit dem gelben Auto keineswegs unfreundlich, es ist vielmehr die Tatsache, dass die 45-jährige Türkin zehn Jahre ihres Lebens täglich damit rechnete, von ihm den Abschiebungsbescheid zu erhalten, denn solange dauerte ihr Asylverfahren in Deutschland. Noch heute verursacht der Briefträger Unbehagen, „obwohl ich mich doch längst mit Recht hier aufhalte, ich kriege das einfach nicht raus.“ 

Ohne Aufenthaltserlaubnis kein Sprachkurs und keine Arbeit – Integration konnte für Nuriz Öner erst 10 Jahre nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik überhaupt beginnen, erzählt sie im Integrationscafé.

Dort geht’s nicht um Schweinefleisch, Wodka oder Buddhismus. Die Frauen aus der Türkei, Russland, Kasachstan, Tschetschenien, China, von den Philippinen, aus Irland und Australien haben existenziellere Probleme. Fast alle kamen durch Heirat nach Deutschland und ohne Sprachkenntnisse. Einen in Deutschland anerkannten Schulabschluss hat keine der Frauen.
 Vielen fehlt der Überblick über gesellschaftliche Strukturen und Möglichkeiten. „Behördengänge sind für viele fast unmöglich“, erläutert Ilona Glenewinkel, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde und Organisatorin des Integrationscafés. „Die Frauen geben bei Ämtern, in Schulen und Kindergärten oftmals sehr schnell auf, denn sie verstehen einfach nicht, worum es geht.“
 Basisarbeit ist für Glenewinkel angesagt, denn im Erfahrungsaustausch liege die Chance, die Kulturen einander näher zu bringen. „Frauen sind dabei ein wesentlicher Schlüssel zur Integration“, stellt die Gleichstellungsbeauftragte fest, „denn sie sind diejenigen, die sich zu Hause auch für die kommende Generation verantwortlich zeigen.“ Dass der Erwerb deutscher Sprachkenntnisse dabei die zentrale Rolle einnimmt, wissen die Frauen längst selbst.



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