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Der Sühnestein an der Klosterkirche

Steinmehl gegen Krankheiten

BODENWERDER. In unserer Reihe „Hingeguckt“ richten wir in loser Folge den Blick auf Details im Stadtbild von Bodenwerder. Dieses Mal geht es um die Geschichte des Sühnesteins an der Klosterkirche.

veröffentlicht am 31.08.2018 um 14:17 Uhr
aktualisiert am 31.08.2018 um 17:53 Uhr

An der Klosterkirche steht dieser Sühnestein. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin
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Wer den Weg zur Eingangstür der Klosterkirche nimmt, geht meistens achtlos daran vorbei. Doch aufmerksame Besucher, die die Kirche besichtigen, kommen häufig mit der Frage: „Was ist das für ein Stein dort draußen? Der sieht nicht nach einem Grabstein aus.“ Was die Neugier der Gäste entfacht hat, ist der Kreuz- oder Sühnestein links neben dem Kircheneingang. Der Stein befindet sich seit 1974 an dieser Stelle. Früher soll er in einem Hohlweg am „Steinbrink“ gestanden haben, später an der Hehlener Straße.

In die rote Sandsteinplatte ist ein Kreuz auf einem Hügel stehend geritzt, wie das Christuskreuz auf dem Hügel Golgatha. Rechts daneben ist eine etwa 50 Zentimeter lange Axt zu sehen. Sie ist ein Symbol des mittelalterlichen Hoch- und Blutgerichts und ein Zeichen für die Todesstrafe. Der untere Teil des Sühnesteines ist glatt und gut erhalten, er war vermutlich tief im Erdreich eingegraben. Der obere Bereich ist stark beschädigt, verwittert und mit runden flachen Löchern versehen. Es sind Kratzlöcher. Im Aberglauben der Bevölkerung existierte noch bis ins 19. Jahrhundert die Überzeugung, dass das Steinmehl Krankheiten heilen könne. Also wurde etwas von dem Stein abgeschabt und als Arznei ins Essen gemischt. Dem „Scheuerchen“ (altes Wort für Krampfanfälle) sollte damit der Garaus gemacht werden.

Sühnesteine stammen aus dem Mittelalter und wurden an der Stelle errichtet, an der ein Verbrechen geschehen war. Damals galt ein Mord als gesühnt, wenn der Täter den Hinterbliebenen des Opfers einen Geldbetrag zahlte und/oder an dem Ort des Geschehens ein Sühnekreuz aufstellte. Die Sage berichtet zu dem Sühnestein an der Klosterkirche, dass sich hier zwei verbrüderte Grafen von Everstein gegenseitig umgebracht haben.

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