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Vorgehen stößt auf viel Kritik / Straße diesen Winter auf jeden Fall gesperrt

Sperrung B83: „Fassungslos“ über Ablaufplan

BODENWERDER/STEINMÜHLE. Vertreter aus Politik und Wirtschaft reagierten „fassungslos“ auf die Ankündigung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln, die Bundesstraße 83 zwischen Bodenwerder und Polle für zwei Jahre sperren zu wollen. Unternehmen seien von der Sperrung in ihrer Existenz bedroht. Sorgen bereitet auch die Umleitung über die Ottensteiner Hochebene nach Brevörde: Die kurvenreiche Strecke könnte im Winter zur Gefahrenpiste werden.

veröffentlicht am 06.09.2018 um 16:48 Uhr
aktualisiert am 06.09.2018 um 19:10 Uhr

Weil weiterhin Lebensgefahr besteht, kann die B 83 diesen Winter nicht für den Verkehr geöffnet werden. foto: dpa
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die Verkehrsbehinderungen der B 83 bei Steinmühle noch anhalten werden. Aktuell ist 2020 anvisiert. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln hatte am Mittwochabend ins Deutsche Haus nach Bodenwerder zu einer Informationsveranstaltung geladen. Zahlreiche Interessierte, darunter überwiegend Kommunalpolitiker und Gewerbetreibende, waren der Einladung gefolgt und reagierten teils mit „Fassungslosigkeit“ auf die Ausführungen von Behördenleiter Markus Brockmann. Mit diesem drastischen Wort machte Marco Müller, der Geschäftsführer der Firma Müller Treppenbau aus Polle seinem Unmut Luft. Sein Unternehmen sei durch die Sperrung massiv beeinträchtigt, führte er aus.

Brockmann hatte zuvor dargelegt, dass es aus Sicht der Straßenbaubehörde am sinnvollsten wäre, die Bundesstraße 83 im Bereich von Steinmühle bis ins Jahr 2020 komplett gesperrt zu halten und nicht zwischendurch für den Verkehr zu öffnen. Stattdessen plädierte er dafür, die nötigen Hangsicherungsmaßnahmen zügig durchzuführen um die Strecke noch vor dem Winter 2020 wieder freigeben zu können.

Ohnehin sei es nach den aktuellen Erkenntnissen laut Brockmann nicht mehr möglich, die Bundesstraße noch diesen Winter zu öffnen. Bisher stand eine Teilöffnung für den Winter 2018/2019 im Raum. Die Bundesstraße ist bereits seit Mai wegen drohender Lebensgefahr durch herabstürzende Steine von der benachbarten Felswand gesperrt.

Der Felsen oberhalb des Cafés bei Steinmühle habe es richtig in sich, sagte Brockmann, eine Sicherung sei nicht damit getan, ein Netz darüber zu spannen oder Teile vorsichtig abzutragen. Aber auch die anderen Teile des Hangs hätten ihre Tücken. „Man merkt schon, da steckt oft noch ne Menge Musik drin“, sagte Brockmann in seinen Ausführungen.

Für die gesamte Felssicherung am Steinhang seien fast 7000 Quadratmeter Netze aufzuspannen, etliche Nägel, und über 1,8 Kilometer Fangzäune. Das habe ein Gesamtvolumen von zehn Millionen Euro. Am Ende der Arbeiten müsse wohl auch die Fahrbahn der B 83 saniert werden, da die Straße währenddessen mit Sicherheit sehr leiden werde.

Aus dem Zuschauerraum wurde während der Veranstaltung deutlich, dass den Einwohnern besonders die Umleitungsstrecke über die 13 Kurven von der Ottensteiner Hochebene nach Brevörde für den Winter Sorgen bereitet. Die Straße sei ohnehin schon eng und bei Glätte gefährlich. Viele sprachen sich für eine Teilöffnung der B 83 aus.

„Wir werden dafür sorgen, dass der Winterdienst vernünftig auf den Strecken läuft“, versicherte Brockmann. Auch eine vorübergehende Ampelregelung an den 13 Kurven, gerade auch im Hinblick auf die Sicherheit des Busverkehrs, könne er sich vorstellen.

Würde man die Baustelle im nächsten Winter 2019/20 halbseitig öffnen, würde das einiges an Zeit, Aufwand und Kosten mit sich bringen, erklärte Brockmann. „Ich glaube nicht, dass man da so wirklich profitiert.“ Eigentlich laute der Plan: Durchbauen, die beiden kommenden Winter durchhalten (wovon der erste ohnehin gesetzt ist), und vor dem Winter 2020 fertig sein. „Ansonsten laufen wir eher Gefahr, dass wir noch den Winter 2021/22 mitnehmen. Das wollen wir auf keinen Fall.“

Neben viel Gegenwind zu Brockmanns Äußerungen meldete sich auch Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner mit für die Stimmung im Saal überraschend befürwortenden Tönen zu Wort: „Der Verkehr lässt sich für uns ertragen“, sagte Weiner und plädierte dafür, das Thema weniger emotional anzugehen, für eine durchgängige Sperrung und eine zügige Fertigstellung der Arbeiten. Autofahrer, die den Weg über die Hochebene nehmen, würden nicht länger brauchen, als diejenigen, die bei einer nur teilseitigen Sperrung auf der B 83 zehn Minuten an einer Ampel warteten.

Was es genau bedeuten würde, die Baustelle im Winter 2019/20 halbseitig zu öffnen, will die Behörde trotzdem noch gemeinsam mit einem Gutachter prüfen.

Mein Standpunkt
Maike Lina Schaper
Von Maike Lina Schaper

Obwohl es während der Sitzung viele Befürworter dafür gab, warten wohl die wenigsten von uns tatsächlich gern zehn Minuten vor einer Baustellenampel. Man sollte sich wirklich fragen, was die sinnvollste Lösung wäre: Eine halbseitige Sperrung im Winter mit längerer Bauzeit oder eine Komplettsperrung unter entsprechend weniger Zeitaufwand. So oder so können die Arbeiten am Hang nur unter Vollsperrung stattfinden. Im Sommer wäre die Straße also eh dicht.



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