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Ingrid Laufmann ist seit 1981 Stadtführerin

Sie läuft seit fast 40 Jahren

BODENWERDER. Sie kennt in Bodenwerder jede Straße, jedes Haus, jede Inschrift – und beinahe jeden Stein. Seit fast 40 Jahren ist Ingrid Laufmann als Stadtführerin in der Münchhausenstadt unterwegs.

veröffentlicht am 10.04.2017 um 13:41 Uhr

Das älteste Haus in der Stadt: Im Jahr 1484 wurde das gotische Gebäude an der Königstraße errichtet. Foto: jli
Johanna Lindermann

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Ihre Runden beginnt meist am historischen Rathaus, das im Jahr 1603 erbaut wurde, und führen durch die verschlungenen Straßen der Altstadt, wo sie zu jedem Haus eine Geschichte zu berichten weiß, bis hin zum Weserufer. Wie viele Führungen sie in den vielen Jahren schon geleitet hat? Kaum auszurechnen.

Begonnen hatte alles Anfang der 1980er Jahre. Als sie ihren Ehemann öfter in seinem Büro beim Fremdenverkehrsamt besuchte, fiel ihr auf, dass es viele Menschen gab, die gerne eine Führung durch das Städtchen machen wollten – was allerdings fehlte, war ein Stadtführer. Laufmann entschloss sich kurzerhand, das zu ändern. 1981 wurde sie so zur ersten Stadtführerin in Bodenwerder. Auch Bus- und Schifffahrten begleitete sie als Reiseleiterin.

Beigebracht hat sie sich das Wissen über die Stadt selbst. „Ich habe mir Bücher und Hefte besorgt und mir alles angelesen. Außerdem habe ich ein Buch über Fachwerkhäuser geschenkt bekommen. Irgendwann hatte ich dann einen guten Überblick darüber, was wann erbaut wurde oder abgebrannt ist.“ Erst vor 20 Jahren belegte sie in Hameln einen Stadtführungskurs.

Ingrid Laufmann am Münchhausen Museum – einer der schönsten Stellen der Stadt, wie sie findet. Foto: jli
  • Ingrid Laufmann am Münchhausen Museum – einer der schönsten Stellen der Stadt, wie sie findet. Foto: jli

Mit den Jahren habe die Nachfrage nach Stadtführungen jedoch abgenommen, erzählt sie. „Die ersten Jahre waren sehr viele Touristen hier, jetzt wird die Stadt ruhiger“, unter anderem, weil die Innenstadt nicht mehr so belebt wie früher sei. Auch einige Fachwerkhäuser seien bereits abgerissen worden, bevor der Denkmalschutz es verbot. „Aber seit einigen Jahren besteht die Vorschrift, dass keine modernen Fenster mehr eingebaut werden dürfen, sondern nur Sprossenfenster erlaubt sind.“

Heute führt Laufmann weniger Gruppen durch die Stadt, beschreibt den Ursprung von Ornamenten, übersetzt lateinische Leitsprüche an den Gebäuden und erklärt auch den simplen Grund, warum die ersten Etagen vieler Häuser oftmals ein Stück vorgezogen sind: „Bauland war eben auch damals teuer.“ Um doch noch ein wenig mehr Wohnfläche herauszuschinden, hätten die Bauherren daher oftmals das obere Stockwerk ein wenig vorgezogen.

Dabei ist jede Führung ein bisschen anders, da sie speziell auf die Gäste eingeht. Besonders, wenn Kinder auf den Führungen dabei sind, unterhält Laufmann sie auf besondere Weise: Sie dürfen durch kleine Fenster in die unteren Stockwerke der noch erhaltenen Wehrtürme schauen, rätseln, warum die erste Schule in der Stadt wohl nur Jungen und keine Mädchen aufnahm, oder auch nach dem ältesten Haus in der Stadt suchen. Oftmals würden sie dann auf die am meisten verzierten Gebäude tippen, sagt Laufmann, doch weit gefehlt: Das älteste Haus steht an der Königstraße, gleich neben der Kirche, und trägt die Hausnummer 1. „Es wurde 1484 erbaut“, sagt Laufmann. Im Vergleich mit Bauwerken aus dem 17. oder 18. Jahrhundert ist es, typisch für die Gotik, jedoch relativ schlicht gehalten. „Auffällig ist aber die Inschrift über der Tür, die in gotischen Schriftzeichen das Erbauungsjahr zeigt“, sagt die Stadtführerin.

So lange es geht, möchte sie die Führungen weitermachen. „Ich habe sie schon immer gerne gemacht, und mache es auch gerne weiter. Mir macht es einfach Spaß.“

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