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Dohnsener entdeckt die Tiere im Gartenteich / Was Experten meinen

Selten: Kaulquappen im Herbst

Dohnsen (jhe). Joachim Heere traute seinen Augen kaum, als er das Gewimmel in seinem Gartenteich genauer betrachtete. Bis zu 15 Kaulquappen schwammen in dem klaren Wasser des 1,20 Meter tiefen Tümpels. An sich nichts Ungewöhnliches, denn schon seit etwa sieben Jahren entwickeln sich jedes Jahr über 100 Amphibien im Teich der Familie Heere – aber nicht in dieser Jahreszeit.

veröffentlicht am 12.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:21 Uhr

Joachim Heere mit den Kaulquappen.  Fotos: jhe
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„Das habe ich noch nie erlebt“, sagt der Naturfreund Heere. „Die Kaulquappen hätten mindestens seit zwei Monaten weg sein müssen.“ Auch Reiner Säger von der Bodenwerderaner Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland – kurz BUND – ist überrascht: „Das ist wirklich etwas ganz Erstaunliches – davon habe ich noch nie gehört.“ Er erklärt, dass Kröten und Frösche je nach Witterungslage im März oder April, allerspätestens im Mai, ihren Laich ablegen, aus dem die Kaulquappen dann nach einer rund zweimonatigen Entwicklungsphase schlüpfen. „Bis spätestens Juli ist die Entwicklung abgeschlossen“, sagt Säger. Dann verlassen die Amphibien ihre Tümpel und wandern in die Natur. „Gras- oder Erdkröten müssten sich jetzt schon für den Winter verkriechen“, sagt er weiter.

Eine Erklärung für das späte Kaulquappen-Aufkommen in Heeres Teich hat Säger nicht, lediglich eine vage Vermutung: „Vielleicht handelt es sich um eine Exotenart.“ Daran glaubt Harold Marks allerdings nicht. Der ehemalige Biologielehrer der Realschule Bodenwerder geht davon aus, dass es sich um eine heimische Art handelt. „Da das Frühjahr sehr kalt war, kann es sein, dass die Tiere später gelaicht haben“, sagt er.

Ratlosigkeit unter den Experten also. Auch Heike Pröhl, Junior-Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, ist erstaunt, dass zu dieser Jahreszeit noch Kaulquappen in einem Teich schwimmen. „Den Fotos nach zu urteilen, handelt es sich um Kaulquappen von Kröten. Erdkröten kommen häufig in Gärten vor, pflanzen sich allerdings schon zeitig im Frühjahr fort, so dass es jetzt keine Kaulquappen mehr geben sollte.“ Des Rätsels Lösung könnte sein, dass es sich bei den Kaulquappen im Teich der Familie Heere um die einer Kreuzkröte handelt. Denn diese Art pflanzt sich laut Pröhl bis in den August hinein fort, weshalb es jetzt „durchaus noch Kaulquappen geben könnte“. Allerdings schränkt die Biologin ein, dass diese Krötenart eher in Kiesgruben und vegetationsarmen Gewässern zu finden sei, „nicht unbedingt im Gartenteich“. Der Amphibien-Experte des Kreisverbandes Holzminden vom Naturschutzbund Deutschland meint, dass es bei der Geburtshelferkröte vorkomme, dass Kaulquappen überwinterten. Seltener komme das auch bei Molchen vor. „Andere heimische Arten können es nach einer normalen biologischen Einschätzung nicht sein“, sagt er.

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