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Horst Goerigk steht seit 65 Jahren in der Backstube / In Bodenwerder eine neue Heimat gefunden

Seine Freunde nennen ihn nur Krümel

Bodenwerder. „Guten Morgen, mein lieber Krümel“, begrüßt Siegfried Kellner seinen Freund Horst Goerigk. Die Altersriege der Feuerwehr trifft sich im Café Lutz, Bäckermeister Goerigk gehört dazu. Demnächst feiert er seinen 82. Geburtstag – und er steht noch täglich in der Backstube. „Ich bin jeden Morgen mit meinem Sohn zusammen um 7 Uhr hier und habe dann bis 12 oder 13 Uhr zu tun“, erzählt er. Sein Leben lang habe er nichts anderes getan. Dabei wollte er eigentlich gar nicht Bäcker werden, ein technischer Beruf hätte ihm viel mehr zugesagt. Schlosser auf der Werft hätte er werden können. Der Krieg war gerade zu Ende – da entschied er sich für das Backen. „Als Bäcker brauchst du nicht zu hungern“, dachte er sich. Das Bäckerhandwerk hat in seiner Familie aber auch schon seit 1860 Tradition.

veröffentlicht am 27.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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1947 begann Goerigk seine Lehre in Eckernförde. Er schloss sie mit Auszeichnung ab. Es folgten seine Lehr- und Wanderjahre in Stuttgart und in mehreren norddeutschen Städten. 1956 legte Horst Goerigk seine Meisterprüfung in Hamburg ab, wo er auch seine Frau Maria kennenlernte, die er ein Jahr später heiratete. Schon damals war sein Ziel, sich als Bäcker selbstständig zu machen. 1959 war es dann so weit. Die Goerigks pachteten einen Betrieb in Stotel in der Nähe von Cuxhaven, den sie später als Eigentum erwarben.

Sohn Lutz wollte nicht so ganz in die Fußstapfen des Vaters treten. Er lernte nicht Bäcker, sondern Konditor. Auch er verdiente sich die Sporen in der Fremde. Goerigk erzählt: „Ich habe ihm gesagt, wenn du als Meister nach Hause kommst, bist du der Boss. Und so kam es auch.“ Der Bäckerei wurde daraufhin ein Café angegliedert, das aber in dem kleinen Ort nicht wie erwartet lief. „Sonntags war es immer voll, da kamen die Gäste von auswärts. Aber die Einheimischen gingen nicht Kaffeetrinken, und so war in der Woche nichts los“, schildert Goerigk. Also entschloss sich die Familie, den Betrieb nach 30 Jahren zu verkaufen und sich nach einer neuen Existenz umzuschauen.

In der Bäcker-Fachschrift wurde für das ehemalige „Ahrbergsche Hotel“ in Bodenwerder ein Pächter für einen Café-Betrieb gesucht. „Wir waren begeistert von Bodenwerder“, erzählt Horst Goerigk, „haben den Vertrag unterschrieben, umgebaut und dann unsere gesamte Einrichtung aus Stotel nebst Backstube und zwei Haushalten hierher gebracht. Am 10. April 1990 haben wir eröffnet.“

In Bodenwerder Fuß zu fassen, war gar nicht einfach, denn gerade zu der Zeit begann die Umgestaltung der Innenstadt zur Fußgängerzone. Aber Familie Goerigk ließ sich nicht unterkriegen. Wenn das Café wegen der Baustelle vor der Tür nicht genügend Kunden anlockte, musste das Geld eben auf andere Weise verdient werden. Ideen waren gefragt. Horst Goerigk backte Brot und Brötchen für Imbiss-Betriebe in Hameln und hielt sich so über Wasser.

Und Ideen hatte er immer. Anlässlich des 275. Geburtstags des Freiherrn von Münchhausen schufen Vater und Sohn eine zehnstöckige Torte, die sie in der Fußgängerzone präsentierten. Und als der Gesangverein von 1871 anregte, etwas zur Belebung der Innenstadt zu tun und zusammen mit anderen Chören die „Sonntagsmelodien“ in der Innenstadt ertönen ließen, backte Goerigk tagelang einen 60 Meter langen Hefezopf. Er reichte von der Kirche bis zum Brunnen und war innerhalb von einer halben Stunde komplett verkauft. „Auch heute muss man wieder sehen, wo man bleibt, besonders im Winter“, sagt der Senior, „deshalb bieten wir jetzt auch einen Mittagstisch an und verkaufen am Stand draußen Bratwurst und Glühwein.“

Hat er eigentlich neben der Backstube noch Hobbys? „In Stotel habe ich überall mitgemischt“, erzählt der Bäcker. „Ich war ein richtiger Vereinsmeier.“ In Feuerwehr, Gesangs- und Schützenverein war er aktiv, und er trainierte kleine Jungen im Fußball. Außerdem trat er als Alleinunterhalter auf. In Bodenwerder ließ er es etwas ruhiger angehen. „In Stotel kannte man mich von Anfang an, da ist das gewachsen. Hier konnte ich das nicht so“, meint er. Dem Feuerwehrwesen und dem Singen im Verein – er ist sowohl in Kemnade als auch in Bodenwerder Mitglied – ist er aber treu geblieben. Bei den Mitgliedern heißt er nur noch „Krümel“. Diesen Namen hat er von einer Büttenrede zurückbehalten. Goerigk stieg für diese Rede aus einem selbst gebastelten Raumschiff, das er „Krümmel 00“ genannt hatte. Als Mitglieder der Feuerwehr Bodenwerder einen Ausflug nach Stotel machten, hörten sie den Namen. „Dort wurde er nur so gerufen“, schmunzelt Siegfried Kellner. „Wir haben den Namen übernommen. Aber wir haben immer gedacht, der hat direkt was mit seinem Beruf zu tun.“ Mit dem Beruf, den Horst Goerigk nun schon 65 Jahre ausübt – und, wenn er fit bleibt, sicher noch länger ausüben wird.



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