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Kabarett im Hahn mit dem Mann der vielen Gesichter und Akzente

Seine eigene Therapie bekommt Jockel Tschiersch im Swingerclub

Ottenstein. Wie Frauen ihre Männer durch Fesselspiele entsorgen, damit beginnt Jockel Tschiersch sein Kabarett-Programm „Pubertät mit 50“ am Sonntagabend im Gasthaus Hahn. Im Laufe des Abends schlüpft er in ganz unterschiedliche Charaktere, von einer Galapagos-Schildkröte bis hin zu einem Aktenzeichen-XY-Moderator.

veröffentlicht am 10.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:41 Uhr

Jockel Tschiersch beim besorgten Lesen der Sonderbeilage Pubertä

Autor:

Ines Küster
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Jockel Tschiersch beherrscht außerdem zahlreiche Akzente. Und sei es nun Bayrisch oder Indisch – das Publikum ist überzeugt. Und auch dem Kabarettisten macht es Spaß. Für ihn ist es eine Premiere. Er tritt zum ersten Mal außerhalb Münchens und Berlins auf. Doch auch in einer „kleinen Metropole“, wie er Ottenstein bezeichnet, bereitet es ihm Freude. Ein paar seiner Berliner Fans sind sogar auch hier in Niedersachsen dabei.

Aber warum handelt die Veranstaltung eigentlich von Pubertät mit 50? Das alles begann im Wartezimmer einer Urologin: In einer Zeitschrift liest Tschiersch über eine schwierige Zeit, in der man seinen Platz in der Gesellschaft sucht, in der man verstanden werden möchte, egal wie man sich ausdrückt. „Das trifft doch genau auf mich“, denkt sich Tschiersch und merkt, dass er gerade in einer Sonderbeilage der Brigitte zum Thema Pubertät liest. Aber Pubertät, das hat man doch nicht mit 50! Oder vielleicht doch? „Wir leben in der Generation Patch. Es gibt überall Patchwork-Familien. Man weiß gar nicht mehr, wer die eigenen Kinder sind. Alle machen patch, patch, patch.“ Dieser und alle anderen Bereiche der Gesellschaft und des Alltagslebens, die einem 50-Jährigen Sorge bereiten, kommen bei Jockel Tschiersch zur Sprache. Er erzählt von „Grabschware und Bückware der freien Schnäppchenwahl in Deutschland“, von Frauen ohne Kinn, vom Migrationshintergrund (als Allgäuer in Berlin sieht er sich schließlich selbst als Migrant), von Schönheitsoperationen, vom Training für den ehelichen Sex und von ständig stattfindenden Events: „Aus allem muss man heutzutage ein Event machen. Das geht hin bis zum Summerdance in die private Insolvenz‘.“ Die Geschichten von seinem reichen Freund Tillmann zeigen, dass die Pubertät auch die 50-Jährigen in der Elite erwischt. „Das ist dann elitäre Debilität.“ Es wird immer skurriler, als er von der Physiotherapie für die beiden Golden Retriever seines Freundes berichtet.

Seine eigene Therapie bekomme er im Swingerclub. Und dort – ob man es glaubt oder nicht – bekommt er tatsächlich einen Arztbrief. Aber Jockel Tschiersch bekommt nicht einfach irgendeinen Brief, er bekommt das „Advanced German Pubertärer 50+ Diplom“, denn Pubertät, so das Fazit seines Kabaretts, kann man eben auch mit 50 haben!

Am Ende des Abends bekommt der jedoch kein Diplom, sondern traditionsgemäß die Hahn-Trophäe des Gasthauses.

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