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Schweinegrippe – „Kinder ab drei Jahren impfen“

Bodenwerder (phi). Impfen oder nicht? Die Schweinegrippe greift um sich, unter der Bevölkerung verbreiten sich Gerüchte über die Anzahl der Fälle, da wird die Impfung schnell zur Glaubensfrage. Seit Anfang November können sich die Menschen beim Hausarzt oder beim zuständigen Gesundheitsamt impfen lassen. Zunächst sind die Risikogruppen dran: chronisch Erkrankte, Menschen, die beruflich viel mit Publikum zu tun haben und ältere Menschen. Aber was ist mit den Jüngsten? Insbesondere, was die vorbeugende Impfmaßnahme bei Kindern angeht, ist die Verunsicherung bei den Eltern groß.

veröffentlicht am 05.11.2009 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:41 Uhr

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Bodenwerder (phi). Impfen oder nicht? Die Schweinegrippe greift um sich, unter der Bevölkerung verbreiten sich Gerüchte über die Anzahl der Fälle, da wird die Impfung schnell zur Glaubensfrage. Seit Anfang November können sich die Menschen beim Hausarzt oder beim zuständigen Gesundheitsamt impfen lassen. Zunächst sind die Risikogruppen dran: chronisch Erkrankte, Menschen, die beruflich viel mit Publikum zu tun haben und ältere Menschen. Aber was ist mit den Jüngsten? Insbesondere, was die vorbeugende Impfmaßnahme bei Kindern angeht, ist die Verunsicherung bei den Eltern groß.
 Dabei sind sich die Mediziner grundsätzlich einig: Auch Kinder sollten geimpft werden. Allerdings übernehmen die Gesundheitsämter diese Maßnahme nicht, hier ist der Haus- oder Kinderarzt gefragt. Die Impfkommission des Robert-Koch-Institutes, das dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellt ist, empfiehlt für Kinder von 6 Monaten bis 9 Jahren zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen mit jeweils einer halben Erwachsenendosis. Dr. Klaus Weber vom Gesundheitsamt Holzminden erläutert: „Circa eine Woche nach erfolgter Impfung tritt der Impfschutz ein.“
 Die neue Influenza verbreitet sich schnell, da stellt sich die Frage, ob es für eine Impfung nicht bereits zu spät ist. „Nein“, antwortet der Fachmann aus Holzminden. „In Südamerika zum Beispiel hat sich der Verlauf der Krankheit mit der Zeit als immer schwerer herausgestellt. Eine Virulenz-Steigerung oder auch Drosselung, also ein milderer Krankheitsverlauf ist vorstellbar, aber nicht vorhersehbar.“ Die bisher aufgetretenen Fälle seien allesamt sehr milde verlaufen. Das müsse aber nicht so bleiben.
 Das Gesundheitsamt Holzminden verzeichnet seit Beginn der Welle im Sommer diesen Jahres 35 laborbestätigte Fälle. „24 davon sind allein vom 1. Oktober bis zum 4. November aufgetreten. Alle 24 Erkrankungen wurden im Inland erworben und hatten nichts mit Reisen zu tun.“ Das verdeutliche noch einmal die schnelle Ausbreitung der Krankheit.
 Für den Raum Bodenwerder verzeichnet der Mediziner vom 28. bis 30. Oktober drei laborgesicherte Schweinegrippe-Fälle, davon zwei im Kindesalter. Kinderarzt Wolfgang Dieffenbach wird hier ab heute die ersten Kinder gegen die neue Influenza impfen. „Zunächst sind die Risikogruppen dran, das bedeutet kleine Patienten mit chronischen Erkrankungen.“
 Der Mediziner aus Bodenwerder rät vor allem, Kinder ab drei Jahren impfen zu lassen. Er ist nicht besorgt wegen der Nebenwirkungen, sondern hält diese für überschaubar. Seines Erachtens ist der Impfstoff hinreichend an Kindern ab drei Jahren getestet worden. „Bei den unter Dreijährigen wäre ich vorsichtig, da liegen nach meiner Meinung zu wenig Erkenntnisse vor.“
 Sowohl Dieffenbach als auch Weber raten aber neben der Schweinegrippe-Impfung auch ganz besonders die Vorsorge gegen die normale Influenza an. Besonders die jährliche Grippe-Welle im Februar schlage erfahrungsgemäß noch einmal hart zu Buche. „Gerade Kinder, die tatsächlich von der Schweinegrippe betroffen sein sollten, haben danach möglicherweise noch ein angegriffenes Immunsystem. Die normale Grippe trifft sie dann besonders hart, und dann kann es wirklich gefährlich werden“, so Dieffenbach. Grippe-Impfung und Schweinegrippe-Impfung können nicht zeitgleich, sondern müssen im Abstand von zwei Wochen durchgeführt werden. Der Impfschutz für die herkömmliche Influenza hält sechs Monate, über die Dauer des Impfschutzes für die Schweinegrippe liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.
 Dieffenbach selbst lässt sich auch impfen. „Aber die Verantwortung liegt natürlich immer bei den Eltern.“ Wer seine Kinder impfen lassen möchte, kann beim Haus- oder Kinderarzt einen Termin vereinbaren, muss allerdings mit Wartezeit rechnen, denn die Packungsgrößen des Impfstoffes sehen immer zehn Impfdosen vor. Einmal angebrochen, müssen sie an einem Tag verbraucht werden, deshalb wird in entsprechenden Patienten-Einheiten geimpft, der wertvolle Impfstoff muss immer komplett verbraucht werden.
 „Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Gesichtspunkte bei der Impfung“, erläutert Weber vom Gesundheitsamt. „Den Individualschutz, also der Schutz jedes Einzelnen gegen gefährliche Krankheiten und den Kollektivschutz, also den Schutz der gesamten Bevölkerung in dem Sinne dass sich Erkrankungen durch die Übertragung von Mensch zu Mensch nicht weiter ausbreiten.“
 Impfgegner gibt es genug, die neben den Nebenwirkungen auch unzureichende Vortests bemängeln. Verstorben ist in Deutschland in direktem Zusammenhang mit der Schutzimpfung bislang niemand. Hingegen gibt es aufgrund einer Schweinegrippeerkrankung bereits neun Todesopfer in der Bundesrepublik zu beklagen.

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