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600 Bürger verfolgen die Fachausschuss-Sitzung in Buchhagen / Kinder kämpfen für den Bestand

Schulen werden vorerst nicht geschlossen

Buchhagen. Es waren nicht nur Menschen aus Kirchbrak und Ottenstein, die zu den 600 Besuchern der Schulausschusssitzung im Gasthaus Mittendorf in Buchhagen gehörten. Viele Bürger aus der gesamten Samtgemeinde Bodenwerder-Polle und aus dem Landkreis Holzminden verfolgten am Mittwochabend die Sitzung des Samtgemeinde-Schulausschusses zu der Frage, ob die Grundschulen in Kirchbrak und Ottenstein geschlossen werden sollen. Bevor sich nach zweieinhalbstündiger Debatte der Ausschuss mit großer Mehrheit gegen die Schließung aussprach, stellten Politiker, Eltern und auch die Schüler ihre Standpunkte und Meinungen vor.

veröffentlicht am 14.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Frank Müntefering
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Das erste Wort gehörte den Kirchbraker Schulkindern. Ausschussvorsitzender Jörg Borns ließ die Kleinen nach vorne kommen. „Hey, wir sind hier, für unsere Schule kämpfen wir“, sangen die Mädchen und Jungen voller Inbrunst. Danach zeigten sie mit einem selbst gemachten Video, warum ihre Schule unbedingt erhalten bleiben müsse. Auch die Kinder der Grundschule Ottenstein führten einen Film vor, der die Qualität ihrer Schule dokumentiert. Für die Vorführungen gab es starken Beifall im vollen Saal des Gasthauses.

Wichtigstes Thema der Schulausschusssitzung war der Antrag des Samtgemeindebürgermeisters Joachim Lienig, die Grundschulen in Kirchbrak und Ottenstein zu schließen, Ganztagsgrundschulen einzuführen und automatisch Grundschulen zu schließen, die nicht mehr einzügig geführt werden können. In der ausführlichen Einwohnerfragestunde erinnerte Tanja Gellner aus Ottenstein an die Vorgaben des Fusionsvertrages, wonach öffentliche Einrichtungen erhalten werden sollen. Außerdem fragte sie Samtgemeindebürgermeister Joachim Lienig, welchen Beleg es für eine schlechtere Beschulung an kleineren Schule gebe? Ratsherr Harald Jacob (SPD) betonte, dass der Vorschlag, die Schulen zu schließen, auch aus der Verpflichtung zu wirtschaftlichem Handeln entstanden sei. Schließlich verliere die Samtgemeinde beständig Einwohner.

Zu der angeblichen schlechten Bildungsqualität kleiner Schulen mit Kombiklassen zitierte Jörg Kohlenberg aus Kirchbrak den Brief eines Lehrers der Paul-Gerhardt-Schule in Dassel. Dieser habe die Erfahrung mit Kindern aus Kirchbrak gemacht, dass sie selbstständig und konzentriert arbeiten und zudem andere Mitschüler unterstützen.

Vor dem Saal demonstrierten Kinder für den Erhalt ihrer Schule.

Jana Lönneker aus Ottenstein hinterfragte, ob denn die Kapazitäten in Hehlen überhaupt für die Kinder aus Ottenstein ausreichen könnten. Auf die Bestätigung durch Schulleiter Dirk Lienig aus Hehlen, dass die Räume vorhanden seien, fragte die Ottensteinerin, ob es denn Sinn mache, die Kinder, die in Ottenstein in einer Klasse sind, extra nach Hehlen zu fahren, damit sie dort auch wieder in einer Klasse seien. Nadia von Grone erinnerte den Ausschuss an das Beispiel einer Insel mit 119 Einwohnern, die für 18 Schüler die Schule auf der Insel lässt, um so der Entvölkerung entgegenzuwirken. „Erhalten Sie unseren Kindern eine glückliche Zukunft auf dem Land“, forderte sie den Ausschuss auf.

Die Schließung der Schule gehe mit der Demontage der Dorfinfrastruktur einher, befürchtete Gerrit Sturz aus Kirchbrak. Man dürfe diese Debatte nicht so sehr an dem wirtschaftlichen Aspekt festmachen. „Kinder sind unsere Zukunft“, sagte der sechsfache Vater. Er überreichte zusammen mit weiteren Eltern aus Kirchbrak und Ottenstein eine meterlange Unterschriftenliste. Bei einer Online-Petition haben sich 1800 Menschen für den Erhalt der Grundschulen in Kirchbrak und Ottenstein ausgesprochen, davon allein 1200 Menschen aus der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle. „Reichen 1200 ihrer Bürger, zumindest eine Aufschiebung der Schließung bis 2018 zu erreichen?“, wurde Joachim Lienig gefragt. „Ich kann ihnen nicht versprechen, dass sich meine Meinung ändert“, bekannte Lienig.

Heinsens Bürgermeister Reiner Woelk berichtete von den Erfahrungen der Schulschließung in Heinsen vor anderthalb Jahren. „Es ist gutgegangen.“ Helmut Raabe bezeugte seinen Respekt gegenüber Samtgemeindebürgermeister Lienig. Er habe mit seinem provokanten Antrag die Diskussion und einen Dialog gestartet. Lienig kritisierte die Politik, dass man seit drei Jahren diskutiere, aber in der Sache keinen Vorschlag gemacht habe. Deshalb habe er diesen Beschlussvorschlag vorgelegt.

Für laute Diskussionen sorgte die Feststellung Lienigs, dass man den demografischen Wandel akzeptieren müsse. Die Diskussion über die Schulen, so wurde entgegnet, zeige doch, dass man für die Region und gegen den demografischen Wandel arbeiten wolle, wurde ihm entgegnet. Scharfe Kritik gab dazu es von Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner: „Wer glaubt, nicht dagegen angehen zu können, kann gleich nach Hause gehen.“



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