weather-image
Liedermacher-Duo Simon und Jan zogen alle Register des hintergründigen Humors

Schonungslos, aber niemals verletzend

BUCHHAGEN. Ihren eigenen Worten zufolge, sind sie nach Buchhagen gekommen, um ihrem fast hundertköpfigen Publikum „zu helfen, in Eurem Leben Ordnung zu schaffen“ – und haben mit dieser Ankündigung bereits den ersten Volltreffer gelandet. Zahlreiche weitere sollten folgen, als das Liedermacher-Duo „Simon und Jan“ (Simon Eickhoff und Jan Traphan) am Sonntagabend in der Kultur Mühle sein neues Programm „Halleluja!“ vortrug.

veröffentlicht am 06.11.2017 um 16:30 Uhr

Mühelos gab das Oldenburger Liedermacher-Duo Simon und Jan seine gute Laune an das Publikum in der nahezu ausverkauften KulturMühle Buchhagen weiter. Foto: br
Avatar2

Autor

Burkhard Reimer Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Oder ist das etwa „alles nur gelogen“? Nein, keineswegs, sondern eben nur das, was die beiden Oldenburger im gleichnamigen Song an Dingen zitieren, mit denen ständig versucht wird, brave Menschen hinters Licht zu führen. Da gilt es doch, dem Publikum die Augen zu öffnen. Zum Beispiel mit der Erinnerung an das „Stück Butter auf dem Badewannenrand“ und dem Hinweis: „Das ist Kunst.“ Während, „wenn Helene Fischer von Atemlosigkeit singt“, feststeht: „Das kann weg!“

Und in diesem Stil geht es weiter im Programm: Gut zwei Stunden lang ziehen Simon und Jan in ihren Liedern alle Register des hintergründigen Humors. Mal mit feiner Ironie, mal mit bitterbösem Sarkasmus zerren sie menschliche Schwächen, politisches Versagen, kirchliche Verlogenheiten ans Tageslicht – schonungslos zwar, aber niemals verletzend. Hingegen immer zum Vergnügen des Publikums, auch wenn diesem hier und da das Lachen im Hals steckenbleibt. Etwa, wenn der Knabe, der „doch so ein süßer Junge war“, seine Erkenntnis preisgibt, „dass man Retalin auch gut durch die Nase ziehen kann“. Oder wenn die Beiden darüber berichten, was kleine Jungs zu Hause mit süßen Tieren anstellen. Da gehört es noch zu den harmloseren Taten, wenn der Hamster an die Wohnzimmerwand geklatscht wird, so dass er dort wie Knetgummi hängenbleibt.

Da ist so pechschwarz, dass der anschließende Hinweis, „man kann uns übrigens auch zu Hochzeiten buchen“, nicht besser hätte platziert sein können. Und dann sitzt das Publikum da und wartet gespannt ab, weil auf der Bühnen weiter nichts geschieht. Bis Jan erläutert: „Das haben wir uns so angewöhnt. Immer, wenn die Stimmung kurz vor dem Siedepunkt ist, stimmen wir unsere Gitarren.“ Erneut gibt er damit, wie in anderen Kommentaren zwischen den Liedvorträgen, eine seiner kleinen Gemeinheiten von sich, die aber so subtil sind , dass niemand sie ihm übel nehmen könnte. Ruth Emanuel vom Team Kultur Mühle hatte das Duo in ihrer Begrüßung als „besonderes Highlight im Herbstprogramm“ angekündigt und damit wahrlich nicht übertrieben. Simon und Jan verhalfen ihrem Publikum zu einem, zwar auch zum Nachdenken anregenden, insgesamt aber rundum vergnüglichen Abend und wurden dafür mit minutenlangem Beifall belohnt.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare