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Traditionsreiches Fachgeschäft von Brill in Bodenwerder schließt seine Pforten

Schluss nach 34 Jahren

BODENWERDER „Ich habe immer viel Spaß daran gehabt, den Kunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, meint Barbara von Brill. Dem kann ihr Mann Karl-Gottfried nur zustimmen. Beide ziehen sich nach fast 34 Jahren aus Altersgründen aus dem Geschäftsleben zurück.

veröffentlicht am 21.04.2017 um 14:15 Uhr

Aus den Anfängen der Geschäftszeit von Brill. Foto: kb
Beißner

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Karin Beißner Reporterin
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Eigentlich war der Berufsweg für den gelernten Schmiede- und Schlossermeister schon früh vorgezeichnet. Sein Vater hatte in Hehlen eine Schmiede. „Schon als kleiner Junge hat mich faszinierte, wenn das Feuer im Gang war und der Hammer auf den Amboss schlug. Auch der Geruch, wenn ein Pferd beschlagen wurden, ist mir noch in der Nase“, erzählt der Geschäftsmann. Er arbeitete nach der Bundeswehrzeit im elterlichen Betrieb, dem auch ein kleines Geschäft mit Haushalts- und Eisenwaren angeschlossen war. Als in Bodenwerder die Firma Lagemann die Tore schloss, fehlte deren Angebot. Und hier sprang der Hehlener in die Bresche.

Am 17. November 1983 eröffnete er in der Großen Straße 21 das Fachgeschäft für Eisenwaren, Sanitär- und Haushaltswaren. Dass dies die richtige Entscheidung war, erfuhr der zweifache Familienvater schon kurz nach der Eröffnung. Bestimmte Warengruppen waren in Bodenwerder einfach nicht zu bekommen. „Wir haben innerhalb von 14 Tagen 47 Brauseschläuche samt Brausen und Dichtungsmaterial verkauft“, erinnert sich von Brill, „und an den Samstagen standen schon morgens um halb acht Hobbywerker auf dem Hof, die Material brauchten.“ Als Handwerker wusste von Brill was gebraucht wurde und konnte seine Kunden perfekt bedienen. Und auch seine Serviceleistungen waren begehrt. Wer einen Schlüssel brauchte, fand ihn bei von Brill oder ließ ihn anfertigen, Messer, Äxte und Beile brachte er auf die richtige Schärfe und auch bei Montagen war er behilflich.

Doch ohne seine Frau Barbara wäre der Laden gar nicht gelaufen. Sie war von Anfang an mit im Geschäft, fuhr frühmorgens mit dem Fahrrad nach Bodenwerder. „Es gab nur wenige Tage in unserer Geschäftszeit, an denen es wegen zu hohen Schnees oder Sturm nicht ging“, schmunzelt sie. Auch die ältere Tochter machte ihre Ausbildung mit berufsbegleitendem Studium im elterlichen Betrieb. Der große Kundenstamm brauchte weiteres Personal. „Wir hatten lange Zeit immer Angestellte“, berichtet die Chefin, „besonders zu Weihnachten. Da haben wir zu siebt bedient und sind kaum gegen den Ansturm angekommen.“ Auch bei Hochzeiten war das Angebot begehrt. Viele Brautpaare suchten ihren Haushalt bei von Brill aus und ließen für ihre Gäste einen Hochzeitstisch decken. Manche Kunden aber trugen ihren Haushalt auch ohne zu bezahlen aus dem Geschäft. Hin und wieder kam es vor, dass leere Schachteln im Regal standen und nachdem wohl eine ganze Diebesbande unterwegs gewesen war, wunderte sich das Ehepaar, was ihnen alles abhandengekommen war. Eine Tischtennisplatte voll mit Waren konnten sie bei der Polizei in Empfang nehmen.

Barbara und Karl-Gottfried von Brill freuen sich auf den gemeinsamen Ruhestand. Foto: kb
  • Barbara und Karl-Gottfried von Brill freuen sich auf den gemeinsamen Ruhestand. Foto: kb

In die ersten 10 Jahre des Geschäftslebens fielen einige bedeutende Ereignisse, an die der Senior sich erinnert. Die Grenzöffnung brachte viele neue Gäste, doch die Innenstadtsanierung Anfang der 90er-Jahre machte es den Kunden schwer, das Geschäft überhaupt zu betreten. Nur ein schmales federndes Brett führte über einen tiefen Graben zum Eingang. Von Brill, der zu der Zeit Vorsitzender der Werbegemeinschaft war, kostete es viel Energie und Überredungskunst das zu ändern und einen breiteren Übergang mit einem Geländer zu bekommen. Die Stadtsanierung bescherte nicht nur ihm geschäftliche Einbußen.

Auch die Einführung von Parkgebühren auf den noch nicht befestigten Parkplätzen im Hagen und die beginnende Entstehung des Gewerbegebietes im Hohen Feld mit Parkplätze direkt vor der Tür, ließen Kunden abwandern.

Jetzt geht das Geschäftsleben zu Ende, der Abverkauf hat begonnen. Von Brill hat verschiedene Formen bei befreundeten Kollegen erlebt und sich entschieden, es unter professioneller Beratung einer Spezialfirma abzuwickeln. Um das Ganze attraktiver zu machen, hat er Waren dazu gekauft, die die Angebotspalette bis zum Ende spannend gestalten – einige sind gar völlig neu im Geschäft. Und nach dem Abschluss Anfang Juni bleibt er nicht auf dem Rest-Sortiment sitzen. Nun sind die Tage im Geschäft gezählt, was kommt danach? „Meine Frau hat neben ihrem eigenen Garten auch noch den ihrer Mutter zu versorgen – ein Fulltime-Job. Ich mache den Schlüsseldienst in Hehlen weiter und werde auch noch schmieden“, blickt Karl-Gottfried von Brill in die Zukunft, „und dann haben wir ja auch noch unsern Sport im TC Jahn Hehlen. Dass nun nach 34 Jahre Schluss ist mit dem Geschäftsleben, ist meiner Frau zu verdanken, sie war die treibende Kraft, da wir auch gesundheitlich angeschlagen waren. Jetzt freuen wir uns auf den Ruhestand.“

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