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SPD kritisiert häufige Abwesenheit von Hauke Fickert (FDP) im Stadtrat

Ratsherr mit Fehlstunden: Wird der Wählerwille missachtet?

BODENWERDER. Wird der Wählerwille ad absurdum geführt, wenn ein gewähltes Ratsmitglied in diesem Jahr kein einziges Mal zu einer der politischen Ratssitzungen erschienen ist? Diese Frage warf in der vergangenen Sitzung Ratsherr Friedrich-Wilhelm Dornette (SPD) auf. Es geht um die Fehlzeiten von FDP-Ratsherr Hauke Fickert.

veröffentlicht am 19.12.2017 um 17:14 Uhr

Die konstituierende Sitzung im Jahr 2016 sei eine von lediglich zwei Ratssitzungen gewesen, zu der FDP-Ratsherr Hauke Fickert erschienen ist, wie Ratsmitglied Friedrich-Wilhelm Dornette (SPD) bemerkt. Foto: WFX
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Unter dem Tagesordnungspunkt Mitteilungen und Anfragen der Ratsmitglieder bedankte sich Dornette zunächst bei der CDU für die Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und lobte das Engagement von Stadtdirektorin Tanya Warnecke im Amt, kam dann aber auch auf die Fehlzeiten von FDP-Ratsherr Hauke Fickert zu sprechen. Dieser habe in der aktuellen Wahlperiode bisher lediglich an zwei von insgesamt sieben Ratssitzungen teilgenommen – und zwar an den ersten beiden 2016 und 2017 bisher an gar keiner. An den neun Sitzungen des Verwaltungsausschusses habe Fickert ebenfalls zwei Mal teilgenommen, listet Dornette auf und an den vier Sitzungen des Bauausschusses, in dem Fickert ebenfalls Mitglied ist, sei er nur ein einziges Mal erschienen. Dabei sei Fickerts Wahlergebnis, mit dem ihn die Wähler im Rat haben sehen wollen, durchaus beachtlich gewesen. Fickert konnte bei der Kommunalwahl am 11. September 2016 insgesamt 428 Wählerstimmen auf sich vereinen. Der einzige FDP-Kandidat erreichte damit das viertstärkste Einzelwahlergebnis. Mehr Stimmen erreichten nur Tanja Warnecke (CDU, 1155 Stimmen), Elke Perdacher (SPD, 806 Stimmen) und Friedrich-Wilhelm Dornette selbst (580 Stimmen).

Aus meiner Sicht ist es sehr traurig festzustellen, dass in Bodenwerder immer noch ein Parteienkampf stattfindet.

Hauke Fickert, FDP-Ratsherr im Stadtrat der Münchhausenstadt

Das besonders Pikante an Fickerts Abwesenheit, ist seine Position als sprichwörtliches Zünglein an der Waage im Stadtrat. Sowohl SPD als auch CDU kommen auf jeweils acht Sitze. Fickert hatte sich nach der Wahl entschlossen, mit der CDU eine Gruppe zu bilden und ist damit rechnerisch der Mehrheitsbeschaffer. Fehlt er, kann die CDU in einer Pattsituation mit der SPD im Rat ihre Interessen nicht durchsetzen. Auch die CDU hätte also durchaus Grund dazu, Fickerts Abwesenheit zu monieren. Doch die Fraktionsvorsitzende Martina Sudhof-Werner zeigt auf spätere Nachfrage unserer Zeitung „vollstes Verständnis“ für Fickert und seine selbstständige berufliche Tätigkeit, die ihn sehr einspanne. Fickert arbeitet als Abrissunternehmer in Bodenwerder.

Dass durch sein Fehlen der Wählerwille ausgehebelt werde, finde sie nicht: „Ich denke, die Wähler kennen Herrn Fickert und wissen, dass er auch viel in den Abendstunden arbeitet.“ Zudem bringe Fickert seine Ideen durch Besprechungen mit der CDU ein, auch wenn er nicht in den öffentlichen Sitzungen selbst anwesend sein könnte. „Es wäre zwar schöner, wenn er dabei wäre“, sagt Sudhof-Werner, „aber was nicht geht, das geht dann eben nicht. Das muss man dann auch akzeptieren“. Statt sich auf die nominelle Mehrheit zu stützen versuche es die CDU dann eben mit Argumenten.

Zudem, fügt Sudhof-Werner an, sei es, auch wenn die CDU/FDP-Gruppe vollständig bei einer Sitzung vertreten ist, nicht unbedingt gegeben, dass man auch die Mehrheit bei einer Abstimmung erreiche. „Das muss dann auch jeder für sich entscheiden, ich halte nichts vom Fraktionszwang.“ Daran, die Zusammenarbeit mit Fickert zu beenden, denke sie nicht.

Mit Blick auf Dornette sagt Sudhof-Werner, dass sie es verblüffend finde, dass er die Thematik in der öffentlichen Sitzung angesprochen habe, man hätte besser den zu diesem Zeitpunkt abwesenden Fickert direkt darauf ansprechend sollen. Persönlich vermute sie, dass die SPD den Verlust der Mehrheit in dieser Wahlperiode nicht verkrafte und setzt nach: „Ich würde mir nicht herausnehmen, über ein SPD-Mitglied so Buch zu führen.“

Und was sagt Fickert selbst zu den Abwesenheits-Vorwürfen? Er erklärt sein Fehlen in diesem Jahr – wie bereits von Sudhof-Werner angesprochen – mit seinen beruflichen Verpflichtungen. Im Unternehmen herrsche derzeit Personalmangel. „Ich musste das ganze Jahr über zwei Leute ersetzen“, sagt Fickert. „Das habe ich mir nicht ausgesucht.“

Daran hingen schließlich Arbeitsplätze und Familien. „Heutzutage ist es als selbstständiger Unternehmer sehr schwer, alles unter einen Deckel zu kriegen“, sagt Fickert. Als einziger FDP-Ratsherr habe er zudem das Problem, dass er alleine dastehe und sich nicht so einfach vertreten lassen könne, wie die Mitglieder der anderen Parteien. Wie Sudhof-Werner mutmaßt er, dass die SPD sich angegriffen fühle, weil sie die Mehrheit verloren habe, und findet: „Aus meiner Sicht ist es sehr traurig festzustellen, dass in Bodenwerder immernoch ein Parteienkampf stattfindet“ und nicht das Wohl der Stadt im Vordergrund stehe. Das sehe man beispielsweise an der Diskussion um das Strandhotel (wir berichteten).



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