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Hundehalter an der Promenade im Visier

Polizei sucht nach falschem Ordnungsamts-Mitarbeiter

BODENWERDER. Er trägt Uniform und kontrolliert Hundehalter an Bodenwerders Promenade. „Ordnungsamt Bodenwerder“ steht auf seiner blauen Jacke oder „Stadt Bodenwerder“, doch ein offizieller Mitarbeiter der Stadt ist „Knöllchen Horst“ nicht. Die Polizei hofft den falschen Ordnungsamtskontrolleurs schnell zu ermitteln.

veröffentlicht am 12.04.2017 um 18:46 Uhr

Das Ordnungsamt hat keine Uniformen, sondern lediglich solche Einsatzjacken. Foto: wfx
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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An seiner dunkelblauen Uniformjacke ist er sofort als Amtsperson zu erkennen: „Stadt Bodenwerder“ ist da deutlich lesbar auf Vorderseite und Rückenteil nachzulesen. Als „Ordnungsamt Bodenwerder“ gibt sich der grimmig dreinschauende Mann zu erkennen, wenn er – zumeist an der Weserpromenade der Münchhausenstadt zwischen den beiden Weserbrücken unterwegs – Hundehalter kontrolliert; dann weist er sie auf den Leinenzwang hin und sieht nach, ob die Hundemarke korrekt am Halsband klimpert und Herrchen auch einen Kotbeutel dabeihat, um eventuelle Hinterlassenschaften des vierbeinigen Lieblings von den Weserwiesen klauben und entsorgen zu können.

Doch auch wenn der Uniformierte von der Erhebung von Strafgeldern für entdeckten Ordnungswidrigkeiten bislang Abstand genommen haben soll, hat der Dienst-Einsatz an Bodenwerders Erholungsmeile einen Fehler: Der „Ordnungsamtsmitarbeiter“ ist ebenso falsch wie der Hauptmann von Köpenick samt seiner Dienstuniform. Thomas Steffe, als Fachbereichsleiter bei der Stadt auch für das Ordnungswesen zuständig, versichert: „Bei uns gibt es gar keine Dienstuniformen für städtische Mitarbeiter. Lediglich bei Notfalleinsätzen gibt es ähnlich wie für die Feuerwehr Wetterschutzjacken und gelbe Warnwesten. Und da steht „Ordnungsamt“ drauf.“ Seine Fantasieuniform müsse sich Bodenwerders „Knöllchen-Horst“ auf anderem Wege selbst zusammengebastelt haben.“

Steffe führt außerdem weiter aus, dass vom städtischen Ordnungsamt zwar hin und wieder unregelmäßig Kontrollen an der Promenade durchgeführt würden. Es gehe aber niemand regelmäßig offiziell gewandet Streife – „das können wir uns personell gar nicht leisten“, so der Ordnungsamts-Fachmann. Wer also künftig von einem dunkelblau uniformierten „Ordnungsamtsmitarbeiter“ in Bodenwerder angesprochen werde, sollte sich erst einmal den offiziellen städtischen Dienstausweis zeigen lassen, rät Steffe.

Für Hunde gilt Leinenzwang an der Promenade Foto: wfx
  • Für Hunde gilt Leinenzwang an der Promenade Foto: wfx

Auch in der Polizeistation Bodenwerder ist der Fall des falschen Ordnungsamtskontrolleurs schon aktenkundig geworden. Dessen Leiter Polizeihauptkommissar Dirk Schwarz spricht von Meldungen, die hier seit vorletzter Woche über die falsche Amtsperson eingegangen sind, und dass man hoffe, den Mann über den Streifendienst ermitteln zu können. Denn hier sähe alles danach aus, dass der Tatbestand der Amtsanmaßung und damit eine Straftat erfüllt sei, so der Leiter der Polizeistation Bodenwerder. Im deutschen Recht ist die Amtsanmaßung so definiert: „Wer unbefugt sich mit der Ausübung eines öffentlichen Amtes befasst oder eine Handlung vornimmt, welche nur Kraft eines öffentlichen Amtes vorgenommen werden darf, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Laut Polizeihauptkommissar Dirk Schwarz sollten sich daher unrechtmäßig Kontrollierte bei der Polizei melden. Und auch Thomas Steffe bietet an, gern seitens der Stadt Hinweise auf dem falschen Ordnungsamtsmann entgegenzunehmen. „Es stört mich doch sehr, dass da einer unbefugt umherläuft, und sich als Ordnungsamtsmitarbeiter ausgibt“, so Steffe.

Information

Die Vorschriften

Wenn die echten städtischen Ordnungshüter auch hoffen, dass das Treiben von Bodenwerders „Knöllchen Horst“ schnellstens beendet wird, so müssen sie dem selbst ernannten Hilfssheriff in Teilen aber sogar recht geben. So müssen Hundemarken von den Tieren als Erkennungszeichen am Halsband getragen werden, auch wenn sie heute durch den implantierten Chip identifizierbar sind. In der Innenstadt und an der Promenade herrscht grundsätzlich Leinenzwang für Hunde. Vor der Stadt, der der freien Landschaft, müssen Hunde zusätzlich währen der Brut- und Setzzeit von Wildtieren in Niedersachsen vom 1. April bis zum 15. Juli an die Leine. Ein Verstoß dagegen kann als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro belegt werden. Kein Hundebesitzer muss bei Spaziergängen mit seinem Tier bei Kontrollen spezielle Kotbeutel vorweisen können. Die Hinterlassenschaften müssen aber aufgehoben und entsorgt werden.

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