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Stadt: Qualität hat abgenommen

Pflastermalen ist gestrichen

BODENWERDER. Wie Sophie Ruppert vom städtischen Organisationsteam jetzt mitteilte, ist der Pflastermal-Wettbewerb abgesagt worden. Zumindest 2017 können die Künstler also ihre Kreide im Kasten lassen. Als Begründung wird in Bodenwerders Rathaus angegeben, dass die Qualität der Malereien mehr und mehr abgenommen habe.

veröffentlicht am 06.04.2017 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

Bei Bodenwerders Pflastermaler-Wettbewerb werden nur Vier-Quadratmeter-Formate bemalt. Foto: Archiv
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Insgesamt 20 mal hat der Pflastermaler-Wettbewerb in Bodenwerders Fußgängerzone stattgefunden. Jeweils um die 20 Künstler zeigten dann immer an einem September-Wochenende ihre Kunst auf vier Quadratmeter großen Spanplatten, die in der Großen Straße auf den Gehwegplatten lagen. Und jeweils am Sonntagabend kürte eine Jury die besten der Kreidebilder. Für den 2. und 3. September war noch Anfang des Jahres der 21. Pflastermaler-Wettbewerb in Bodenwerders guter Stube angekündigt worden. Doch wie Sophie Ruppert vom städtischen Organisationsteam jetzt mitteilte, ist dieses Kunst-Event abgesagt worden. Zumindest 2017 können die Künstler ihre Kreide im Kasten lassen; ihre farbenfrohen Kreationen sind in diesem Jahr nicht mehr als Anlass für ein verkaufsoffenes Wochenende in der Münchhausenstadt gefragt, heißt es.

Als Begründung wird in Bodenwerders Rathaus angegeben, dass die Qualität der unter Zeitdruck geschaffenen Malereien „in den letzten Jahren mehr und mehr abgenommen“ habe und nicht mehr dem entspreche, was heute international in Sachen Straßenmalerei geboten werde. Und das, obwohl man bei den Ausschreibungen zur Beteiligung an Bodenwerders Pflastermaler-Wettbewerb den Straßenmalern in Hinblick auf Fahrtkosten und Übernachtung schon Anreize geboten habe, so Sophie Ruppert. Über das Hobby-Niveau sei man in der Münchhausenstadt zum Schluss aber nicht mehr hinausgekommen. „Hochkaräter des Metiers waren bei den Anschreiben durch die Stadtverwaltung einfach nicht zu kriegen, da sie immer schnell ausgebucht sind“, so Ruppert.

Gebucht für auch finanziell attraktivere Festivals, bei denen es wie beispielsweise in Wilhelmshaven schon mal 500 Euro nur fürs Antreten zum Wettbewerb gäbe, wie Bodenwerders Eventmanagerin erklärt. Und eine solche Anreiseprämie zieht eben hochkarätige Straßenmaler an, die als freiberufliche und freischaffende Künstler – anders als Hobbymaler – von ihrer vergänglichen Pflaster-Kunst leben. Und auf diese Profis der Kreideillusion hat beispielsweise das besagte erst seit 2011 bestehende Internationale StreetArt Festival Wilhelmshaven in wenigen Jahren eine gewaltige Anziehungskraft entwickelt. Jährlich zieht die bereits im August stattfindende Kulturveranstaltung Zehntausende Besucher in die Nordseestadt. Hochkarätigen Künstlern der Straßenmalerszene zeigen hier mit jeweils rund 40 Teilnehmern den Besuchern in den Kategorien Kopisten, freie Künstler und 3D-Künstler, wie vielseitig und abwechslungsreich moderne Straßenmalerei sein kann. Hier werden – ebenfalls an verkaufsoffenen Sonntagen – Illusionen in einer Größe von bis zu 400 Quadratmeter direkt auf das Pflaster gezaubert.

Bei anderen Pflastermaler-Wettbewerben werden bühnenreife 3D-llusionen präsentiert. Foto: dpa
  • Bei anderen Pflastermaler-Wettbewerben werden bühnenreife 3D-llusionen präsentiert. Foto: dpa

Und da Bodenwerder in eben dieser Kampfklasse mit kleinem Geld wohl nicht mehr mithalten kann, hat man den Pflastermaler-Wettbewerb 2017 erst mal ad acta gelegt. „Vielleicht braucht man da erst mal ein paar Jahre Ruhezeit“, wie es Eventmanagerin Ruppert ausdrückt. Und Beratungszeit, in der politisch entschieden werden kann, ob man einen Pflastermaler-Wettbewerb – sei’s nun international oder auch nur lokal – überhaupt noch haben will. Die Resonanz sei im vergangenen Jahr auch schon nicht mehr so groß gewesen, heißt es von offizieller Seite: Weder von den Zuschauern, die ihr Missfallen über die begrenzte Anzahl der Maler und die fußgängerzonen-bedingten Größe der Bilder geäußert haben; noch von den Straßenmalern, die bei der Preisvergabe an der Kompetenz und Unabhängigkeit der Juroren zweifelten. Und Letzteren reichte dann wohl trotz heimeliger Atmosphäre in Bodenwerders Altstadt trotz Hobbyisten-Status auch die Höhe der Preisgelder nicht mehr so recht. Außerdem hätte sich durch den späten September-Termin wohl auch bei Besuchern wie Malern die Begriffe „Pflastermaler-Wettbewerb“ und „Regenwetter“ zu Synonymen entwickeln, so Sophie Ruppert: „Wir sind deshalb zu dem Entschluss gekommen, nach 20 Jahren von dem September-Termin im Veranstaltungskalender Abstand zu nehmen. Vielleicht sollte man da auch mal was anderes machen.“

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