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SPD-Antrag auf Erneuerung angenommen / Empfehlung geht an den Verwaltungsausschuss

Pflaster-Debatte ohne Ende

BODENWERDER. Dass das holperige Pflaster in der Innenstadt für viele Fußgänger und besonders ältere Menschen ein Problem darstellt, ist politisch unumstritten. Soweit schon mal der Konsens. Viel mehr an Konsens konnte aber auf der Sitzung des Bauausschusses nicht erreicht werden, bei der mal wieder das Pflaster als Punkt auf der Tagesordnung stand.

veröffentlicht am 08.03.2018 um 18:05 Uhr
aktualisiert am 08.03.2018 um 19:14 Uhr

Besonders ältere Menschen haben Probleme, auf dem unebenen Pflaster in der Innenstadt zu gehen. Darüber, wie dieser Zustand verbessert werden könnte, wird allerdings schon seit Jahren debattiert. Foto: wfx
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Wie berichtet, hatte die SPD-Fraktion das jahrelange Dauerstreitthema aufgegriffen. In ihrem Antrag sprach sie sich dafür aus, das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt im Bereich des Wochenmarktes zu entfernen. In der Begründung schreibt Fraktionschef Rudolf Hansmann: „Da der Altersdurchschnitt in der Stadt immer mehr nach oben steigt, hat sich die SPD-Fraktion für eine Änderung des Pflasters im Bereich des Wochenmarktes entschieden. Das Kopfsteinpflaster sollte entfernt und durch ein begehbares Pflaster ersetzt werden.“

Seitens der Verwaltung ging Bauamtsleiter Thomas Steffe auf verschiedene Möglichkeiten ein, dem Problem zu einer Lösung zu verhelfen. Er verwies dabei auch auf die 2014 angelegte Probefläche in der Innenstadt. Hier sollte an Versuchsfeldern getestet werden, wie es sich mit der Begehbarkeit verhält wenn die Fugen aufgefüllt werden, und auch, ob das Fugenmaterial den Winter übersteht. Durchsetzen konnte sich diese Lösung in Bodenwerder aber nicht.

Nach einem Probejahr hatten die Christdemokraten das Thema Pflaster-Verfugung erneut auf die Tagesordnung setzen lassen, sie scheiterten aber damals an den Stimmen von SPD und „Zukunft Bodenwerder“. Die Sozialdemokraten stellten die bessere Begehbarkeit durch neue Fugen infrage und wollten das „mittelalterliche Flair“ der Innenstadt nicht zerstören.

Bauamtsleiter Steffe mahnte die Politiker im jüngsten Bauausschuss, die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht zu lassen. An den Probeflächen von 2014 sei nichts auszusetzen und die Verfugung der Marktfläche könnte mit eigenem Personal des Bauhofs kostengünstig selbst hergestellt werden. Das könnte sogar aus den Haushaltsmitteln 2018 finanziert werden; und Steffe ging sogar noch einen Schritt weiter: Mit eigenem Personal könnte das bis zum Frühjahr passieren.

Nach diesem verheißungsvollen Satz schien es für einen kurzen Moment so, als würde ein Ende der Pflaster-Odyssee zum Greifen nahe sein. Auch Uwe Gesterling (CDU) mahnte bereits: Wenn Bodenwerder nicht in Satire-Medien auftauchen wollte „oder den Zusatz Schilda-Stadt tragen, dann sollten wir zu einer Entscheidung kommen“. Parteikollege Alois Halper stellte einen Gegenantrag zu dem der SPD, in dem es darum ging, den Marktbereich entsprechend zu verfugen, statt neu zu pflastern. Zur Abstimmung schaffte es dieser allerdings erst gar nicht.

Zunächst wurde der ursprüngliche Antrag der SPD behandelt, mit besagtem Inhalt das alte Pflaster zu ersetzen. Dieser erhielt bereits eine Mehrheit, weswegen über den CDU-Antrag nicht mehr abgestimmt wurde. Für den Antrag der SPD votierte neben den drei Sozialdemokraten auch Bauausschussmitglied Hauke Fickert (FDP). Die drei Christdemokraten stimmten dagegen. Damit gibt der Bauausschuss nun die Empfehlung an den Verwaltungsausschuss weiter, das Pflaster im Wochenmarktbereich auszutauschen.

Fickert begründete seine Entscheidung wie bereits bei der letzen Abstimmung über das Pflaster im März 2017: Eine Verfugung sei mit ihm nicht zu machen. „Entweder richtig oder gar nicht.“ Für das „richtig“ fehle der Stadt allerdings das Geld.

Dass die Stadtkasse nicht vor Geld übersprudelt, wissen die Politiker durchaus. In diesem Jahr stehen zudem hohe Investitionen für die Neugestaltung der Weserpromenade und die Modernisierung des Wohnmobilstellplatzes im Haushalt. Für die Pflaster-Thematik rechnet die Verwaltung vor: Für die Verfugung des Innenbereichs (300 Quadratmeter Fläche/Fahrgasse Marktplatz) durch eine Fachfirma würden Kosten in Höhe von 19 500 Euro entstehen. Bei einer Verfugung der Gesamtfläche des Marktplatzes (1280 Quadratmeter) wären es 83 200 Euro. Würde der Bauhof diese Leistung erbringen, lägen die Kosten für den Innenbereich bei 12 600 Euro und für den gesamten Marktplatz bei 57 000 Euro. Bei dem von der SPD-Fraktion beantragten Austausch des Sandsteinpflasters gegen ein ebenes Betonpflaster durch eine Fachfirma würde die Herstellung des Innenbereichs 24 000 Euro kosten, die gesamte Marktfläche würde mit 102 400 Euro zu Buche schlagen.

Nach Fickerts Auffassung wäre es auch möglich, den Markt an einem anderen Ort abzuhalten. „Es gibt genug Stellen, wo man ihn hinverschieben könnte.“

Nun liegt der Ball beim nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss.



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