weather-image
23°

Sammelflug in die Rapsblüte nicht ohne Risiko für Bienen / Imker und Landwirte im Gespräch

Pflanzenschutzmittel im Nektar

Weserbergland. Mit der Rapsblüte beginnt für die Bienen die Hauptsaison im Honigsammeln. Doch durch den Einsatz von Pfanzenschutzmitteln können Gefahren drohen.

veröffentlicht am 19.04.2016 um 17:42 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

270_008_7860603_bowe01_2004.jpg
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Weserbergland. Für die Imker im Weserbergland ist sie die unumstrittene Tachtpflanze Nummer 1: Der Raps. In den vergangenen Tagen hat er auf den Feldern mit der Blüte begonnen. Und mit etwas Wärme, die in den kommenden Tagen angekündigt ist, dürften die Felder schon bald in leuchtendem Gelb erstrahlen. Bienen nutzen dann das große Angebot und sammeln fleißig Pollen. Bis zu 100 Kilogramm Honig können die Nutzinsekten von einem Hektar Raps ernten. „Die Biene gilt nach Rind und Schwein als das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier. Dies wird nicht nur an der Honigproduktion gemessen, sondern auch an ihrer Bestäubungsleistung“, weiß , Klaus Scholz, jahrelang Vorsitzender des Imkervereins Bodenwerder- Eschershausen-Stadtoldendorf, zu berichten. Scholz besitzt mit seiner Familie rund 40 Bienenvölker.

Gerade jetzt, so appelliert der Brevörder an die Landwirte, sollten diese Rücksicht auf die Honig sammelnden Insekten nehmen. Und auch der Landvolk-Pressedienst erinnert seine Berufskollegen daran, dass kaum ein Pflanzenschutzmittel im Raps während der Blüte eingesetzt werden kann, obwohl dies eigentlich der Zeitpunkt ist, die Pflanzen vor dem Rapsglanzkäfer und der Kohlschotenmücke oder auch vor Pilzbefall zu schützen. Pflanzenschutzeinsätze im Raps sollten während der Blütezeit außerdem nur nach 19 Uhr stattfinden, wenn der Bienenflug beendet ist.

Auch Imker Scholz versucht derzeit mit Vorträgen, Landwirte für dieses Thema zu sensibilisieren. Und er kann von eigenen Erfahrungen berichten, von Verlust eines eigenen Bienenvolkes, das auf einem Rapsfeld beim Nektarsammeln direkt unter den Sprühnebel geraten war. Scholz, der viel Verständnis für die Landwirte aufbringt („Die stehen unter enormem Arbeits- und Zeitdruck), hofft, das ständiger Austausch zwischen Imkern und Ackerbauern da Schäden verhindern kann. Denn wie der erfahrene Bienevater weiß, ist es zum einen derzeit den Immen trotz beginnender Rapsblüte noch zu kalt zu ausgedehnten Sammelflügen. Zum anderen honigt der Raps vornehmlich bei Westwind mit seiner feucht-warmen Luft. Bei trockenem Ostwind stellt die Ölpflanze ihre Nektarproduktion ein – und wird somit für die Honigsammlerinnen unattraktiv. Auf diese Zusammenhänge zu achten sei auch für Rapsanbauer lukrativ, erklärt Scholz: Bringt doch Bienenbestäubung die beste Rapsbestäubung und damit die optimale Ernte. Die Erträge von Obst, Gemüse und Raps seien zwischen 30 und 90 Prozent geringer, wenn die Bestäubung durch Insekten wegfiele, erklärt Scholz; und er ist sich sicher, dass ein solcher Wissensaustausch die Kooperation zwischen Imkern und Landwirten fördern und Reibungspunkte beseitigen kann. Als ein weiteres Beispiel guter Zusammenarbeit wertet er das Blühstreifen-Programm an Ackerrändern (wir berichteten). Auch davon profitierten Landwirte und Bienen nach Ende der Rapsblüte gleichermaßen.

2 Bilder

Pflanzenschutz im Raps ist schon lange ein Diskussionsthema. Zum einen ist Raps die einzige blühende Feldpflanze in Niedersachsen und deshalb eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen. Zum anderen unterliegen Landwirte bezüglich der Pflanzenschutzmittel immer strengeren Auflagen, die den Rapsanbau langfristig unattraktiv machen könnten. Bereits das Verbot von neonikotinoidhaltigen Beizen im Jahr 2013 hat zum Rückgang des Rapsanbaus in Niedersachsen beigetragen, nach Angaben des Landesbetriebs für Statistik von knapp 139 000 Hektar im Jahr 2013 auf 118 000 im Jahr 2015.

„Wir müssen im Raps noch sorgfältiger arbeiten und jegliche Belastung der Bienen ausschließen. Aber wir brauchen geeignete Pflanzenschutzmittel, um die Pflanzen vor Schädlingen zu schützen“, fordert daher der Landwirt Jürgen Hirschfeld aus Seesen. Der Vorsitzende des Landvolkausschusses Pflanzenbau weist darauf hin, dass der Kreuzblütler aus Fruchtfolgegründen ohnehin nur alle vier bis fünf Jahre auf demselben Feld angebaut werden könne.

Dabei ist die Kulturpflanze Raps sehr vielseitig: Die Blüten sind Bienenweide, aus den Samen wird wertvolles Speiseöl oder Biodiesel gemacht, und was in der Ölmühle übrig bleibt, ist ein wichtiges und gentechnikfreies Rinderfutter. Nach Angaben der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) war Rapsöl mit 78,5 Millionen Litern 2015 wieder das beliebteste Speiseöl der Deutschen, der Ertrag von einem Hektar reicht für etwa 1600 Liter Öl.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?