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Bereits sieben von zehn Grundstücke sind weg

Ottensteins verschenktes Bauland: Erste Häuser stehen schon

OTTENSTEIN. Im Jahre 2015 hatte der Ottensteiner Rat beschlossen, eine Ackerfläche am Bösseberg von 10000 Quadratmetern, die sich im Besitz der Gemeinde befand, als Bauland auszuweisen. Das Gelände wurde in zehn Bauplätze aufgeteilt, die der Flecken Ottenstein höchst medienwirksam als Geschenke anbot. Ein Bebauungsplan ist zwischenzeitlich genehmigt worden, sieben Bauplätze sind mittlerweile belegt.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 27.04.2017 um 17:55 Uhr

Ottensteins in den Medien viel beachtetes Neubaugebiet am Bösseberg: Die Neubauten für zwei Neusiedler stehen schon. Foto: wfx
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Bürgermeister Manfred Weiner: „Bisher betrachtet der Flecken Ottenstein die Aktion als vollen Erfolg. Ohne diese Maßnahme wären wohl kaum sechs bis sieben neue Bauvorhaben in Ottenstein errichtet worden.“

Mit der Meldung, dass es in Ottenstein Bauland für ansiedlungswillige junge Familien mit Kindern und Eltern bis 40 Jahren Bauland gratis geben sollte, hatte Ottenstein im Herbst 2015 in den nationalen und internationalen Medien für Furore gesorgt. Sofort hatten sich knapp 40 Interessenten gemeldet, von denen aber nur die wenigsten die Ottensteiner Kriterien erfüllten. Anfragen kamen sogar aus der Schweiz, Neuseeland und Brasilien. Bei einem Grundstückspreis von knapp 13 Euro pro Quadratmeter kündigte der Flecken immerhin an, jeder Neubürger-Familie rund 10000 Euro zum Willkommens-Geschenk bei Ansiedlung im Ort zu machen.

Der Hintergrund der Aktion: Das 950-Seelen-Dorf auf der Hochebene wollte damit dem Einwohnerschwund entgegenwirken. Nach Bevölkerungsprognosen könnte der Ort auf dem Hochplateau westlich der Weser bis zum Jahr 2035 rund ein Drittel Einwohner verlieren. Und selbst Thorsten Bullerdiek, Sprecher des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, äußerte sich damals überrascht: Vergleichbares habe er von Mitgliedsgemeinden noch nicht gehört „Das ist ein neuer Ansatz“, so Bullerdiek. „Ob das Ganze am Ende wirklich dazu führt, den demografischen Wandel zu stoppen, oder ob es nur ein PR-Gag ist, muss man abwarten“, blieb der NSGB-Sprecher aber auch noch skeptisch.

Bisher betrachtet der Flecken Ottenstein die Aktion als vollen Erfolg.

Manfred Weiner, Bürgermeister von Ottenstein

Doch schon wenige Tage nach ersten Medienberichten über die Aktion hatten sich damals die ersten vier bauwilligen jungen Familien bei der Gemeindeverwaltung gemeldet. Nach jüngsten Meldungen aus der Gemeinde ist die Zahl der Bauwilligen unter 40 Jahren auf fünf gewachsen. Und damit die Grundstücke nicht zum Spekulationsobjekt werden, haben die Beschenkten die Auflage, dass innerhalb von drei Jahren das Grundstück bebaut und bezogen werden muss; sonst geht es wieder zurück an die Gemeinde.

Zwei weitere Bauplätze wurden an Interessenten verkauft, die nicht in das Raster der Bewilligungsberechtigten für den kostenlosen Erwerb gefallen sind. Hier kann der Flecken Ottenstein die beiden Bauplätze mit einem Quadratmeterpreis von 12.78 Euro verkaufen.

Bleiben noch drei freie Plätze. Wie Ottensteins Bürgermeister jetzt bekannt gab, sei die Aktion „Kostenlose Bauplätze“ aber auch noch nicht beendet. Weiner: Der Gemeinderat Ottenstein hat beschlossen, sich die jeweiligen Interessenten genau anzusehen , und über die Vergabe mit einem Gemeinderatsbeschluss zu reagieren.“

Enttäuschen musste die Gemeinde allerdings Hunderte von Menschen aus einigen Balkanländern. Sie hatten zu Hause englischsprachige Artikel über Ottenstein gelesen, in denen fälschlicherweise berichtet wurde, dass es für bauwillige Neubürger 10000 Euro Begrüßungsgeld gebe. Weiner: „Wir haben all diese Nachfragen – bisher sind es rund 600 – beantwortet und höfliche Absagen an die interessierten Menschen geschickt.“

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