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Planungen sollen nach dem Tod von Investor Günter Köhls nicht verworfen werden

Ostufer-Optimismus

BODENWERDER. Zehn Jahre ist es her, da sollte ein Hotelkomplex Bodenwerders Ostufer beleben. Bis heute stehen die Gebäude unfertig da. Die jüngsten Pläne zielen auf chinesische Investoren und seniorengerechtes Wohnen ab. Trotz des Todes von Ostufer-Investor Günter Köhls soll es mit den Plänen für das Areal weitergehen.

veröffentlicht am 15.11.2017 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 15.11.2017 um 19:30 Uhr

Unfertig liegt der ehemals als „Flusshotel & Resort Weserbergland“ geplante Komplex am östlichen Weserufer in Bodenwerder. Foto: wfx
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Zehn Jahre ist es nun schon her, da begann der Traum von einem Touristen-Anziehungspunkt am Ostufer der Münchhausenstadt. Dieser Traum war allerdings auch schnell wieder geplatzt. Seither steht dort statt eines fertigen Hotelkomplexes eine Baubrache. Sie zeugt von nicht realisierten Plänen und gab auch immer Mal wieder Anlass für verschiedene Visionen, die allerdings bisher ebenso wenig sichtbar zur Zukunft des Objekts beigetragen haben. Das mag wohl auch dazu geführt haben, das für den ein oder anderen Bodenwerderaner das Thema Ostufer nur mit wenig Zuversicht belegt ist. Nun ist vor wenigen Wochen auch noch Investor Günter Köhls verstorben, was erst recht zu der Frage führen mag, ob das Ostufer noch eine Zukunft hat.

Erst zu Beginn dieses Jahres hatte sich Köhls gegenüber unserer Zeitung zu chinesischen Investoren geäußert, die Interesse am Ostufer haben sollen. Sind diese Planungen damit hinfällig? Die Investoren „haben nach wie vor starkes Interesse, sich da zu engagieren“, heißt es von Matthias Wiemann, der schon in der Vergangenheit als Köhls Vertreter fungierte. Es sei allerdings noch nichts unterschrieben. „Der Weg scheint gut zu sein, aber er ist noch nicht am Ende“, fasst es Wiemann zusammen. Die Gespräche würden aber weitergeführt.

Es scheint also doch noch Zuversicht für das Ostufer zu geben. Auch von anderer Seite deuten Signale auf eine Zukunft. Wie berichtet, wollte die Rehse-Gruppe, die mehrere Senioreneinrichtungen in der Region betreibt und auch in Bodenwerder keine Unbekannte ist, das ehemals als Hotel geplante Haus zu einer Wohnanlage für ältere Menschen umbauen. „Wir versuchen, auch im Interesse von Herrn Köhls, die Dinge zu realisieren“, sagt Jürgen Rehse, Geschäftsführer der Rehse-Gruppe, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir stehen nach wie vor zu dem, was wir mit Herrn Köhls initiiert haben. Aus unserer Sicht besteht kein Zweifel daran, dass das auch mit allen Beteiligten realisiert werden kann.“

Zwar verdeckt Bewuchs den Blick auf die Baubrache, doch vergessen soll das Objekt am Ostufer noch nicht sein – Pläne für die Zukunft existieren weiter. Foto: wfx
  • Zwar verdeckt Bewuchs den Blick auf die Baubrache, doch vergessen soll das Objekt am Ostufer noch nicht sein – Pläne für die Zukunft existieren weiter. Foto: wfx

Für die Planungen auf dem Ostufer-Gelände signalisiert auch die Stadt weiterhin Unterstützung. „Wir sind sehr traurig, dass Herr Köhls nicht mehr da ist“, bedauert Stadtdirektorin Tanya Warnecke. Sie habe ihn als menschlich großartig und warmherzig wahrgenommen. In Sachen Ostufer ist Warnecke überzeugt, „dass alles so weitergeht, wie Herr Köhls sich das gewünscht hätte und wir werden das unterstützen.“

Information

Ein Rückblick auf die Ostufer-Bebauung

Januar 2007: Das „Flusshotel & Resort Weserbergland“ ist geplant mit 53 Doppelzimmern in einem Hotel und 18 Ferienhäusern mit je sechs Doppelzimmern – insgesamt 322 Betten. Als Eröffnungstermin wird das Frühjahr 2008 angepeilt. 14 Millionen Euro sind für den ersten Bauabschnitt verplant.


Februar 2007: Begleitet von zahlreichen Bürgern und Ehrengästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft feierte das „Flusshotel & Resort Weserbergland“ am Ostufer das Richtfest für die ersten Ferienhäuser der Vier-Sterne-Anlage.


Juni 2007: Die Bauarbeiten für den entstehenden Ferienpark werden gestoppt: Hintergrund ist die Weigerung einer niederländischen Bank, vier Millionen Euro Mehrkosten durch Kredite abzusichern. Knapp 4,5 Millionen Euro – durchweg Eigenkapital – sind bereits verbaut worden. Nach der Erkrankung des einstigen niederländischen Projektpartners ter Huurne, dessen Finanzanteile die Investoren Cox und Köhls übernommen haben, suchen diese neue Partner. Weitere Bautätigkeiten wird es laut Köhls erst mit einem neuen Partner geben. An dem geplanten Eröffnungstermin im März 2008 wird dennoch weiterhin festgehalten.


August 2007: Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Ernst-August Wolf steht nach eigenen Angaben intensiv mit den Investoren in Kontakt. Auch Holzmindens Landrat Walter Waske und Vertreterinnen der Wirtschaftsförderung des Landkreises treffen sich zu Gesprächen mit den Flusshotel-Gesellschaftern.


Mai 2008: Seit fast einem Jahr ruhen die Bauarbeiten, ein Eröffnungstermin im Frühjahr 2008 ist nicht mehr zu halten. Als neuen Termin nennt Köhls Herbst 2009. Es werde nun ein langfristiger Pachtvertrag mit einem Partner aus der Tourismusbranche ins Auge gefasst, so Köhls.


Oktober 2008: Köhls nutzt eine öffentliche Informationsveranstaltung, um ausführlich den aktuellen Stand darzulegen, stellt die Konzeption vor, die auf All-Inclusive-Club-Tourismus setzt.

November 2013: Ein Team des NDR besucht das Ostufer, das sich für die Sendung „Hallo Niedersachsen“ von Investor Günter Köhls den aktuellen Sachstand erläutern ließ. Doch gab es nichts Neues. Zwar tauchten ab und an immer wieder potenzielle Investoren auf, doch klappen wollte nichts so richtig. In der Zwischenzeit stieg die Bereitschaft, das Hoteldorf Bodenwerder nicht mehr komplett, sondern auch in Teilen zu veräußern.


Juni 2015: Nach Jahren des Stillstandes haben die Eigentümer der Hoteldorf Bodenwerder GmbH, der Inhaber der Heyener Penzel-Akademie Prof. Günter Köhls, und die niederländischen Outlet-Betreiber Wim und Jan Cox, zusammen mit dem niederländischen Immobilienwissenschaftler Dr. Jan Sinke, eine Lösung für die Rohbauten am Ostufer gefunden: Der große Hotelbau ist an die Rehse-Gruppe verkauft worden, die Wohn- und Pflegeheime für Senioren betreibt. Diese wollte dort nach weiteren Anbauten ein Heim für betreutes Wohnen einrichten. Die 18 Rohbauten, die im Flußhotel-Komplex eigentlich als Ferienhäuser vermietet werden sollten, wollte die Flusshotel GmbH zu Geschosswohnungen und Einfamilienhäusern ausbauen, die vom bodenwerderschen MM-Immobilien und der Sparkasse Weserbergland vermakelt werden sollten.


Juni 2016: Die Verhandlungen mit den ersten Kaufinteressenten liefen bereits, doch nun machen Umweltsünden aus der Vergangenheit Käufern und Verkäufern erst mal einen Strich durch die Rechnung. Bohrungen in den Untergrund haben ergeben, dass Bereiche des Areals mit Altlasten kontaminiert sind: Beim Abriss der ehemaligen Gebäude der Firmen Reese Gebrüder und Karlbaum sind teerhaltige Materialien im Untergrund verklappt worden. Sie müssten jetzt an den betroffenen Stellen aufwendig bis auf 60 Zentimeter ausgekoffert und als Sondermüll abgefahren werden. Denn während die Altlasten für nur befristet dort wohnende Feriengäste unbedenklich sein sollen, könnten die Stoffe bei ständig dort lebenden Menschen bei Hautkontakt Allergien hervorrufen.


Februar 2017: In der ersten Februarwoche besuchte eine chinesische Delegation Bodenwerder und hatte nach Auskunft von Günter Köhls weitere Pläne im Gepäck: Den möglichen Bau einer 500-Betten-Rehaklinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) an Bodenwerders Ostufer. Konkret ist hier allerdings bis dato noch nichts passiert.

Mein Standpunkt
Maike Lina Schaper
Von Maike Lina Schaper

Die einstige Planung, einen Hotelkomplex in herrlicher Lage an der Weser zu errichten, wäre sicherlich ein Gewinn für die Stadt gewesen, die auch aktiv um Touristen wirbt. Aktuell wirkt die Baubrache dem schönen Bild der Münchhausenstadt allerdings entgegen. Sie symbolisiert Stillstand, Ergebnislosigkeit und das Ende von schönen Plänen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Ostufer eines Tages doch noch erholen und nicht zu einem Vorzeichen eines möglichen Niedergangs Bodenwerders wird.

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