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Ernteausfälle treiben Preise in die Höhe

Nicht gut Kirschen essen

RÜHLER SCHWEIZ/GELLERSEN/WESERBERGLAND. Für Kirschfans bedeutete der späte Frost in diesem Jahr einen herben Rückschlag – vielerorts kam es zu Ernteeinbußen. Im Weserbergland sieht man kaum eine Kirsche an den Bäumen hängen.

veröffentlicht am 28.06.2017 um 14:54 Uhr

Kirschen sind teuer in diesem Sommer. Foto: pixabay CC0

Autor:

Wolf Dewitz und Maike Lina Schaper
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Nach Ernteeinbußen wegen der Kältewelle im Frühjahr rechnen Obstbauern mit höheren Preisen für ihre Früchte. „Der Kirschpreis muss steigen und er wird steigen“, sagte der Vizechef der Bundesfachgruppe Obstbau, Franz-Josef Müller, der Deutschen Presse-Agentur. In Baden-Württemberg – einem der Hauptanbaugebiete für Kirschen in Deutschland – gebe es Einbußen von etwa 80 Prozent im Vergleich zu Vorjahren. Grund: Viele Kirschblüten sind bei Frost im April abgestorben.

Durch das knappere Angebot am Markt seien höhere Preise unvermeidlich, zumal die Obstbauern ihre finanziellen Engpässe zumindest ansatzweise decken müssten, sagte Müller. Der Branchenvertreter geht von einem deutlichen Preisanstieg aus. So könnte ein Kilo Kirschen, das auf Märkten normalweise zwischen 4 und 8 Euro kostet, bald für 6 bis 10 Euro zu haben sein.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ist zwar aufgrund zuletzt gestiegener Importe etwa aus der Türkei der durchschnittliche Kirschpreis für Verbraucher insgesamt – also inklusive Kirschen in Supermärkten oder Discountern – im Juni sogar um 23 Cent auf 5,03 Euro pro Kilo gefallen. „Einen deutlichen Einfluss dürfte die knappe Ernte dagegen auf die bezahlten Preise im Ab-Hof-Verkauf, im Fachgeschäft oder auf dem Wochenmarkt haben, denn in diesen Einkaufsstätten dominiert deutsche Ware normalerweise“, sagte der Agrarexperte Hans-Christoph Behr.

Soll heißen: In Supermärkten und Discountern dürften sich die heimischen Ernteeinbußen kaum bemerkbar machen, weil dort ohnehin nur oder großteils importierte Früchte bereitliegen. Die Einfuhren waren 2016 laut AMI „sprunghaft“ gestiegen, auch 2017 könnte sich der Anstieg der Einfuhren fortsetzen.

Bauernvertreter Müller machen die Ernteeinbußen doppelt Sorgen. Zum einen, weil die Lage für viele Obstbauern ohnehin angespannt sei. Zum anderen, weil heimische Landwirte dieses Jahr Marktanteile an ausländische Konkurrenten verlieren könnten. Wenn Handelspartner erstmal umgesattelt und andere Bezugsquellen erschlossen hätten, sei die Rückgewinnung von Marktanteilen schwierig, so Müller.

Neben Baden-Württemberg gibt es noch in anderen deutschen Bundesländern Kirschernten im großen Stil. In Rheinland-Pfalz sehe es ähnlich schlecht aus wie in Baden-Württemberg, sagte Müller. Auch in Bayern – also in der Region Lindau und in Franken – verzeichne man starke Einbußen.

Ein Blick ins heimische Weserbergland fällt auch hier auf fast leere Kirschbäume. „Es sieht schlecht aus. Die paar, die draufsitzen, holen die Vögel“, sagt Landsommer-Gästeführerin Magdalena Danger aus Gellersen. Zahlreiche Kirschbäume verwandeln das Kirschendorf regelmäßig im Frühjahr in ein weißes Blütenmeer. So auch in diesem Jahr – bis der Frost kam. Ein paar Kilometer weiter in Golmbach sieht es nicht besser aus. „In diesem Jahr gibt es keine Kirschen – ein Totalausfall“, sagt Heide Sander, Chefin des Obsthofes Sander. In der Kirschen-Hochburg Rühler Schweiz fällt die für Anfang Juli geplante Führung mit der Kirschexpertin Dr. Annette Braun-Lüllemann aus – weil die Kirschblüten erfroren sind.

Insgesamt dürfte sich laut einer Umfrage der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft unter deutschen Erzeugerorganisationen die Kirsch-Erntemenge in diesem Jahr etwa halbieren. 2016 lag die Ernte in Deutschland bei etwa 45 000 Tonnen, davon zwei Drittel Süß- und ein Drittel Sauerkirschen. Zirka gleich hoch lag die Menge der Kirsch-Importe.

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