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Bei Firma Petri in Glesse wird nun doch eine Vorkläranlage gebaut / Wasserverband: Das war so geplant

Neuer Abwasserkanal ein Millionengrab?

Glesse. Christian Meyer, MdL aus Holzminden und Niedersachsens grüner Landwirtschaftsminister, spricht die Meinung seines Holzmindener Kreisverbandes offen aus: Nachdem die Firma Petri in Glesse derzeit eine eigene Anlage zur Vorklärung ihrer stetig gestiegenen, stark belasteten Abwässer errichte, werde der unlängst teuer gebaute Abwasserkanal zwischen den Klärwerken Brevörde und Holzminden „ein Schildbürgerstreich. Das macht die millionenteure Abwassertransportleitung nach Holzminden komplett überflüssig“, so Meyer.

veröffentlicht am 26.11.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Am 26. November 2013 war der neue Abwasserkanal nach heftigen Auseinandersetzungen in der Planungs- und Bauphase in Betrieb genommen worden. Mit der 13,3 Kilometer langen Leitung vom Pumpwerk Brevörde zur Annahmestelle in Holzminden wird Abwasser aus der Alt-Samtgemeinde Polle, aus Glesse und Ottenstein entsorgt. Die Kanalerweiterung war notwendig geworden, da der Frischkäsehersteller Petri in Glesse bei ständig steigenden Produktionsmengen immer mehr hoch belastetes Abwasser an das Klärwerk Brevörde abgibt. Der vorgesehene Kostenrahmen von 2,9 Millionen Euro wurde trotz Verzögerungen durch den langen Winter, Hochwasser und Prozesse bis auf 60 000 Euro eingehalten. Das Geld stammt vom Wasserverband Ithbörde/Weserbergland, der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle, dem Flecken Ottenstein, dem Land Niedersachsen, dem Landkreis Holzminden und der Firma Petri. Da letztere ein Hauptnutznießer der neuen Abwasserleitung ist, hält sich der Vorwurf einer verdeckten Wirtschaftsförderung zugunsten von Petri zulasten der Privatkunden.

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte deshalb immer gefordert, dass die Firma Petri an ihrem Betrieb ein Vorklärwerk bauen sollte, damit ihr vorgereinigtes Abwasser auch weiterhin in Brevörde geklärt werden könnte und eine Weiterleitung von Mehrmengen nach Holzminden überflüssig würde.

Nachdem der Flecken Ottenstein jetzt eine Änderung des Flächennutzungsplanes vorgenommen und Petri für eine solche Anlage eine Genehmigung beim Landkreis Holzminden erwirkt hat, wird derzeit das Bauvorhaben umgesetzt – und die Grünen sehen sich bestätigt: In Zukunft könnte der Starkverschmutzerzuschlag für die Firma Petri wegfallen und das vorgeklärte Abwasser in der Kläranlage Brevörde vollständig behandelt werden. Das Landgericht Hildesheim hatte 2011 entschieden, dass die Starkverschmutzergebühren der Firma Petri zur Entlastung der Gebührenzahler da sind. Wenn nun die Einnahmen der Starkverschmutzergebühren wegbreche, falle die gesamte Kostenkalkulation des Wasserverbandes für die Abwassertransportleitung in sich zusammen, so argumentiert der grüne Kreisverband. Alexander Titze, Kreisgeschäftsführer der Grünen, sagt: „Es werden wohl die Gebührenzahler sein, die in Zukunft zur Finanzierung herangezogen werden. Wir haben immer auf diese Gefahr hingewiesen.“ Das damalige Festhalten des Wasserverbandes an der Abwassertransportleitung von Brevörde nach Holzminden – trotz massiver Kostensteigerungen sowie der Proteste von Gebührenzahlern und Bürgern – könne man nun mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehen.

Für Andreas Hübel, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserverbandes, stellt sich indes die derzeitige Situation anders dar: Bereits vor Inbetriebnahme des neuen Kanals sei mit der Firma Petri vereinbart worden, dass, falls die produktionsbedingten Abwässer eine festgelegte Menge überschreiten, der Frischkäse-Hersteller zum Bau einer eigenen Vorklärung verpflichtet ist. Durch ständige Expansion der Petri-Produktionsmengen sei das jetzt der Fall, so Hübel. Der Frischkäse-Hersteller darf deshalb derzeit auch nicht mehr alle seine anfallenden Produktionsabwässer in den Kanal ableiten. Momentan wird ein Teil der Produktionsabwässer täglich per Tankwagen auf umliegende nicht so stark beanspruchte Klärwerke abgefahren.

Von einem „Schildbürgerstreich“ könne also keine Rede sein, so der stellvertretende Wasserverbandsvorsitzende, zumal der neue Kanal auch kommunale Abwässer aufnehme. Die vertraglich vereinbarte Baumaßnahme bei Petri sei vielmehr umgehend erforderlich, weil die Klärwerke in Brevörde und Holzminden in ihrer Klärkapazität „bei diesen Mengen von Abwässern mit extrem hohem Sauerstoffbedarf in ihrem biologischen System stark behindert würden“, erklärt Hübel – und dass man beim bisherigen Konzept der Abwasserentsorgung „eben auch nicht mit einkalkuliert habe, dass sich die Firma innerhalb kürzester Zeit so entwickeln wird“.



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