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Neue Medien ziehen in den Kindergarten ein

Bodenwerder (ul). Sie sprechen von digitalen Einwanderern und von digitalen Eingeborenen. Medienpädagogin Sabine Eder bezeichnet die Generation der Erwachsenen, die sich Schritt für Schritt mit elektronischen Medien anfreunden und ihre Ängste vor dem Unbekannten abbauen müssen, als so genannte digital-imigrants. Kinder und junge Erwachsene hingegen wachsen in die Welt der Computer, Handys, Digitalfotos und Klingeltöne hinein. Für sie ist der Umgang mit diesen Geräten angstfrei und natürlich. Sie werden deshalb von Medienpädagogen als digital-natives oder Eingeborene) bezeichnet.

veröffentlicht am 08.10.2009 um 13:50 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 01:41 Uhr

kiga
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Bodenwerder (ul). Sie sprechen von digitalen Einwanderern und von digitalen Eingeborenen. Medienpädagogin Sabine Eder bezeichnet die Generation der Erwachsenen, die sich Schritt für Schritt mit elektronischen Medien anfreunden und ihre Ängste vor dem Unbekannten abbauen müssen, als so genannte digital-imigrants. Kinder und junge Erwachsene hingegen wachsen in die Welt der Computer, Handys, Digitalfotos und Klingeltöne hinein. Für sie ist der Umgang mit diesen Geräten angstfrei und natürlich. Sie werden deshalb von Medienpädagogen als digital-natives oder Eingeborene) bezeichnet.
 Um Brücken zu schlagen zwischen diesen beiden Generationen und kritisch mithalten zu können in der medialen Erziehung von Kindern, gibt es jetzt im städtischen Kindergarten Ahornweg eine Medienqualifizierung für elf Erzieherinnen.
 Der Verein Blickwechsel aus Göttingen hat sich auf die medienpädagogische Arbeit in Kindergärten, Schulen und Elternhäusern über die Region hinaus auch in Hamburg und Bremen spezialisiert. „Viele Erzieherinnen haben zuhause noch keinen Computer, sie wissen nicht, wie leicht sich Fotos vom Chip auf den Computer speichern lassen und trauen sich auch keine Bildbearbeitung zu. Sie wollen nicht ständig um Hilfe bitten, wissen nicht, wie sie Dateien ordnen und Tabellen beispielsweise für den Essensplan erstellen können“, sagt Sabine Eder. Sie ist die Vorsitzende des Göttinger Vereins Blickwechsel. 
 Auch Marie-Luise Lages, die zwar bereits zwei Computer im Kindergartenbüro bedient, ist als Leiterin der Städtischen Kindergartens gespannt, was sie und ihre Kolleginnen von den Medienexperten Andreas Kudicke und Sabine Eder alles lernen werde. Ausgestattet mit einem Laptop für jeden Teilnehmer, haben sich die Medienpädagogen zum Ziel gesetzt, anhand der digitalen Erstellung der Lerndokumentation für jedes Kindergartenkind, den Erzieherinnen Geschmack zu machen beispielsweise auf digitale Bildbearbeitung in der pädagogischen Arbeit mit Vorschulkindern.
 So können Obstfotos mit Folie überzogen als Memory-Spiel dienen, es können Bildreihen der Kinderhände erstellt werden, auch Verfremdungen ihrer Gesichter mit Grafikprogrammen werden vorgestellt. Bezug genommen wird bei der Fortbildung stets auf die Fragen „Was sollen Kinder heute lernen?“ und „Wie haben sich die Familienbeziehungen mit den neuen Medien geändert?“ Um die Bildungschance ab dem Kindergartenalter zu sichern, gehört die Medienpädagogik in der Informations- und Wissensgesellschaft bereits in den Elementarbereich des Unterrichts.
 Damit die Erzieherinnen künftig auch Gefallen an der Dokumentation finden, lernen sie zudem die neuen Perspektiven, Bildgestaltung, das Erstellen von Bildergeschichten, bis hin zu Lernprogrammen für Vorschulkinder wie Buchstabenschreiben mit Wortwiedergabe per Ton.
 Damit sie das Gelernte künftig auch spielerisch umsetzen können, dürfen sie selbst ihre Werkzeuge erproben und sollen das Gelernte so dokumentieren, dass sie es auch in zwei Monaten noch abrufen und wiederfinden können.
 Denn Mitte Dezember kommen die Medienpädagogen aus Göttingen erneut für zwei Tage in den Ahornweg. Dann wird das Gelernte mit weiteren tiefergehendem Wissen ergänzt.
 Dann wird gezeigt, wie die Erzieher ihre Daten sichern und vom Stick auf den Computer übertragen und umgekehrt. Der Verein erhofft sich mit diesem Konzept eine Nachhaltigkeit des Erlernten bei den Erzieherinnen erwirken zu können.
 Marie Lages beschreibt es so: „Früher haben wir im Herbst Kastanien gesammelt und Figuren gebastelt, die als Schmuck in den Familien dienten. Das reicht heute nicht mehr aus. Wir müssen dokumentieren, was und wie die Kinder lernen, wir müssen Eltern und Kindern die Tricks der neuen Medien beibringen und sie auch gleichzeitig vor einem Überangebot von Fernsehkonsum und schlechten Medien schützen.“
 Die Sockelfinanzierung für diese Medienarbeit übernimmt übrigens die Niedersächsische Landesmedienanstalt mit Sitz in Hannover. 100 Euro pro Teilnehmer und Tag trägt die Stadt Bodenwerder als Kofinanzierer dazu bei.
 Auch andere Kindergärten, Schulen oder Vereine können sich an den Göttinger Verein wenden, wenn sie die Medienarbeit in der Jugendarbeit ausbauen wollen, dazu bietet der Verein auch kostenlose Kurse an, die die Landesmedienanstalt finanziert.

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