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Händels Oratorium „Der Messias“ in der Klosterkirche St. Marien

Musikalische Glanzleistung

BODENWERDER. Es wäre müßig, auf Händels 1742 in Dublin uraufgeführtes Oratorium „Der Messias“ näher einzugehen. In den örtlichen Zeitungen sprach man seinerzeit vom „vollkommensten musikalischen Werk“, äußerte „höchstes Entzücken“. Dem ist auch heute nichts hinzuzufügen.

veröffentlicht am 23.10.2017 um 17:04 Uhr

Die Aufführung „Der Messias“ in der Klosterkirche St. Marien zu Kemnade wurde zu einem musikalischen Hochgenuss. Foto: wfx

Autor:

E. W. Holländer
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Dieses Oratorium aufzuführen, ist allerdings nicht so einfach. Und so muss man den Mut der rührigen Kantorin Christiane Klein in Bodenwerder bewundern, sich dieser Aufgabe zu stellen. Mit ihren Chören, der Kantorei und der Jugendkantorei Bodenwerder sowie dem „Messias“-Projektchor, hat sie lange und intensiv geprobt, hinzu kam später das Orchester, das „Ensemble Antico“, das bekanntlich auf historischen Instrumenten spielt.

Vier hochkarätige, hier bekannte Vokalsolisten gaben dem Aufführungs-Apparat weiterhin Glanz. All dieser Aufwand, die vielen Mühen, der darin steckende Idealismus führten nun zu einer einzigen Aufführung in der Klos-terkirche St. Marien zu Kemnade. Schade, hätte man dieses Erlebnis nicht auch in Hameln oder an weiteren Orten bieten können? Es wurde eine Sternstunde. Statt des englischen Original-Textes wählte man die vertraute deutsche Übersetzung von Christoph Daniel Ebeling. Was wäre ein „Messias“ ohne einen leistungsfähigen Chor? Hier gibt es nicht weniger als 21 Chorsätze, darunter auch ein fünfstimmiger Satz, einige echt volkstümliche Stücke, vor allem den wahrhaft überwältigenden Schluss. All diese mehr oder minder langen Sätze wurden mit hoher Sicherheit der Intonation, mit präziser Stimmführung in den oft halsbrecherischen Koloraturen-Ketten und mit durchweg guter Textverständlichkeit gesungen: insgesamt eine Glanzleistung!

Das Orchester hat überwiegend Begleitfunktion, aber auch dankbare Aufgaben in dem weihnachtlichen Pastorale, der „Pifa“, und in vielen herausklingenden solistischen Einsätzen. Christiane Klein, die Leiterin, hat eine eher unscheinbare Art, sich einzusetzen. Wer sie kennt, der weiß, wie sie mit sparsamen, aber deutlichen Gesten (in guter Tradition ohne Taktstock) und getragen von spürbarer Inspiration in der Musik aufgeht. Hervorragend besetzt waren die Vokalpartien.

Die Sopranistin Hanna Zumsande war bei uns häufig zu Gast, hier bewunderten wir ihre leuchtende Stimme vor allem in den großen Ohrwürrnern „Er weidet seine Herde“ oder „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“. Auch der Tenor Lothar Blum hat hier ein „Heimspiel“, wir denken an die Gestaltung der großen Szenen Tod und Auferstehung, aber auch an die stimmlichen Anforderungen in den koloraturenreichen Arien. Raimonds Spogis gibt die Basspartien mit warmer, modulationsfähiger Stimme bei hervorragender Textbehandlung, sehr schön die festliche Arie „Sie schallt, die Posaun“ mit virtuoser Trompeten-Assistenz.

Eine Einzelheit ist herauszustellen: Wie die Altistin Nicole Dellabona die Arie „Er ward verschmähet“ gestaltete, wie sie mit stimmlicher Qualität, in der Wiederholung variationenreich, auch mit sichtbarer Mimik den „Mann der Schmerzen und umgeben mit Qual“ zeichnete, das war der bewegende Höhepunkt.

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