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Münchhausen ist mit seinem Gesicht verbunden

Von Edda Dreyer

Bodenwerder. Im Kartoffellagerraum des damaligen Coop-Geschäftes von Werner Müller in Bodenwerder begann die Karriere von Adolf Hahn als Baron – das war vor fast genau 30 Jahren. Werner Müller war Vorsitzender des Männergesangsvereins von 1871 und wollte zum Sonnenschirmmarkt unbedingt die Figur des Baron von Münchhausen wieder aufleben lassen, denn rund zehn Jahre verkörperte niemand den berühmtesten Sohn der Stadt Bodenwerder.

veröffentlicht am 04.09.2009 um 15:24 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

baron
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Von Edda Dreyer

Bodenwerder. Im Kartoffellagerraum des damaligen Coop-Geschäftes von Werner Müller in Bodenwerder begann die Karriere von Adolf Hahn als Baron – das war vor fast genau 30 Jahren. Werner Müller war Vorsitzender des Männergesangsvereins von 1871 und wollte zum Sonnenschirmmarkt unbedingt die Figur des Baron von Münchhausen wieder aufleben lassen, denn rund zehn Jahre verkörperte niemand den berühmtesten Sohn der Stadt Bodenwerder.
 „Also übte ich das Münchhausenlied zwischen den Kartoffeln und schlüpfte erstmals für den Sonnenschirmmarkt 1979 in das Kostüm“, erinnert sich Adolf Hahn noch genau. Ja, und von dem Tag an verkörpert der heute 68-Jährige den Baron von Münchhausen mit Leib und Seele.
 „Ein Profi könnte es nicht besser“, betonte gestern Samtgemeindebürgermeister Ernst-August Wolf im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus und dankte Adolf Hahn herzlich für die würdige und großartige Präsentation des Münchhausen-Landes. Blumen gab es für Ehefrau Margot; denn schließlich hat die Familie in den drei Jahrzehnten sehr häufig auf den Ehemann, Vater und inzwischen Großvater verzichten müssen. „Die Figur Münchhausen ist immer mit ihrem Gesicht verbunden“, so Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt. Auf seinen Vorschlag, Adolf Hahn möge doch alle seine Erlebnisse als Baron aufschreiben, antwortete dieser schmunzelnd: „Habe ja keine Zeit, bin immer unterwegs.“ Und unterwegs war er ja nun wirklich als repräsentierender Baron von Münchhausen. Von Japan- und Russlandreisen erzählte er in der geselligen Runde, zu der auch Dieter und Anneliese Hoffmann vom Motorsportclub Bodenwerder als Gratulanten gehörten.
 Mit Dagmar Berghoff, sie war 1998 für Dreharbeiten zum „Wunderschönen Norden“ in Bodenwerder, tauscht Adolf Hahn noch heute Geburtstagswünsche aus. Unzählige Prominente hat er kennengelernt und dabei auch keine Scheu, das „Du“ zu erwidern, wie beim damaligen Ministerpräsident Gerhard Schröder. „Er hat mich gedutzt und das habe ich dann auch getan.“ Wolf erinnerte sich ebenfalls noch gut an diese Begegnung im Grohnder Park.
 „Alle Erlebnisse kann ich nicht erzählen, dann würden wir morgen noch hier sitzen“, lächelt der Baron in Zivil, gibt aber dann doch eine Anekdote zum Besten. Im Juli 1990 war er wieder einmal in Japan, im Märchenpark auf der Insel Hokkaido. Detailgetreu ist dort die Märchenstraße von Bremen bis Kassel nachgebaut. Unter anderem auch ein Backhaus aus Deutschland. „Jeden Tag habe ich im Unterhemd diesen Backofen angeheizt, weil der dortige Bäcker das nicht konnte“, erläuterte Hahn, dass er ja schließlich aus einer Bäckerfamilie stamme. Glühte der Ofen, schlüpfte er in die Uniform, die bei Temperaturen weit über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von hundert Prozent nie richtig trocken geworden ist.
 Alte Fotos zeigen Adolf Hahn als Baron noch mit einem dicken schwarzen Schnauzbart. „1984 habe ich beschlossen, mir selbst einen Bart wachsen zu lassen“, erzählt er von den Schwierigkeiten und auch Schmerzen – wieder in Japan – drei Mal täglich den Bart an und ab zu machen.
 „Ich war gerade zwei Jahre als du angefangen hast“, erzählte Björn Meyer von der Samtgemeinde, zuständig für Tourismus. Er lobte die akribische Arbeitsweise des Barons und erzählte von gemeinsamen Erlebnissen, wie der Besuch der 350 Mexikaner 2006 anlässlich der Weltmeisterschaft in Bodenwerder, an Oldtimer-Fahrten und italienische Fernsehsender hier vor Ort. Der Samtgemeindebürgermeister erinnerte an die Einweihung der Bronzefigur aus Moska 2008 im Rathauspark, bei der der Baron mit seinen russischen Sprach- und Gesangkünsten nicht nur die Delegation aus Russland beeindruckt hatte.
 Mit dem Inhalt der Präsentkörbe – einen hatte die DLRG-Ortsgruppe Bodenwerder bereits überreicht – werde er den 300. Geburtstag wohl noch schaffen, liebäugelte der 289-jährige Baron. Denn wenn auch schon „einige Kratzer im Lack sind“ – wenn er die Uniform an hat, würde er alle Zipperlein vergessen und voll und ganz in die Rolle des Baron von Münchhausen schlüpfen.

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