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„Moby Dick“ misst Fließgeschwindigkeit des Weserwassers vor Bodenwerder für mögliche Schiffmühle

Moderne Technik soll Tradition aufleben lassen

Bodenwerder (saw). Wie schnell fließt die Weser in Höhe des Mühlentor-Parkplatzes? Die Antwort auf diese Frage interessiert den Verein Moby Dick mit seinem Vorsitzenden Armin W. Engeler.

veröffentlicht am 21.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

Das Foto im Münchhausen-Museum zeigt eine Schiffmühle.
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„Wir planen, in Zusammenarbeit mit der Jugendwerkstatt Holzminden eine traditionelle, von der Weserströmung betriebene Schiffmühle zu bauen, sie im Uferbereich festzumachen und dort Strom zu erzeugen“, erläutert Engeler. Für die wissenschaftliche Begleitung dieses Projektes hat er die Fachhochschule Höxter gewinnen können. Mit Motorboot und allerlei Geräten ausgestattet waren kürzlich Professor Klaas Rathke vom Fachbereich Umweltingenieurwesen, der Student Jörg-Arwed Jahrmann und sein Sohn Lukas als Bootsführer in die Münchhausenstadt gekommen, um die Messungen vorzunehmen.

„Wie viel Strom eine Schiffmühle erzeugen kann, hängt von der Fließgeschwindigkeit des Wassers ab“, erklärt der angehende Umweltingenieur Jörg-Arwed Jahrmann. Die an diesem Vormittag ermittelten Daten des sogenannten Geschwindigkeitsprofils sind Basis für die weiteren Berechnungen und speziell für die Überlegung, welche technische Variante die größtmögliche Wirtschaftlichkeit verspricht.

„Ob ein Wasserrad, zwei Räder oder ein mittig im Rumpf angebrachter Propeller – es gibt mehrere Konstruktionsmöglichkeiten“, führt Prof. Rathke aus. Ende des Semesters soll die Projektarbeit dem Energieunternehmen e.on Westfalen-Weser als möglichem Projektsponsor vorgestellt werden.

Von der Slipanlage der DLRG Bodenwerder aus fährt das Team per Motorboot flussaufwärts, um am gegenüberliegenden Ufer zunächst an einer unmittelbar am Wasser wachsenden Weide ein Messband anzubringen. An sechs unterschiedlich weit vom Ufer entfernten Punkten hält der Student ein Geschwindigkeitsmessgerät etwa 20 Zentimeter tief ins Wasser. Jahrmann: „Es dauert etwa eine Minute, bis der Wert ermittelt ist und auf einem Display sichtbar wird.“ Auf Zuruf notiert Armin W. Engeler die Angaben in einer Tabelle. Dass die exakte Ermittlung der Fließgeschwindigkeit so lange dauert, stellt vor allem Bootsführer Lukas Rathke vor große Herausforderungen.

„Es ist nicht gerade leicht, das Boot eine Minute lang in der gleichen Position zu halten“, erklärt er. Während am Ufer das Wasser etwa 1,2 Meter pro Sekunde fließt, beträgt die Geschwindigkeit in der Flussmitte gut 1,6 Meter pro Sekunde. „Das sind etwa 5,8 Kilometer pro Stunde – ein ganz ordentliches Tempo“, kommentiert Jahrmann.

„Vor Bodenwerder hat es zwei Mühlen gegeben“

Wie Armin W. Engeler an Land erzählt, hat es in Bodenwerder wohl zwei Schiffmühlen gegeben: „Eine Getreidemühle und eine Schleifmühle, auf der Wesersandstein aus den Steinbrüchen rund um Bodenwerder mittels Wasserkraft geschliffen wurde.“ Mit dem Nachbau wolle Moby Dick an eine längst untergegangene Tradition erinnern.

„Als sich Anfang des 19. Jahrhunderts die Dampfschiffe auch auf der Weser durchsetzten, waren die Schiffmühlen zunehmend im Weg“, so Engeler. Einem Hinweis auf der Internetseite des Vereins Schiffmühle Minden nach soll die schwimmende Schleifmühle in Bodenwerder 1907 als vermutlich letzte ihrer Art auf der Weser den Betrieb eingestellt haben.

Auch im Münchhausen-Museum erinnert ein Foto an die Existenz der Schiffmühle in Bodenwerder. Sie wurde von zwei Rädern getrieben und lag vor der früheren Schiffswerft Oberweser – also etwa dort, wo der Verein Moby Dick ein Jahrhundert später eine Nachfolger-Mühle festmachen möchte.

Mess-Einsatz auf der Flussmitte: Prof. Klaas Rathke (rechts) behält den Abstand zum Ufer im Auge, während Jörg-Arwed Jahrmann mit einem Sensor die Fließgeschwindigkeit der Weser misst. Armin W. Engeler (links) trägt die Werte in eine Tabelle ein.Fotos: saw



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