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Bismarckturm auf dem Eckberg feiert 100. Geburtstag / Stadt Bodenwerder hat Fest geplant

Mit herrlichem Ausblick auf das Wesertal

Bodenwerder. Bei Einbruch der Dämmerung wird er orange angestrahlt und zeigt seine Silhouette weithin sichtbar. Den Wanderer führt ein schmaler steiler Weg in engen Serpentinen auf die 205 Meter hohe Eckbergspitze zum Bismarckturm. Er feiert am 21. September 2013 seinen einhundertsten Geburtstag, zusammen mit fünf weiteren Bismarcktürmen in Deutschland.

veröffentlicht am 30.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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Der Turm ist einer der vielen Wahrzeichen auf Bergspitzen, die dem Altkanzler und Gründer des Deutschen Reiches Otto von Bismarck (1815-1898) gewidmet wurden. Tausende von Besuchern haben im Laufe der Jahre den herrlichen Ausblick bis weit ins Wesertal hinein genossen, der sich bei klarem Wetter bietet.

Zwischen 1869 und 1934 wurden 240 Türme zu Ehren Bismarcks errichtet, um damit den „Eisernen Kanzler“ für seine Verdienste zu ehren. Große Teile der deutschen Studentenschaft gehörten zu seinen Anhängern. Sie riefen nach seinem Tod zur Errichtung von Bismarcktürmen an möglichst vielen Orten auf. Alle sollten in gleicher schlichter Form aus dauerhaftem, möglichst ortsgebundenem Material errichtet werden. Im Vergleich zu anderen Türmen wurden die Bismarcktürme meistens durch Spendensammlungen finanziert. Sie wurden auf Bergkuppen errichtet, damit sie weithin sichtbar waren. Fast jeder Turm hatte eine Feuervorrichtung, die an Bismarcks Geburtstag, dem 1. April, und am 21. Juni zur Sonnenwendfeier entzündet wurde und deren lodernde Flammen weithin durch die Nacht sichtbar sein sollten.

Die Chronisten Ludwig Bode, Theodor Reitemeyer und Helga Görsmann haben über die Umstände der Entstehung berichtet. Nachdem die Bodenwerderaner 1863 die Königszinne errichtet hatten, wollte Linse dem nicht nachstehen und plante den Bau des Bismarckturmes. Das Land auf dem Eckberg gehörte dem Staat, und an die Abtretung des Geländes waren Bedingungen geknüpft. So musste die Gemeinde Linse die Haftung für alle Unfälle übernehmen und Gefahrenstellen besonders absichern. Auch die Pflege des Turmes gehörte dazu. Sollte dieser zerfallen, fiele das Land an den Fiskus zurück.

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Ein Komitee aus Bürgern aus Bodenwerder, Kemnade und Linse unter dem Vorsitz von Bürgermeister Bauers aus Bodenwerder kümmerte sich um die Vorarbeiten und die Beschaffung von Geldmitteln und Baumaterialien.

Doch dann kam überraschend ein Einwand des Ausschusses für Denkmalpflege im Herzogtum Braunschweig. Darin wurde darum gebeten, von der Errichtung eines Turmes Abstand zu nehmen, da „die zarten Linien unserer norddeutschen Heimat die scharf umrissene Silhouette eines Turmes nicht vertragen.“ Ein altarartiger Aufbau sei besser, auf dem die Sonnenwendfeuer abgebrannt werden könnten und an dem sich auch ein Erinnerungszeichen an Bismarck anbringen ließe.

Der Turm wurde trotz des Einwandes gebaut. Die Baukosten von 5628 Mark waren kurz vor dem Ersten Weltkrieg nicht so einfach zu beschaffen. Aus dem Stadtsäckel war nicht so viel zu erwarten, und ein Spendenaufruf hatte auch wenig Erfolg. Eine Lotterie und die großzügige Spende des Deutsch-Amerikaners Theodor Büttner, sowie die Materialspende des Bauunternehmers Albert Lüders aus Linse brachten schließlich die benötigte Summe zusammen.

Nach den Plänen des Architekten Christian Füg aus Elberfeld errichtete Bauunternehmer Bertram aus Halle den dreizehn Meter hohen Turm aus dem Eckberg-Sandstein, der von Landwirten mit Fuhrwerken kostenlos angeliefert wurde. Am 21. September 1913 konnte der Turm feierlich eingeweiht werden. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden im Sommer jeden Sonntag dort von der Gastwirtschaft „Zum Eckberg“ Brause, Bier und heiße Würstchen angeboten.

Die Front des Turmes ziert ein Bismarckrelief, das vom Bildhauer Wilhelm Sagebiel aus Braunschweig geschaffen wurde. Über dem Eingang befindet sich eine Sandsteinplatte mit der Inschrift: „Bismarck, dem Schöpfer des Deutschen Reiches 1913“. Wer den Ausblick von der oberen Plattform, auf der später eine eiserne Feuerschale installiert wurde, genießen möchte, muss erst die 58 Stufen im Inneren erklimmen. Das Feuer in der Feuerschale lodert zwar nicht mehr, aber mit dem angestrahlten Turm schaut auch heute noch Bismarcks Andenken auf die Stadt hinab.

Familie Riha genießt die Aussicht.

Vom Bismarckturm aus bietet sich ein weit reichender Blick auf das Tal der Weser und die umliegenden Berge. kb

Schon bald nach seinem Bau wurde der Bismarckturm als Postkartenmotiv entdeckt. Hier eine Karte von 1920.



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