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Floß „Emssaga VI“ macht Halt in der Münchhausenstadt

Mit Banjomusik nach Bodenwerder

BODENWERDER. Mit einer Länge von 25 Metern und einer Breite von 4,5 Metern ist das hölzerne Gefährt, das stolze 35 Tonnen Wasser verdängt, ein kapitaler Brocken, der da Donnerstagnachmittag am Weserufer hinter der Brücke in Höhe des Hotels Goldener Anker anlegte: Das Floß Emssaga VI hat in Bodenwerder Halt gemacht.

veröffentlicht am 25.08.2016 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Autor:

Marina Fuchs
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Das Floß Emssaga VI, am Samstag voriger Woche aus zehn Fichtenstämmen aus dem Teutoburger Wald am Weserpark in Hannoversch Münden zusammengebaut, machte nach fünftägiger Weserfahrt in Bodenwerder fest.

Am heutigen Freitag soll die Nostalgiefahrt, die an die alte Flößertradition erinnern soll, in Hameln zu Ende gegen. Am Anleger an der Kaimauer vor dem alten Minensucher soll die Emssaga VI dann am Samstag demontiert und zurück nach Rheine ins Münsterland transportiert werden.

Veranstalter der Floßtour ist der EmssagaVerein zur Förderung der historischen Emsschifffahrt e.V. Geboren wurde der Verein 1982 in Rheine, um an die historischen Emsschifffahrt zu erinnern. Die Emsflößer transportierten Holz zur Küste, wo es zu seetauglichen Schiffen verbaut wurde. Anfangs mit vier Flößern gegründet, erhöhte sich die Zahl der Crewmitglieder auf mittlerweile über 40 Personen.

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Gemächlich treibt die Emssaga VI die Weser hinab. Foto: Möllers

In seiner über 30-jährigen Tradition erinnerte der Verein immer wieder an die Tradition der Flößerei. Seit 2003 lagert der Verein stets zehn Fichtenstämme samt Aufbauten ein, um mindestens jedes zweite Jahr alles zusammenzubauen und auf unterschiedlichen Flüssen damit zu flößen. Während des Fußball-Sommermärchens 2006 befuhr die Crew zum ersten Mal die Weser. Nach zehn Jahren wird derzeit zum Jubiläum die Floßfahrt auf der Oberweser wiederholt. Wie Stefan Möllers, „Presseoffizier“, der Crew schildert, wird großes handwerkliches Geschick benötigt, um so ein Floß zusammen zu bauen. In der Flößermannschaft sind aber nur vier Handwerker. Der Rest im Team sind Kaufleute, Ärzte, Feuerwehrleute, Rechtsanwälte, Architekten und Polizeibeamte. Für Essen auf dem Floß sorgt ein Smutje. Diese Aufgabe übernehmen verschiedene Crew-Mitglieder. Und wäre nicht auch der Bordkapellmeister Michael Kerstiens dabei, gäbe es sicher viel weniger Spaß an Bord. Denn er animiert mit Banjobegleitung die Besatzung immer wieder zum Singen.

Mit Hilfe der Strömung treibt die „Emssaga VI“ flussabwärts. Um das mächtige Floß manövrieren zu können, befinden sich im Heck zwei 25- und 30 PS-Motoren. Diese werden unterstützt von zwei Bug- und einem Heckruder. „Nach fast zwanzig Jahren Erfahrung können wir das Floß „auf dem Teller drehen“ – wenn es notwendig ist“, beschreibt Peter Ebbing, Steuermann der Emssaga, die Manövrierfähigkeit des Wasserfahrzeugs. Auf dem Floß befinden sich wechselweise zwischen 16 und 30 Flößer. Einige sind die gesamte Tour dabei, andere haben sich für bestimmte Etappen entschieden.

Diese sogenannten „Dielenflöße“ waren im 18. und 19. Jahrhundert der häufigste Floßtyp auf der Weser. Der Holznachfrage folgend, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auch im Weserbergland mit dem Nadelholzanbau begonnen. Eine erste Meldung über die Zusammenstellung eines Floßes aus Fichtenholz ist aus Wahmbeck aus dem Jahr 1870 überliefert. Größere Mengen aus dem heimischen Raum wurden aber erst nach dem Ersten Weltkrieg geflößt.

Andere Transportmöglichkeiten entwickelten sich und schließlich transportierten ab Mitte der 1950er Lastwagen das Holz schneller und so letztendlich preiswerter. Die Flößerei kam zum Erliegen. 1964 passierten nur noch sechs Flöße die Schleuse in Hameln. Danach wurden Flöße nur noch aus nostalgischen Gründen gebaut. Mittlerweile wurde die Flößerei in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen.

Als eine viel beachtete Floßfahrt veranstalteten im Juli 2008 das „Büro am Fluss - Lebendige Weser e.V.“ und die „Flößerfreunde Reinhardshagen“ eine Floßfahrt von Reinhardshagen nach Bremen. Etwa acht Tage dauerte die Nostalgietour über 360 Weser-Kilometer. Und auch in diesem Jahr wollen es die Weserflößer Reinhardshagen erneut wagen. Im kommenden Monat September soll wieder ein echtes Holzfloß aus etwa 100 Festmetern Fichtenstämmen die Weser abwärts gelenkt werden. Das Holz stammt aus den Wäldern des Sollings und des Reinhardswaldes. Gestartet werden soll am Sonntag, 4. September in Reinhardshagen. Am Dienstag, 6. September, wollen die Flößer in Bodenwerder festmachen, am Mittwoch in Hameln sein.



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