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Bank in Ottenstein überfallen / Landgericht Bielefeld fällt Urteil

Mehrjährige Haftstrafen für Räuber-Trio

OTTENSTEIN/BIELEFELD. Insgesamt 33 Verhandlungstage hat das Landgericht Bielefeld benötigt, um drei Angeklagte zu verurteilen, die unter anderem auch in Ottenstein eine Bank ausgeraubt hatten. Mit einer Pistole bedrohten sie die die Bankangestellten. Die Beute betrug knapp 38 000 Euro.

veröffentlicht am 02.02.2018 um 18:05 Uhr
aktualisiert am 02.02.2018 um 21:20 Uhr

Im April vergangenen Jahres wurde die Volksbank in Ottenstein ausgeraubt. Foto: fn

Autor:

Ulrich Pfaff
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Manche Menschen führt ihr Beruf regelmäßig in den Gerichtssaal: Richter, Staatsanwälte, Strafverteidiger – und Verbrecher. Das, was gestern vom Landgericht Bielefeld abgeschlossen wurde, kann man mit Fug und Recht ein Mammutverfahren nennen – zumindest in der Sparte Bankraub. Insgesamt 33 Verhandlungstage hat das Landgericht benötigt, um drei Angeklagte zu verurteilen, die unter anderem auch in Ottenstein eine Bank ausgeraubt hatten.

Dort war der 50-jährige Angeklagte aus Petershagen zusammen mit seinem 57 Jahre alten Komplizen aus Bünde am 11. April nachts in die Volksbank eingestiegen, um am Morgen die Mitarbeiter abzupassen. Mit einer Pistole bedroht, öffneten die Bankangestellten den Maskierten den Tresor. Die Beute des Duos betrug knapp 38 000 Euro. Am Tatort blieb eine Leiter zurück, die von den Tätern benutzt worden war, um ins Obergeschoss zu gelangen. Ihre Herkunft führte die Ermittler der Sonderkommission „Burg“ zunächst in den Kreis Lippe, später gelang es, über DNA-Spuren darauf einen der beiden Tatverdächtigen zu ermitteln. Diese drangen am 9. Juni in eine Bank in Hilgermissen (Landkreis Nienburg) ein, um nach derselben Masche die Mitarbeiter zum Öffnen des Tresors zu zwingen. Nach dem Auslösen der Alarmanlage flohen die Täter, die jedoch kurz darauf von einem Sondereinsatzkommando der Polizei gestellt wurden – sie waren bereits auf dem Weg zum Tatort von der Polizei durch eine Überwachung des Fahrzeugs „begleitet“ worden. Begonnen hatte die Serie von Banküberfällen des 50-Jährigen und seines 21 Jahre alten Stiefsohns in Minden am 14. Mai 2015. Dort waren ebenfalls Bankmitarbeiter am frühen Morgen von zwei Männern abgepasst und bedroht worden, sodass sie den Tresor öffneten. Ein Mann wurde durch Schläge auf den Kopf verletzt, die Beute betrug 90 000 Euro.

Am 26. Februar hatte der 21-jährige Angeklagte die Volksbank-Filiale an der Bückeburger Straße in Steinbergen ausgeraubt: Er hatte eine Mitarbeiterin der Bank mit einer Pistole bedroht und sich Hartgeld in Höhe von 2120 Euro aushändigen haben lassen. Nach Überzeugung des Gerichts wurde der 21-Jährige von seinem Stiefvater bei der Tat begleitet.

Vier Wochen nach diesem Überfall raubten die beiden Angeklagten in ähnlicher Manier eine Volksbank-Filiale in Hohnhorst aus: Eine Mitarbeiterin händigte neben 1120 Euro Hartgeld aus ihrer eigenen Börse weitere 120 Euro aus, bevor sie in die Toilette gesperrt wurde. Nach dieser Tat wurde der Heranwachsende geschnappt und im Sommer 2016 vom Jugendschöffengericht in Stadthagen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Insgesamt betrug die Beute des Trios knapp 130 000 Euro.

Richter Dr. Thomas Hartmann fasste die in der gut 14 Monate währenden Beweisaufnahme gewonnenen Erkenntnisse des Gerichts detailliert zusammen und ließ die durchweg rücksichtslos und teils brutal begangenen Taten Revue passieren – von der Todesangst der Bank-Mitarbeiter, denen täuschend echt aussehende Pistolen an die Köpfe gehalten wurden bis hin zum Fesseln mit Kabelbindern.

Das Motiv sei jeweils akuter Geldmangel der drei Männer gewesen, sie seien planvoll vorgegangen. Der 50-Jährige habe in einem Telefonat mit einem der Mittäter das Motto ausgegeben: „Rein, raus, fertig ist der kleine Klaus.“ Die Quittung fällt stattlich aus: Elfeinhalb Jahre Haft für den 50-Jährigen als Drahtzieher und Haupttäter, neuneinhalb Jahre für den 57-Jährigen. Beide seien Berufsverbrecher, um dies zu erkennen „dazu bräuchten wir keinen Gutachter“, betonte der Richter. Für eine Sicherungsverwahrung reichten die Voraussetzungen jedoch noch nicht aus. Der 21-Jährige muss nach Jugendstrafrecht für fünf Jahre hinter Gitter.

Der Bünder beging die Taten, während er auf die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Paderborn wartete: Er war erst im April 2015 wegen gewerbsmäßigem schweren Diebstahls zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der 50-Jährige, ebenfalls mehrfach vorbestraft, war im Frühjahr 2015 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf freigesprochen worden, einen wohlhabenden Physiotherapeuten aus Hüllhorst getötet zu haben.



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