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Wie man mit T’ai Chi Körper und Geist in Gleichgewicht bringen kann

„Meditation in Bewegung“: Ein Hauch China in Bodenwerder

BODENWERDER. Geschmeidige Schritte, fließende Arm- und Handbewegungen, konzentrierte Mienen: Wie Ballett oder Tanz im Zeitlupentempo mutet die Darbietung der kleinen Gruppe an, die sich bei schönem Wetter dienstags im Rathauspark beobachten lässt. Während auf dem Münchhausenplatz der Feierabendverkehr rollt, praktizieren sechs Damen und ein Herr auf dem Gutshofgelände die chinesische Kampf- und Bewegungskunst T’ai Chi.

veröffentlicht am 11.09.2017 um 20:15 Uhr
aktualisiert am 11.09.2017 um 21:15 Uhr

Chinesische Kampf- und Bewegungskunst vor Bodenwerders Rathaus: Margot Pehle, Jörg Lages, Gisela Hollstein, Marion Hundertmark, Silke Gesterling und Irene Fabig praktizieren T’ai Chi-Übungen. Foto: saw
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Sabine Weiße Reporterin
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Angeleitet wird die Gruppe von Irene Fabig. „Wer T’ai Chi regelmäßig übt, erlangt die Geschmeidigkeit eines Kindes, die Gesundheit eines Holzfällers und die Gelassenheit eines Weisen“, stellt sie der heutigen Übungsstunde lächelnd ein chinesisches Sprichwort voran. T’ai Chi oder – wie es korrekt heißt - T’ai Chi Ch’uan gibt es in zahlreichen Varianten. Im aktuellen, organisatorisch unter dem „Dach“ des Kneipp-Vereins Bodenwerder laufenden Kurs, vermittelt Irene Fabig die sogenannte Kurzform. Dabei handelt es sich um eine aus 37 Elementen bestehende Choreografie. „Der Schwerpunkt dieser festgelegten Abfolge liegt einerseits auf der gesundheitsfördernden Wirkung, andererseits auf dem Aspekt des Lösens und Loslassens“, erklärt die ehemalige Grundschullehrerin. Seit 2013 leitet sie beim Kneipp-Verein Kurse in chinesischer Kampf- und Bewegungskunst. Wie kam sie zur „Meditation in Bewegung“, wie T’ai Chi gern auch umschrieben wird? „Vor etwa 25 Jahren sah ich im Fernsehen eine Dame, die mit Anfang 70 in ihrem Garten T’ai Chi übte. Wie geschmeidig, anmutig und sicher sie sich bewegte – das hat mich fasziniert. So fit wollte ich im Alter auch sein“, erinnert sich Irene Fabig an den Moment der „Infizierung“.

Bis heute sei T’ai Chi ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. „Ich übe regelmäßig, weil ich erfahren habe, welch gute Wirkung diese Bewegungskunst auf meine Gesundheit hat. Ich war schon mal viel älter“, schmunzelt die 70-Jährige. Nach einer Ausbildung zur Übungsleiterin am Institut für T’ai Chi Ch’uan und Meditation in Osnabrück unterrichtet sie seit acht Jahren.

Wichtig ist ihr eine „gelassene, zuversichtliche, freundliche Grundhaltung“ beim gemeinsamen Üben. „Ehrgeiz und Leistungsdruck sind fehl am Platz.“ Einen hohen Stellenwert genieße der Aspekt der Selbstfürsorge. Zwar sei sie die Anleitende, „aber der Übende bestimmt durch den Grad seiner Aufmerksamkeit selbst über den Erfolg“. Und so verzichtet Irene Fabig auf korrigierendes Eingreifen, auf Begriffe wie „falsch“ und „Fehler“. Stattdessen zeigt sie, wie es richtig geht, wieder und wieder. „Man praktiziert T’ai Chi nicht nur langsam, man lernt es auch langsam.“

So trainieren unter ihrer Anleitung an diesem Nachmittag vor der Rathaus-Kulisse Margot Pehle, Jörg Lages, Gisela Hollstein, Marion Hundermark und Silke Gesterling langsame, fließende Übungen mit poetischen Bezeichnungen wie „Die Schlange kriecht nach unten“, „Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus“ oder „Den Tiger umarmen und zum Berg zurückkehren“. Andere Figuren verbergen im Namen den Kampfkunst-Aspekt nicht, heißen „Schulterstoß“ oder „Drehung und Tritt mit der Ferse“. Was in China bis heute ein Volkssport ist, wird in Deutschland vorrangig wegen des Gesundheitsaspektes ausgeübt. „Ziel ist es, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen.“ Regelmäßig praktiziert, lockere, dehne und trainiere T’ai Chi den gesamten Bewegungsapparat, fördere das Gleichgewicht, harmonisiere das Zusammenspiel der inneren Organe, schule das Körperbewusstsein und führe zu innerer Stille, Klarheit und Gelassenheit.

Irene Fabig: „Das zeitlupenartige Bewegen verhilft dem Übenden zu einer inneren Ruhe und Entspannung. Gedanken und Bewegungsabläufe verschmelzen zu einer Einheit.“ Allerdings: Im Handumdrehen sei dieser Idealzustand nicht zu erreichen. „T’ai Chi ist ein Weg.“

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