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„Tag des offenen Denkmals“ in Linse

Liebfrauenkapelle - ein offenes Denkmal

BODENWERDER. „Entdecken, was uns verbindet“ lautet in diesem Jahr das Motto des Tags des offenen Denkmals, der am Sonntag, 9. September, stattfindet. Dieser hat zum Ziel, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Dabei steht auch die Liebfrauenkapelle in Linse im Fokus.

veröffentlicht am 20.08.2018 um 18:12 Uhr

Die Linser Liebfrauenkapelle von außen. Foto: Dewezet-Archiv

Autor:

Lea Drewnitzky
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Das kleine Gotteshaus ist bereits die dritte Kapelle an dieser Stelle. Eine Verbindung – passend zum Titel des Denkmaltages – der Linser Kapelle mit anderen besteht vor allem durch Wilhelm Sagebiel, den herzoglichen Hofbildhauermeister. Dieser wurde 1855 in Latferde (Emmerthal) geboren und wuchs in Bodenwerder heran, wo er das Schnitzen und Drechseln von seinem Vater und Großvater lernte. Die Christus-Figur in der Esperder Kirche als sein erstes christliches Werk legte den Grundstein für seine Karriere in der kirchlichen Kunst.

Bei der Fertigung des Altars und der Kanzel für die neu erbaute Kirche in Halle 1880 lernte Sagebiel den Architekten Hans Pfeifer und den Hofdekorationsmaler Adolf Quensen kennen, mit denen er viele Jahre zusammenarbeitete. Pfeifer erbaute 1897 die heutige Linser Kapelle, gemeinsam mit Quensen und Sagebiel. Dieser stiftete und schuf den Altar.

Die Liebfrauenkapelle wurde im Stil des Historismus gestaltet. Diese Kunstform geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit, die Kapelle wurde versachlicht. 2005 fand eine Restaurierung der Kirche statt, die nun wieder ein in sich geschlossenes Kunstwerk bildet.

Der Altar der Kapelle. Foto: Görsmann/pr
  • Der Altar der Kapelle. Foto: Görsmann/pr
Die Christusfigur von Wilhelm Sagebiel. Foto: Görsmann/pr
  • Die Christusfigur von Wilhelm Sagebiel. Foto: Görsmann/pr

Sagebiels tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat spiegelt sich auch in dem Spruch über der Absis wieder: „Wer da will, komme und nehme das Wasser des Lebens.“ Neben der theologischen Deutung kann darin auch eine Anspielung auf die Wassermassen verstanden werden, die bei Hochwasser der Weser von den Bachläufen Lenne und Spüligbach ins Dorf gebracht werden und dieses unter Wasser setzen.

Die Darstellung der „Legende vom Pelikan“, der sich für seine Jungen opferte, als er kein Futter mehr fand, am Altaraufsatz ist eines der häufigsten Motive in der sagebielschen Kunst. Dieses gilt als Zeichen des Opfertodes Christi.

Die Linser Kapelle bezeichnete Sagebiel zu Lebzeiten selbst als sein persönliches Kleinod. Von den Kunstwerken, die Sagebiel für etwa 90 verschiedene Kirchen schuf, stellt er zwei weitere Werke besonders heraus. Als sein Hauptwerk sah er den 10 Meter breiten und 15 Meter hohen gotischen Lettner in der Brüdernkirche in Braunschweig. Dieser wurde von ihm selbst entworfen und von 1904 bis 1906 erbaut. Für sein bestes Werk hielt er den Altarschmuck in Düshorn. Beide Kunstwerke sind bis heute erhalten.

Die Liebfrauenkapelle befindet sich auch in dem Verzeichnis von Sagebiels Werken, das neben liturgischen Ausstattungen auch Orgelhäuser und Patronatsgestühl umfasst. Diese schuf er bis zu seinem Tod 1940 für etwa 90 Kirchen in ganz Deutschland.

Wer sich nun selbst ein Bild von der künstlerischen Gestaltung der Kapelle machen will, kann diese am Tag des offenen Denkmals am 9. September zwischen 11 und 17 Uhr besichtigen. Führungen werden nach Bedarf von Helga Görsmann angeboten.



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